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Personalmangel im Bierzelt: Gäste attackieren Bedienungen - Bürgermeister springt als Kellner ein

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Von: Peter Loder

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Sprang spontan als Kellner ein: Maisachs Bürgermeister Hans Seidl. Er versuchte, die angespannte Situation zu beruhigen. Mit so einem Ansturm hatte ich nicht gerechnet. Festwirt René Kaiser
Sprang spontan als Kellner ein: Maisachs Bürgermeister Hans Seidl. Er versuchte, die angespannte Situation zu beruhigen. © Matthias J. Lange

Eklat beim Seniorennachmittag: Weil sie zu lange auf Maß und Hendl warten mussten, gingen Gäste auf Bedienungen los. Der Wirt ist maximal angefressen.

Maisach – Schließlich sprang sogar Maisachs Bürgermeister Seidl als Kellner ein. Der Wirt droht: Sollten seine Angestellten noch einmal so von Gästen angegangen werden, wird er das Zelt schließen – für den Rest des Volksfestes.

Es läuft nicht rund bei der Festwoche. Vor allem nach dem Seniorennachmittag am Montag häuften sich Beschwerden, die auch von Maisachs bestens vernetztem Bürgermeister nicht überhört werden konnten. In der Kritik steht vor allem die Bewirtung durch den neuen, kurzfristig eingesprungen Festwirt. Zu lange Wartezeiten nach der Bestellung oder sogar fehlende Hendl sowie die Qualität des Schweinsbraten wurden von unzufriedenen Gästen in den sozialen Medien moniert.

Volksfest Maisach: Wirt sprang kurzfristig ein - Festzelt droht Schließung

Der Wirt war kurzfristig nach der Absage des ursprünglich vorgesehenen Gastronomen eingesprungen. Rathaus-Chef Hans Seidl hatte schon im Vorfeld der Festwoche darauf hingewiesen, dass „es heuer vielleicht nicht so läuft, wie in den 45 Jahren zuvor“. Das betrifft vor allem das Bedienungspersonal.

Obwohl der Münchner Festwirt-Neuling René Kaiser zunächst noch angekündigt hatte, „der Bedarf ist in Maisach gut abgedeckt“, stand er am Montag beim Seniorennachmittag vor einem Problem: Von zehn angekündigten Verstärkungen waren nur drei gekommen. Weshalb sogar der Bürgermeister spontan zum Ausschank schritt und die Maßen an die Tische brachte.

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René Kaiser selbst nennt es „erschreckend“, wie aggressiv mit seinen Mitarbeitern umgegangen wurde. „Leider wurde mir erst am Abend berichtet, was da abgegangen ist.“ Teilweise seien Bedienungen am Dirndl gepackt, verbal beleidigt worden. Sogar körperliche Gewalt habe man ihnen angedroht. „Hätte ich das gleich erfahren, wäre das Zelt sofort geräumt worden“, so Kaiser.

Einwurf: Mehr Contenance wagen

Ein leerer Maßkrug wiegt normalerweise 1,3 Kilogramm. Dazu kommt – wenn ordentlich eingeschenkt ist – ein Liter Bier, was einem Gewicht von einem Kilogramm entspricht. Maisachs Bürgermeister trägt auf dem Bild also 13,8 Kilogramm vor sich her – was schon einen gewissen Respekt verdient: Das schafft nicht jeder, überrascht aber auch nicht. Denn Hans Seidl ist dafür bekannt, dass er durchaus in der Lage ist, auch inhaltlich Gewichtiges zu servieren und nicht nur irgendwas aufzutischen. Aber Blödelei beiseite: Traurig ist es schon, wenn es bei einem Seniorennachmittag fast schon zu Ausschreitungen kommt. Andererseits: Wer je in einem Bierzelt gearbeitet hat, weiß um die besondere Herausforderung eines solchen Nachmittags. „Da geht´s zua wia´d Sau“, lautete die Warnung eines Altgedienten, als ich vor Jahren im Ferienjob in einem Zelt Hendl halbieren durfte. Und so war es auch: Es ging zua wia d´Sau. Dies allein schon wegen der schieren Menge an Gästen, die praktisch alle gleichzeitig bedient werden sollen. So betrachtet bleibt gerade in diesen Tagen fehlenden Personals und insgesamt schwieriger werdenden Zeiten: Mehr Contenance wagen. (st)

Sollte sich das noch einmal in derart krasser Form wiederholen, werde er nicht zögern, seine Arbeit in Maisach sofort zu beenden. „Ich hätte mir meinen Start auch anders gewünscht, aber die Personalsituation ist wirklich nicht einfach.“ Und „diejenigen Maisacher, die unzufrieden sind“ dürften nicht vergessen, dass sie nach der unerwarteten Absage seines Vorgängers heuer eigentlich gar keine Festwoche hätten, wenn nicht alles so kurzfristig organisiert worden sei.

Volksfest Maisach: Bürgermeister wirbt um Verständnis

Nachdem sich die Beschwerden im Publikum häuften, trat Seidl sogar ans Mikrophon und bat um Verständnis: „Lasst euren Ärger nicht an den Bedienungen aus. Die, die da sind, laufen, was das Zeug hält.“ Der Rathaus-Chef wirbt für das noch bis Sonntag dauernde Volksfest noch einmal um Verständnis.

„Vielen ist noch nicht ganz klar, dass sich die Zeiten geändert haben. Das Personalproblem, das seit der Pandemie im Gastro-Gewerbe herrscht, ist bei einem Volksfest noch viel gravierender“, sagt Rathaus-Chef Seidl. Festwirt Kaiser hat zuvor in München eher kleinere Wohnviertel-Feiern gastronomisch betreut. Bürgermeister Seidl stärkt ihm den Rücken. „Er musste am Samstag 200 Hendl wegwerfen und hat deshalb etwas vorsichtiger bestellt.“ Das seien Erfahrungswerte, die ein Neuling erst sammeln müsse.

Volksfest Maisach: Das sagt der Chef der Brauerei

Maisachs Brauerei-Chef Michael Schweinberger stellt sich ebenfalls hinter den Festwirts-Novizen: „Kaiser hat sich im Vorfeld wahnsinnig engagiert und es geschafft, in sechs Wochen ein Volksfest zu organisieren. Gleichzeitig hat er mit dem Kettenkarussell und dem Weinzelt neue Impulse gesetzt.“ Die am Seniorennachmittag fehlenden Gratis-Hendl zum Gratis-Bier erklärt Kaiser mit dem Umstand, dass er nicht erfahren habe, dass die Gemeinde 2500 Einladungen verschickt hat. „Mit so einem Ansturm hatte ich nicht gerechnet.“

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