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Coronavirus: Brucker Nachbarschafts-Gruppe bringt erste Helfer und Hilfe-Suchende zusammen

  • Thomas Eldersch
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Das Coronavirus lässt die Menschen näher zusammenrücken – im übertragenen Sinn. Weil ältere und kranke Menschen jetzt ihre Kontakte einschränken sollen, organisieren sich immer mehr Freiwillige, um sie zu unterstützen. Über die Brucker Nachbarschaftshilfe-Gruppe konnten jetzt schon mehrere Helfer vermittelt werden.

Update vom 17. März

Viele Menschen wollen sich bereits für die Brucker Corona-Nachbarschaftshilfe engagieren. Die Facebook-Gruppe von Gründerin Monika Graf (43), die Hilfe-Suchende und Helfer zusammenbringt, hat mittlerweile schon über 1000 Mitglieder. Auch den ersten Bedürftigen konnte bereits geholfen werden. 

Für viele Arbeitnehmer ist zur Zeit Arbeiten von Zuhause angesagt – oder sie haben gleich ganz frei. Nicht so die Ärzte und Pfleger der Kreisklinik Fürstenfeldbruck. Vor allem für die Väter und Mütter unter ihnen ist es – jetzt da die Kitas und Schulen geschlossen sind – schwer, jemand zu finden, der die Kinder beaufsichtigt. Hier konnte die Corona-Nachbarschaftshilfe weiterhelfen. „Für sechs Familien wurden Betreuer gefunden“, sagt Graf. Sie gehe aber davon aus, dass nächste Woche noch mehr Anfragen von Klinikmitarbeitern oder anderen Arbeitnehmern kommen werden. 

Auch den Betreibern des Brucker Tierheims konnte geholfen werden

Auch Hund, Katze und Hamster im Brucker Tierheim müssen in Zeiten von Corona weiter versorgt werden. Die Betreiber der Einrichtung – ein älteres Ehepaar, beide über 70 Jahre alt – konnten die Aufgabe aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bewältigen. Vor allem da die Frau nun – nicht wegen dem Coronavirus – ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Schnell fanden sich in der Facebook-Gruppe hilfsbereite Tierfreunde. „Am Anfang der Woche haben wir den Suchaufruf gestartet und schon am Dienstag haben die ersten Helfer im Tierheim mitgearbeitet“, erzählt die 43-Jährige. „Wir hatten sogar mehr Hilfsangebote, als wir gebraucht haben.“

Die Betreiberin der Facebook-Gruppe: Monika Graf.

Um auch Menschen zu erreichen, die mit Facebook nichts am Hut haben, hat sich die Bruckerin etwas überlegt. Sie hat einen Infozettel gestaltet, auf dem alle Informationen zur Gruppe stehen. Außerdem gibt es eine Hotline unter der sich Hilfesuchende die keinen Zugang zum Internet oder Facebook haben, wenden können. 

Damit der Infozettel auch die Betroffenen erreicht, ist Graf einen außergewöhnlichen Weg gegangen. „Ich habe alle Brucker Apotheken angerufen und mit ihnen ausgemacht, dass sie mit ihren Medikamentenlieferungen den Flyer gleich mit verteilen.“

Coronavirus: Freiwillige Helfer gründen Nachbarschafts-Gruppen zur Unterstützung Betroffener (erschienen am 13. März)

Fürstenfeldbruck – Krisenzeiten erfordern besondere Maßnahmen. Das hat sich auch Monika Graf aus Fürstenfeldbruck gedacht. Die 43-Jährige hat spontan eine Corona-Nachbarschafthilfe-Gruppe bei Facebook gegründet. Hier sollen sich freiwillige Helfer und Bedürftige austauschen. Ihrem Beispiel folgen nun immer mehr Menschen im ganzen Landkreis. Das Organisieren liegt der 43-jährigen Bruckerin im Blut. Sie ist Regisseurin für Konzernveranstaltungen. „Wegen der Corona-Krise gibt es zur Zeit relativ wenig für mich zu tun“, sagt sie. 

Beistand leisten

Als dann klar wurde, dass in Bayern ab kommender Woche Schulen und Kindertagesstätten geschlossen werden, nahm sich Graf vor, aktiv zu werden. Die Angebote der Helfer richten sich vor allem an ältere und kranke Menschen, die nicht vor die Tür gehen können. Beistand soll aber auch Berufstätigen geleistet werden, deren Kinder betreut werden müssen. „Jetzt ist die Zeit der Nachbarschaftshilfen gekommen“, sagt auch Sabine Brügel-Fritzen, Geschäftsführerin des Sozialdienstes Germering. Für sie als Institution sei es aber schwierig, spontan solche Projekte auf den Weg zu bringen. „Da macht uns die Bürokratie einen Strich durch die Rechnung.“ Denn Helfer für den Sozialdienst müssten versichert werden. Es müssten Datenschutzrichtlinien eingehalten werden. Und beim Einkaufsdienst braucht es eine Einzugsermächtigung.

 All das ist bei der Nachbarschaftshilfe-Gruppe von Monika Graf nicht notwendig. Hier wollen Freiwillige helfen, die meist nur ein paar Häuser oder Wohnungen von Betroffenen entfernt wohnen. Man kenne sich also in der Regel. Bis Freitagmittag haben sich schon über 300 Helfer in der geschlossenen Gruppe registriert. Sie bieten Hilfe beim Einkaufen oder beim Gang zur Apotheke an. Angebote für Fahrten zum Arzt oder zur Hilfe bei der Kinderbetreuung finden sich ebenfalls. Als Empfängerin der Hilfe hat sich bereits eine Mitarbeiterin der Kreisklinik gemeldet, die die Kinderbetreuung für das Personal organisiert. Sie sei sehr dankbar für die angebotene Unterstützung. 

Selbstschutz wichtig

„Bei all der Hilfsbereitschaft darf aber auch der Selbstschutz nicht zu kurz kommen“, sagt Klaus Engstler, Gründer der Maisacher Nachbarschaftshilfe-Gruppe. Bei Menschen in Corona-Quarantäne oder bei Kranken und Älteren müssten bestimmte Hygiene-Maßnahmen ergriffen werden, um sich selbst und das Gegenüber nicht zu gefährden. Außerdem hat der Maisacher Sorge, dass Scharlatane oder kommerzielle Anbieter die Gruppe missbrauchen könnten. Deshalb hat er bestimmte Verhaltensregeln für die Helfer und Hilfesuchenden aufgeschrieben. Neben den Gruppen in Bruck und Maisach, gibt es auch Facebook-Aufrufe zur Nachbarschaftshilfe in Germering, Eichenau und Olching. Wichtig – vor allem für ältere Menschen – sei aber auch die Verbreitung der Hilfsangebote auf analoger Basis, so Engstler. „Ich kenne allein zwei Senioren, die völlig allein sind. Die werde ich dann persönlich ansprechen“, sagt der Maisacher.

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