1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck
  4. Maisach

Crowdfunding-Aktion: Brauerei bittet um Geld und zahlt Bier-Zins

Erstellt:

Von: Andreas Daschner

Kommentare

Brauerei Maisach, bei München
Michael Schweinberger. © Bernhard Huber Munich

Investieren, obwohl nach Corona das Geld knapp ist: Das will Maisachs Brauereichef Michael Schweinberger. Er beschreitet deshalb neue Wege und startet eine Crowdfunding-Aktion. Wer Anteile zeichnet, bekommt einen Bier-Zins.


Maisach – Zins auf Bier, das rat ich Dir – so heißt die Aktion, bei der jeder ein Teil der Brauerei Maisach werden kann. Im Internet auf www.conda.de/zins-auf-bier/ kann jeder quasi Anteile der 466 Jahre alten Traditionsbrauerei im Wert zwischen 100 und 25 000 Euro kaufen. Laufzeit: zehn Jahre. Ziel ist es, bis Ende Juli 300 000 Euro zu sammeln.

Brauerei Maisach: Genuss-Scheine

Umsonst muss man sein Geld aber nicht zur Verfügung stellen. Es gibt einen – im wahrsten Sinne des Wortes – Bier Zins: Am Jahresende werden die Zinsen in Höhe von sechs bis sieben Prozent in Form von sogenannten Genussscheinen ausbezahlt. Für diese gibt es entweder Bier bei der Brauerei oder sie können in mehr als 30 Gaststätten in der Region als Gutschein eingelöst werden.

Ganz neu ist die Idee des Crowdfunding in der Brauerei-Branche freilich nicht. Die Giesinger Brauerei startete schon mehrfach eine solche Aktion, auch die Braumanufaktor Olching griff bereits auf diesen Weg der Geldbeschaffung zurück.

Um etwaigen Gerüchten vorzubeugen, sagt Brauereichef Schweinberger sofort: „Eine Insolvenz ist bei uns nie im Raum gestanden.“ Das Geld wird also weder für Löcher in der Kasse, noch wegen der steigenden Energie- und Rohstoffkosten benötigt. Vielmehr möchte Schweinberger weiter investieren.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen FFB-Newsletter.)

In der Corona-Krise startete der 60-jährige Brauerei-Geschäftsführer sein „Projekt Italien“, wie er es nennt. Die Brauerei exportiert seitdem ihr Bier zunehmend in das Mittelmeerland. Los ging es 2020 als zartes Pflänzchen, wie Schweinberger sagt. Doch dieses Pflänzchen wächst schnell. „Wir produzieren 11 000 Hektoliter Bier im Jahr, davon 1000 für Italien – also fast zehn Prozent unserer Gesamtmenge“, sagt Schweinberger.

Brauerei Maisach: Neue Kunden

Um neue Kunden im Süden zu erschließen, benötigt die Brauerei Geld. Schließlich wollen die Gaststätten auch dort mit Gläsern oder Brauereischildern für ihre Gaststätten ausgestattet werden. Pro Gaststätte keine schwindelerregende Investition. „Aber wenn man mehrere Ausstattungen finanzieren muss, summiert sich das“, sagt Schweinberger.

Dazu kommt, dass auch in Deutschland immer wieder Ausgaben anstehen. Zum Beispiel bei einem Pächterwechsel. „Dann muss man vielleicht den Biergarten wieder herrichten, eine neue Markise einbauen oder ähnliches“, sagt Schweinberger.

Brauerei Maisach: Teure Umstellung

Auch wenn die Brauerei finanziell nicht in den roten Zahlen steht, ist das Geld für derartige Investitionen dennoch knapp – auch weil Schweinberger bei seinem Amtsantritt 2016 gleich groß Geld in die Brauerei gesteckt hat. „Wir haben damals den Fuhrpark komplett erneuert, einiges bei der Brautechnik und der Gebäudesubstanz übernommen und zudem unsere Flaschenform umgestellt.“ Statt der früher benutzten schmaleren und etwas größeren Flasche kommt nun die übliche Euro-Flasche zum Einsatz, wie man sie bei den meisten anderen Bieren auch kennt. „Alleine diese Umstellung kostete uns eine mittlere sechsstellige Summe“, sagt Schweinberger.

Und nach diesen ganzen Investitionen kam die Pandemie. „Corona hat bei uns richtig reingehauen“, sagt der Brauereichef. Der monatliche Umsatz ging um mindestens 25, in der Spitze sogar um 67 Prozent zurück. Dank neuer einlagen, Hilfen der Hausbanken, Kurzarbeit und staatlichen Überbrückungshilfen kam die Brauerei zwar gut über die Runden. „Aber durch die Investitionen zuvor war es uns nicht möglich, ein dickes finanzielles Polster anzuhäufen“, sagt Schweinberger. Das wäre aber jetzt nötig, um die gewünschten Investitionen zu tätigen.

Brauerei Maisach: Neue Wege

Warten, bis die Firma „wieder Speck angesetzt hat“, will Schweinberger nicht. Darum also jetzt das Crowdfunding. Eine Aktion, die auch der Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch untersützt. Der Staat habe schon viel für die Gastronomie und das weiterverarbeitende Gewerbe getan, sagt er. „101 Millionen Euro Corona-Wirtschaftshilfen fließen in den Landkreis Fürstenfeldbruck, davon ein Drittel in die Gastronomie und sechs Millionen Euro an Gewerbebetriebe wie die Brauerei.“

Dass die Unternehmer nun neue Wege beschreiten, begrüßt Miskowitsch – so auch das Crowdfunding in Maisach. „Die Bindung der Kunden zur Brauerei ist dadurch eine ganz andere – schließlich hat man Anteile daran.“

Auch interessant: Maisach steht ohne Festwirt da - Volksfest auf der Kippe

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck finden Sie auf Merkur.de/Fürstenfeldbruck.

Auch interessant

Kommentare