Eugen Bachhuber ist der Umweltbeauftragte der Gemeinde Maisach.

Schutzgebiet

Debatte um Nitratgehalt im Trinkwasser und Boni für Landwirte

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Über den Schutz des Trinkwassers, das Zutun der Landwirte und Prämien seitens der Kommune ist im Gemeinderat diskutiert worden. Im Endeffekt wird nun das Gebiet, für das die Gemeinde Boni zahlt, wenn sich die Bauern bei der Bewirtschaftung an bestimmte Regeln halten, ausgeweitet. 

Maisach

Dem Trinkwasser, dessen Qualität ohnehin gut sei, werde das „nichts Merkliches bringen“, sagt Eugen Bachhuber, der Umweltbeauftragte im Rathaus. Der Nitratgehalt werde nur minimalst sinken.

Bürgermeister Hans Seidl (CSU) hatte die Expertise des Fachmanns Bachhuber als „Meinung“ bezeichnet. Ihm sei aber wichtig, die Partnerschaft zwischen Gemeinde und Bauern zu stärken, zumal der Vorschlag zur Gebietserweiterung von den Landwirten gekommen war.

Aber von Anfang an. Zunächst muss zwischen zwei Gebieten unterschieden werden: dem Wasserschutzgebiet (WSG) und dem Maßnahmengebiet. Das WSG war kürzlich erweitert worden, von 47 auf 350 Hektar. In diesem Areal sind zum Beispiel bauliche Anlagen nur sehr eingeschränkt möglich. Zudem müssen sich Landwirte, die dort Felder haben, an Vorgaben halten, die sich laut Bachhuber aber weitgehend mit den Regelungen der Düngeverordnung decken. „Niemand ist begeistert, wenn er Grund in einem Wasserschutzgebiet hat“, sagt er. Aber: Wenn ein Bauer nachweist, dass er durch die dortigen Auflagen Nachteile hat, erhält er eine Entschädigung.

Etwas anderes ist das Maßnahmengebiet. Das Projekt wurde von Bachhuber 1996 gestartet, nachdem Maisach ein massives Problem mit dem Nitratgehalt in den Flachbrunnen hatte. Damals war der Grenzwert von 50 Milligramm/Liter überschritten.

Landwirte, die im Maßnahmengebiet Felder bewirtschaften, bekommen seit 19 Jahren von der Gemeinde ein Angebot: Wenn sie sich an Regeln halten, die der Reduzierung des Nitrateintrags dienen, erhalten sie eine Entschädigung. 30 000 Euro pro Jahr investiert die Gemeinde dafür. Für rund 210 Hektar gilt diese Partnerschaft. Das System funktioniert. Der Nitratgehalt wurde etwa um 15 mg/l gesenkt.

Das Maßnahmengebiet und das erweiterte WSG überschneiden sich teilweise. Nun hatte ein Landwirt aus Galgen die Ausdehnung des Maßnahmengebiets auf das ganze WSG gefordert. Das bedeutet eine Vergrößerung des Gebiets für mögliche Bewirtschaftungsverträge von 210 auf 350 Hektar und Mehrkosten von maximal 9000 Euro. Nicht nötig, urteilte Bachhuber aus fachlicher Sicht. Einzige Auswirkung wären zusätzliche Kosten, die auf den Wasserpreis umgelegt werden müssten. Bürgermeister Seidl fand dagegen, das müsse dem Verbraucher der Trinkwasserschutz wert sein.

Christine Wunderl und ihre Grünen stellten sich auf Bachhubers Seite. Man dürfe seine Bewertung „nicht als Meinung abqualifizieren. Das ist eine fachliche Stellungnahme.“ Doch das restliche Gremium folgte dem Bürgermeister. Das Maßnahmengebiet wird auf das gesamte WSG erweitert – sogar darüber hinaus, wenn „eine nachhaltige Verbesserung möglich ist“, wie reichlich schwammig im Beschluss festgehalten ist. Eine Erweiterung auf Flächen südlich und westlich von Galgen, von Bachhuber als zumindest einigermaßen sinnvoll erachtet, war im Gemeinderat nicht erwünscht. Helga Zagermann

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