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Noch stehen die Linden zwischen Maisach und Überacker. Die weißen Punkte an den Stämmen wurden für Abstandsmessungen gebraucht

Große aufregung in maisach

Diese Alleebäume sollen Leitplanken weichen

Die Allee zwischen Überacker und Maisach ist wohl einzigartig im Landkreis. Doch jetzt ist ein Teil der 160 Linden in Gefahr. Wegen Sicherheitsrichtlinien müssten Leitplanken gesetzt werden. Den Bäumen, die im Weg stehen, droht die Fällung. In Maisach herrscht Aufregung.

Maisach– 70 bis 100 Jahre alt ist die Allee, welche die beiden Ortsteile verbindet, schätzt Archivar Stefan Pfannes. Er sitzt für die CSU im Gemeinderat und brachte dort das Thema zur Sprache. Ihm war aufgefallen, dass die Linden innerhalb der vergangenen drei, vier Wochen mit weißen Punkten markiert worden waren. „Was bedeutet das? Werden die gefällt?“, wollte Pfannes wissen.

Nein, werden sie nicht. Zumindest nicht sofort. Und auch nicht alle. Aber einige Linden werden wohl dran glauben müssen. Das hat damit zu tun, dass das Staatliche Bauamt ab Juni in Überacker die große Brücke über die Maisach saniert.

Da müsse die Strecke sowieso gesperrt werden, erklärt Alex Eder vom Staatlichen Bauamt. Bei der Gelegenheit könne man auch gleich die Staatsstraße 2054 vom Ortsausgang Maisach bis zu eben dieser Brücke sanieren. Aus Aufzeichnungen der Behörde geht hervor, dass die Straße in der jetzigen Form 1978 gebaut wurde. „Die Fahrbahn muss dringend erneuert werden.“ Und jetzt kommt das Problem: Wird eine Straße grundlegend saniert, dann greifen die RPS. Das sind die „Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme“.

Durch die RPS soll die Zahl der schweren oder gar tödlichen Unfälle verringert werden – zum Beispiel, indem man Leitplanken vor Bäume baut. „Unser Auftrag ist die Verkehrssicherheit“, betont Alex Eder. „Aber wir werden versuchen, möglichst viele Bäume zu erhalten.“ Dass die Linden markiert sind, liege daran, dass man bei jedem der etwa 160 Bäume den Abstand zur Straße vermessen habe. „Manche stehen sehr nah dran, etwa 20 Stück zu nah“, berichtet Eder. Denn die Vorderkante einer Leitplanke muss 50 Zentimeter vom Fahrbahnrand entfernt sein. Samt Hinterbau wird ein Abstand von etwa einem Meter gebraucht, damit die Leitplanke zwischen Baum und Asphalt passt.

Eder sagt, er kenne keinen Vergleichsfall im Landkreis und der umliegenden Region: „Das ist schon eine ganz besondere Allee, besonders weil die Bäume so nah an der eher schmalen Fahrbahn stehen.“

Rund 20 Linden sind also gefährdet. Jetzt wird in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde geklärt, welche Möglichkeiten es gibt, sie zu retten. Wenn in den Bäumen Fledermaushöhlen sind oder seltene Käferarten wohnen, können sie nicht einfach gefällt werden – das Naturschutzgesetz steht über einer Richtlinie. Zumal die Straßenplaner auch auf andere Regelwerke zurückgreifen können, die mehr den Naturschutz in den Vordergrund stellen. „Wir müssen Verkehrssicherheit und Naturschutz vereinen“, sagt Eder.

Vorerst aber sind die Bäume sicher. Denn das Zukunftskonzept für die Allee wird frühestens im Sommer fertig sein – und zwischen 1. März und 30. September dürfen laut Naturschutzgesetz sowieso keine Bäume gefällt werden. Wenn im Oktober tatsächlich gerodet werden muss, muss das Staatliche Bauamt für Ersatzpflanzungen sorgen. Eder schlägt vor, in diesem Zuge Lücken in der Allee zu schließen – aber natürlich müssten die neuen Bäume weit genug weg vom Fahrbahnrand stehen.

Trotzdem sind die Maisacher alarmiert. Archivar Pfannes hält die Allee für „gemeindeprägend“. Er war in der Sitzung, als Bürgermeister Hans Seidl (CSU) kurz die Hintergründe erläutert hatte, richtig sauer.

„1000 Meter weiter, auf dem alten Flugplatz, da tragen wir aus Naturschutzgründen die Feldhamster über die Straße. Und hier werden ohne Not Bäume gefällt“, sagte Pfannes. Als Unfallschwerpunkt will die Allee übrigens niemand bezeichnen. Zwar gab es schon tödliche Unfälle. So war vor sechs Jahren an Fasching ein 20-Jähriger gegen einen Baum gefahren und gestorben. Doch eine Häufung liegt nicht vor. Und so sagt der Rathauschef auch: „Bei aller Würdigung der Sicherheit und aller Traurigkeit darüber, was schon passiert ist: Wir wollen die Allee erhalten.“

Zumal viele Gemeinderäte Angst haben, dass auf der sanierten Strecke noch schneller gefahren wird. Ein Tempolimit sei schwer durchzusetzen, erklärt Karl Stecher, Chef der Verkehrsbehörde im Landratsamt. „Dieser Straßenabschnitt ist nicht besonders unfallauffällig.“ Die Unfallkommission, in der Vertreter von Verkehrsbehörde, Polizei und Staatlichem Bauamt sitzen, brauche einen triftigen Grund für ein Limit.

von Helga Zagermann 

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