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DreiKönigstag

Eine ganze Familie im Sternsinger-Fieber

An Heilig-Drei-König schwärmen wieder die Sternsinger aus. In Gernlinden gibt es hierbei eine ganz besondere Tradition: Die Familie Strähhuber ist seit vielen Jahren immer am 6. Januar im Ort unterwegs.

Gernlinden – Die schwarze Schminke juckt auf der Haut. Der Turban drückt. Als Kind hatte Florian Strähhuber am Abend des Dreikönigstages manchmal richtig Kopfweh. Trotzdem ist er seiner Rolle als Moor stets treu geblieben. Der 42-Jährige und seine vier Jahre ältere Schwester sind die vermutlich dienstältesten Sternsinger im Landkreis. Und das ist auch gut so, denn ohne den jährlichen Besuch der Geschwister Strähhuber würde vielen Gernlindnern etwas fehlen.

Bei den Eltern Alfons und Annemarie Strähhuber wurde Brauchtum schon immer groß geschrieben. Und so war es kein Wunder, dass sie ihre Kinder schon früh zum Sternsingen mitnahmen. Man fing mit drei Jahren als Engel an, erinnern sich Ruth und Florian. „Mit fünf oder sechs wurde man dann zum König befördert. Das war wie ein Ritterschlag.“

Ursprünglich waren noch zwei weitere Geschwister der beiden mit von der Partie. Inzwischen gehen Ruth Strähhubers Töchter mit. Der Zauber beginnt bereits beim Einkleiden. Bis heute. Wenn sie im Keller der Eltern in ihre Königs-Gewänder schlüpfen, dann ist das für die Strähhubers immer wieder ein feierlicher Moment. Die Kleidungsstücke sind nicht etwa irgendwelche Faschingsfummel oder umgearbeitete Samtvorhänge. Annemarie Strähhuber hat über die Jahrzehnte viele Kostbarkeiten von Reisen mitgebracht – Stoffe aus Marokko zum Beispiel, einen rumänischen Hochzeitsgürtel oder einen armenischen Mantel, den sie auf dem Naschmarkt in Wien entdeckte. „Unsere Mutter hat einen unendlichen Fundus“, erzählen die Geschwister.

In den Sachen fühlen sie sich anders als im normalen Leben. Besonders. Wie Könige eben. Dann geht es los – mit Weihrauchfass, geweihter Kreide und Sammeldose. Mit den immer gleichen zwei Liedern, zwei Sprüchen und den Segenswünschen für das neue Jahr. Früher haben sie bis zu 120 Haushalte abgeklappert, inzwischen sind es noch um die 25 Adressen. Dort freuen sich die Leute jedes Jahr wieder auf den Besuch der Strähhuber-Könige, für manche ist er ein wichtiges Ritual. „Dieses stetige Kommen seit über 40 Jahren ist in vielen Familien ein Anker geworden“, sagt Ruth Strähhuber. „Und für uns auch.“ Sie denkt auch nicht ans Aufhören. Ihr Bruder kommt sogar aus seiner Wahlheimat in der Schweiz jedes Jahr am 5. Januar nach Gernlinden, rechtzeitig zum Dreikönigstag. Und rasiert sich sogar den Bart ab, weil der mit der schwarzen Schminke nicht zusammenpassen würde.

Einmal hat ein älterer Herr den ganzen Tag auf sie gewartet. Die Kerzen waren schon heruntergebrannt, als die Geschwister endlich an seiner Tür läuteten. „Wir haben noch mit ihm zusammengesessen und geredet“, erinnert sich Florian Strähhuber. Es sollte der letzte Abend des Mannes gewesen sein, er starb in der darauffolgenden Nacht.

Die gesammelten Spenden – meist sind es um die 800 Euro – gehen an eine Missionsstation in Tansania. Den Strähhubers ist es wichtig zu wissen, was mit dem Geld geschieht. Sie erfahren es jedes Jahr aus einem Dankesbrief der Missionsschwestern. Einmal war sogar eine von ihnen zu Besuch da. Damals war Ruth Strähhuber noch ein Kind. Die Schwester berichtete, dass von den Spenden Autoreifen gekauft worden waren. Und wie viel besser man nun zu den Kranken und Hilfsbedürftigen gelangen könne. „Das hat mich motiviert“, erzählt die 46-Jährige. „Ich weiß noch, dass ich wahnsinnig stolz war, als wir das erste Mal über 1000 Mark gesammelt hatten.“

Am Ende des Dreikönigstages sind die Geschwister recht geschafft. Und pappsatt. Denn überall wird ihnen etwas angeboten – vom Gläschen Wein bis zum Hirschgulasch. Trotzdem gibt es abends bei Muttern noch Spaghetti bolognese. Auch das gehört zum Ritual dazu – bevor die Königsgewänder wieder für ein Jahr im Keller verschwinden. (os)

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