Jakob Göttler ist im Alter von 82 Jahren verstorben.
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Jakob Göttler ist im Alter von 82 Jahren verstorben.

Nachruf

Er musizierte für Präsidenten und Staatschefs

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Er musizierte für den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, für Präsidenten und Staatschefs überall auf der Welt und vor allem für Deutsche im Ausland.

Germerswang – Wenn irgendwo ein „Oktoberfest“ stattfand, waren Jakob Göttler und die Germerswanger Luitpoldmusikanten nicht weit. Auf ihren Reisen hatten sie immer eine bayerische Fahne im Gepäck – sahen sie es doch als ihre Aufgabe an, den Freistaat in der weiten Welt zu repräsentieren.

In den Reihen der Blaskapelle, der er seit 1981 angehörte, marschierte Jakob Göttler mit seinem Tenorhorn bei der Steuben-Parade in New York mit, spielte in der Mongolei, in Australien, am Fuß der Niagarafälle, in Namibia, China und Südamerika. Aus der Ruhe bringen konnte ihn dabei so leicht nichts – nicht mal Pannen wie verloren gegangenes Gepäck.

Das passierte auf einer Reise ins brasilianische Manaus. Vergeblich hielten die Musiker am Gepäckband des Flughafens nach ihren Koffern Ausschau, die zur besseren Erkennbarkeit alle mit einem roten Band gekennzeichnet waren. In brütender Hitze mussten alle zunächst ohne Wechselkleidung und ohne Instrumente in ihre Unterkunft fahren.

Ein paar aus der Reisegruppe – unter ihnen der Reise-Organisator, Maisachs damaliger Bürgermeister Gerhard Landgraf – hatten unterwegs noch einen Abstecher nach Argentinien zum Steakessen gemacht. Als sie am nächsten Tag nach Manaus nachkamen, staunten sie nicht schlecht, als ihnen auf dem Gepäckband des Flughafens sämtliche rot markierten Koffer der Musikerkollegen entgegen kamen. In der Gruppe war die Erleichterung groß, als die Nachzügler mitsamt dem verspäteten Gepäck eintrafen.

„Der Jockl ist selbst in solchen Situationen locker geblieben und hat sich nicht aufgeregt“, sagt Gerhard Landgraf über seinen Freund Jakob Göttler. Die gemeinsamen Reisen fanden meist im Zusammenhang mit dem Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) statt, für den Landgraf sich engagierte. Göttler war ihm bei den Vorbereitungen stets eine verlässliche Stütze.

Auch außerhalb der Blaskapelle, die er 20 Jahre lang leitete, war der Familienvater musikalisch aktiv. Er sang beim Schützen-Trio Germerswang und verschönerte mit seinem Akkordeon und viel Humor unzählige Geburtstags- und Weihnachtsfeiern.

Zuhause wurde mit Ehefrau Hermine und den Kindern Claudia, Richard und Ernst gerne Hausmusik gemacht. Die Familie begleitete Göttler auch oft auf den Musikreisen.

Beruflich hatte der Germerswanger ebenfalls mit Noten zu tun, allerdings mit Banknoten. Sein ganzes Berufsleben von der Lehre bis zur Rente war er als Bankkaufmann für die Sparkasse Fürstenfeldbruck tätig.

Jakob Göttler war kein lauter Mensch. Man kannte ihn als umgänglich und bescheiden. Die coronabedingt kleine Beerdigung hätte seinem Vater durchaus getaugt, meint Sohn Richard. Eine große Trauerfeier mit den vielen Menschen, die ihm unter normalen Umständen die letzte Ehre erwiesen hätten, wäre dem Senior fast peinlich gewesen, vermutet der Sohn. „Er mochte es schlicht.“ Jakob Göttler wurde 82 Jahre alt.  

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