Bewegende Schicksale: Kondolenzbriefe des Ortsgruppenleiters an die Maisacher Hinterbliebenen. tb-Foto: Stefan Pfannes

Erste Maisacher NSDAP-Akte aufgetaucht

Maisach – Für die Maisacher ist dieser Fund eine kleine Sensation: Zum ersten Mal sind im Ort NSDAP-Akten aufgetaucht. Beim Ausräumen eines Kellers hat ein Maisacher eine Mappe gefunden, die Kondolenzbriefe des Ortsgruppenleiters an die Maisacher Hinterbliebenen enthält. So wurden die Angehörigen über den Tod ihrer Ehemänner und Söhne an der Front informiert.

Wie die Akte in den Keller des Hauses gelangt ist, lässt sich nur teilweise rekonstruieren. Auf jeden Fall liegt sie nun bei Archivar Stefan Pfannes. Es handelt sich um Akten des damaligen NSDAP-Büroleiters Kölbl. Irgendwann gingen die zwei Mappen von ihm an eine Maisacher Familie, die einen Angehörigen im Zweiten Weltkrieg verloren hatte. Von dort wanderten sie in den Keller eines Neffen – und der gab sie im Rathaus ab.

Klar ist: Der Fund ist spannend, weil er der erste seiner Art in der Gemeinde ist. Dass solche Dokumente überhaupt noch existieren, ist eine Seltenheit. „Im April 1945 gab es überall Kartoffelfeuer“, sagt Anna Ulrike Bergheim vom Arbeitskreis Geschichte mit Blick auf die massenweise Aktenvernichtung, die in den letzten Kriegstagen geschah. Damals habe man Hals über Kopf alle Akten aus der NS-Zeit verbrannt, auch ganz normale Unterlagen wie Baugenehmigungen. „Dass man so etwas überhaupt noch findet, ist schon etwas Besonderes“, sagt Bergheim.

Für Geschichtsinteressierte dürfte der Fund aber weniger spannend sein. Wer gefallen ist, wissen die Maisacher nämlich schon: Das steht ja auf den Kriegerdenkmälern.

Mit den Akten will sich der Arbeitskreis Geschichte aber dennoch auseinandersetzen. Denn wie Anna Ulrike Bergheim weiß, könnten sich auch in den wenig informativen Kondolenzbriefen interessante Hinweise finden.

Pfannes stimmt zu: „Es sind die Schicksale, die bewegen.“ Denn die Mappen enthalten auch Abschriften von Schreiben von der Front oder aus Lazaretten. Teilweise werden die Todesumstände der Zeit entsprechend ganz heroisch geschildert, teilweise aber auch mitfühlend. Die Schreiben datieren von 1939 bis 1945.

Was noch nicht bekannt war: Der Leiter der NSDAP-Gruppe Maisach war über den damaligen Gemeindebereich hinaus für die Bevölkerung zuständig. Pfannes hat Briefe nach Rottbach, Überacker, Malching und Wenigmünchen gefunden. Leider, so sagt der Archivar, finden sich aber auch in diesen Mappen kaum Hinweise auf den Nazi-Ortschef Josef Stemmer – danach suche man seit Jahren. Nur so eine Marginalie wie eine Benzinzuteilung für Dienstfahrten hat Pfannes gefunden.

Trotzdem war und ist der Aktenfund mehr als willkommen. „Wir haben momentan sowieso eine Glücksträhne“, berichtet der Archivar. Wenige Tage nach der NSDAP-Akte landeten auf seinem Tisch alte Schülerbögen von den ehemaligen Volksschulen – teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert. Veröffentlicht werden Erkenntnisse zu den beiden neuen Funden frühestens im Meisaha-Heft 2017. Die Ausgabe für 2016 ist so gut wie fertig.  (mmh/zag)

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