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Erstes Müllauto mit Abbiege-Assistent

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Von: Stefan Reich

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Beim Rechtsabbiegen schaltet sich das System ein und warnt, wenn dann Personen im kritischen Bereich sind. © Weber

Immer wieder werden Fußgänger und Radler von abbiegenden Lkw erfasst. Jedes Jahr gibt es bundesweit Dutzende Tote. Technik, die das verhindern kann, ist bislang keine Pflicht. Eine Firma aus dem Landkreis geht jetzt voran und rüstet ihre Flotte mit Abbiege-Assistenten aus.

Maisach – Jeden Tag sind die schweren Fahrzeuge der Firma Huber in den Wohngebieten der Region unterwegs. Ständig kreuzen Kinder auf Fahrrädern den Weg der Müllautos, mit denen das Gernlindner Unternehmen die Haushaltsabfälle der Landkreisbürger abholt. Potenziell gefährliche Situationen gehören für die Fahrer da zum Alltag.

Passiert ist bei der Firma Huber noch nichts. Aber bundesweit kommt es laut ADAC jedes Jahr zu rund 30 tödlichen Unfällen, weil Lastwagenfahrer beim Rechtsabbiegen Radler oder Fußgänger nicht gesehen haben, die sich im kritischen Moment im sogenannten toten Winkel an der rechten Fahrzeugseite befanden.

Dafür, dass seinen Fahrern so etwas nicht passiert, will Michael Huber alles tun. Die Vorstellung, dass einem anderen Verkehrsteilnehmer etwas passiert und einer seiner Angestellten dann mit den Folgen leben muss, hat den Junior-Chef umgetrieben. Deshalb statten die Gernlindner ihre Fahrzeuge jetzt mit Abbiege-Assistenten aus. Seit vergangenem Freitag ist das erste ihrer Müllautos mit einem solchen System unterwegs.

„Die Presseberichte über solche Unfälle haben uns dazu bewogen“, sagt Huber. Er hätte auch nichts gegen eine Pflicht zum Einbau solcher Assistenten. Doch die hat die EU bisher nur für Neufahrzeuge festgelegt, und das auch erst ab 2024. Immerhin gibt es jetzt ein Förderprogramm des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG). Für das hat sich auch die Firma Huber beworben. Denn die Nachrüstung mit Abbiege-Assistenten ist nicht ganz einfach, und damit auch nicht ganz billig. Mehrere tausend Euro können je Fahrzeug für Anschaffung und Einbau zusammenkommen.

Ein Tag Einbau-Arbeit

Für Huber hat die Moses GmbH aus Fürstenfeldbruck den Einbau übernommen. „Da kann man pro Fahrzeug schon mit einem ganzen Tag Arbeit rechnen“, sagt Martin Moser, Geschäftsführer des Unternehmens, das sich auf die Nachrüstung von Fahrzeug-Elektronik spezialisiert hat. „Auch für uns sind neue Techniken und Produkte erstmal Neuland.“

Vier verschiedene Assistenten-Systeme gibt es, die das BAG für sein Förderprogramm anerkennt, teils mit Kameras, teils mit Bewegungssensoren. Huber und Moser haben sich für ein Kamera-System entschieden. Setzt der Fahrer den Blinker oder dreht er das Lenkrad mehr als eine halbe Umdrehung nach rechts, schaltet sich der Abbiege-Assistent ein. Erkennt die zugehörige Software im Kamerabild einen Fußgänger oder Radler, ertönt ein Signal und eine Warnleuchte blinkt auf.

„Wichtig ist die optimale Positionierung der Kamera“, erklärt Moser. Knifflig ist auch der Anschluss an die Fahrzeug-Elektronik. Verbunden ist die Kamera mit einer kleinen Steuereinheit, einem Monitor am Armaturenbrett, mit der Blinkanlage und dem Lenkrad.

Die ersten Rückmeldungen der Fahrer seien positiv, sagt Huber nach einer knappen Woche Testbetrieb. Jetzt sollen weitere Fahrzeuge der Firma nachgerüstet werden. „Bei allen neuen Fahrzeugen bestellen wir den Abbiege-Assistenten dann künftig gleich ab Werk.“

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