Flalma-Ranch

Exotische Tiere in Maisach: Diese Lamas spucken nur, wenn’s sein muss

Am Ortsrand von Maisach gibt es eine für unsere Breiten nicht alltägliche Tierhaltung: Eva und Manfred Ziemer beherbergen auf ihrer Elalma-Ranch Lamas.

Maisach – Alpakas sind fast schon so etwas wie Modetiere. Aber Lamas? Warum hält man Lamas? Was macht man mit denen? Und spucken die nicht? Solche Fragen hören Eva und Manfred Ziemer manchmal, wenn sie mit ihren Lieblingen spazieren gehen – mit Rosalie oder Graziella, Nabucco oder Nicki. Nein, antworten die beiden dann. Sie sind von ihren Lamas in fünf Jahren noch nicht ein einziges Mal angespuckt worden. Denn das passiert nur bei Gefahr, wenn die Tiere Angst haben und sich wehren wollen. Und dazu gibt es auf Ziemers Lama-Ranch Elalma keinen Anlass.

Es war das paradiesische Fleckchen am Ortsrand von Maisach, in das sich die Ziemers zuerst verliebten. Der knappe Hektar Weide, ausgestattet mit einem Offenstall und eingerahmt von Bäumen und zwei Bächen, schrie geradezu nach tierischen Bewohnern. Aber welche sollten es sein? Ein Werbeflyer für eine Lamashow wies den Weg – und nach dem Besuch der Veranstaltung war es endgültig um die Ziemers geschehen.

Die intelligenten, neugierigen, umgänglichen Arbeitstiere hatten es ihnen angetan. Das Ehepaar recherchierte und besuchte Kurse, um zu lernen, wie Lamas leben, was sie brauchen, wie sie gepflegt, geschoren und gesund gehalten werden wollen. „Wir waren vorbereitet bis in die Haarspitzen“, erinnert sich Eva Ziemer, 59, und lacht. Aus den vier Lamas der Anfangszeit sind inzwischen elf geworden – eine Herde aus Stuten und wenigen Wallachen. Die Tiere fühlen sich sichtlich wohl in ihrem Zuhause, schreiten gemächlich über die Weide, rupfen Heu aus der Raufe, wälzen sich im Sandbad, schubbern sich an geschickt platzierten Bürsten und lassen sich im Stall ins Stroh sinken, wenn es draußen zu heiß wird – als Anden-Bewohner lieben Lamas eigentlich die Kälte.

Rosalie, die Chefin der Herde, dreht den langen Hals und linst aus ihrer Hütte neugierig zu den Ziegen herüber, die auf der Nachbarweide herumtollen. Manfred Ziemer hat inzwischen Halfter und Strick geholt und eins der Lamas sanft in eine Ecke des Stalls dirigiert. Ganz still steht das Tier, als der 65-Jährige ihm das Halfter überstreift. Dann lässt es sich willig in den Pflegestand führen, den die Ziemers aus Metallstangen extra haben anfertigen lassen.

Hier werden die Nägel der Lamas geschnitten und das Fell geschoren. Die Wolle ist vielseitig verwendbar – man kann Handyhüllen, Hausschuhe oder Bettwäsche daraus machen oder sogar Seife herstellen. Auch der Lama-Dung ist wertvoll als Kompost für Gemüsebeete. Theoretisch wäre auch Fleischgewinnung möglich. „Aber nicht bei uns“, winkt Eva Ziemer ab. „Wir schlachten keine Tiere zum Essen.“ Verkaufen ist auch schwierig. „Wenn ich ein Tier habe, dann liebe ich es und trenne mich ganz schwer.“

Die 59-Jährige würde die Lamas gern für tiergestützte Therapien einsetzen oder sie zumindest mehr mit Menschen zusammenbringen, die von ihrer Gelassenheit profitieren könnten. Sie freut sich über Besuche von Kindergärten oder Behinderteneinrichtungen ebenso wie über das Interesse zufällig vorbeikommender Spaziergänger – allerdings nicht, wenn sie den Tieren vermeintliche Leckerbissen wie altes Brot oder Grasschnitt über den Zaun werfen. Derlei kann tödlich sein oder zumindest extrem gesundheitsschädlich.

Die Ziemers selbst sind täglich hier. Zeit haben sie genug, seit Manfred Ziemer in Rente ist und seine Frau ihr Juweliergeschäft an den Sohn übergeben hat. Auf der Lama-Ranch ist immer was zu tun – füttern, pflegen, sauber machen, Weide und Stall in Schuss halten oder die Tiere einfach nur beobachten. Manchmal sitzen die beiden vor dem Wohnwagen, den sie am Rande des Geländes aufgestellt haben, hören den Vögeln zu und genießen die Ruhe. „Das ist so entspannend“, schwärmt Eva Ziemer. Schöner als Urlaub – weggefahren sind sie und ihr Mann schon lange nicht mehr. (os)

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