Auch im Rathaus ist Bürgermeister Hans Seidl meist via Facebook zu erreichen. tb-Foto: Gemein deverwaltung

Das aktuelle Interview 

„Facebook ist wie der frühere Dorfratsch“

  • schließen

Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) ist sehr aktiv im Sozialen Netzwerk Facebook – so aktiv wie kaum ein anderer Rathauschef im Landkreis. Seidl beantwortet dort Fragen und erklärt die Ortsentwicklung. Mit Tagblatt-Redakteurin Helga Zagermann hat er über die Hintergründe gesprochen.

-Herr Seidl, Sie sind sehr präsent auf Facebook und schalten sich regelmäßig in Diskussionen ein. Warum?

Das ist für mich einfach ein zeitgemäßes Informationsmedium. Ich sehe mich verpflichtet, als Bürgermeister und im Sinne der Transparenz der Gemeinde Mitteilungen an die Leute weiterzugeben. Facebook ist für mich nichts anderes als der frühere Dorfratsch. Es gehen so viele Gerüchte um. Diesen Gerüchten möchte ich einfach sachliche Auskünfte gegenüberstellen. Es sind Informationen, die auf Beschlüssen und fachlichen Erkenntnissen beruhen. Die können vielleicht manchen nicht gefallen, aber es ist das, was aktueller Stand und Grundlage für Entscheidungen ist. Dann kann der Bürger selbst entscheiden, was er gut und was er nicht gut findet. Ich möchte verhindern, dass sich falsche oder aus dem Zusammenhang gerissene Informationen wie mit der Flüsterpost verbreiten.

-Meist antworten Sie sehr schnell auf Fragen oder schalten sich gleich zu Beginn in Debatten ein. Manchmal vielleicht zu schnell?

Im Eifer des Gefechts formuliert man gerne etwas schärfer oder zu emotional. Das wäre nicht menschlich, wenn mir so etwas nicht schon einmal passiert wäre. Manchmal steigert man sich in den Dialog hinein. Sonst wäre ich ja emotionslos, das möchte ich nicht sein. Mit Abstand gesehen habe ich mir schon manchmal gedacht, dass ich eine persönliche Wertung vielleicht in eine andere Form hätte verpacken sollen. Fachliches betrifft das aber nie.

-Der Vorteil einer persönlichen Kommunikation ist oft, dass weniger Missverständnisse entstehen können.

Wenn ich auf die Straße gehe, treffe ich Leute und die sprechen mich an. Diesen Dialog schätze ich, denn es ist der Dialog der kurzen Wege. Im Netz ist es aber nichts anderes. Wenn ich auf Facebook unterwegs bin, ist das so, als ob ich am Marktplatz in Maisach oder in Gernlinden am Bürgerzentrum stehe. Eine virtuelle Begegnung ist auch eine Begegnung.

-Aber es gibt doch auch Unterschiede.

Natürlich ist es im Internet eine andere Kommunikation. Es ist unnatürlich: Ich antworte meist nicht dem Einzelnen, sondern es können viele Leute mitlesen. Dafür hat man den Vorteil einer anderen Verbreitung. Umso wichtiger ist mir deshalb der Gehalt an Richtigkeit und Wahrheit.

-Was sagen Rathausmitarbeiter dazu, dass Sie so aktiv sind auf Facebook? Was Ihre Partei und die CSU-Fraktion?

Aus der Verwaltung höre ich nichts. Ich weiß nicht, wie viel da mitgelesen wird. Aus der Fraktion wird kommentiert, dass es wichtig ist, wenn man Dinge richtigstellt.

-Was sagen andere Bürgermeister über den Online-Kollegen aus Maisach?

Ich wurde noch nicht direkt darauf angesprochen, von Kollegen. Aber natürlich reden wir über Soziale Netzwerke und Facebook. Da hört man dann schon ganz allgemein: „Das tue ich mir nicht an. Wenn du das einmal anfängst, kannst du fast nicht mehr zurück.“

-Sind Sie denn immer online, auch abends und am Wochenende?

Immer nicht. Es gibt auch Tage, an denen ich so viel um die Ohren habe, dass keine Zeit ist. Aber ich schaue pro Tag mindestens zwei-, dreimal drauf, um zu sehen, ob es Fragen gibt oder ob Nachrichten über Maisach eingestellt sind.

-Und was sagt die Familie, wenn Sie am Sonntagabend beim Essen noch schnell eine Facebook-Antwort tippen?

(lacht) Ich habe eine verständnisvolle Frau. Und meine Kinder sind erwachsen. Ich bin also froh, dass das möglich ist. Es lohnt sich, wenn ich kurz die Zeit investiere: Im Moment des Ärgers eines Bürgers oder in dem Moment, in dem er etwas wissen will, ist die schnelle Beantwortung für ihn am wertvollsten. Und wenn eine Diskussion in die falsche Richtung geht, dann hilft es ja nichts, wenn ich zwei Tage später antworte.

-Jetzt gibt es bald eine neue Stelle im Rathaus: 30 bis 35 Stunden pro Woche wird demnächst Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Wird dann der neue Mitarbeiter für Sie online offizielle Informationen der Gemeinde verbreiten?

Nein. Der geht ja auch nicht durch den Ort und spricht mit den Leuten. Oberste Pflicht des Bürgermeisters ist in meinen Augen zu informieren. Da wird sich deshalb überhaupt nichts verändern. Der Bürger sollte nicht eine Art Firewall vor sich haben. Ich bin der direkt gewählte Vertreter und muss direkt erreichbar sein. Bürgerinformation mache auch weiterhin ich selbst, auf der Straße und im Internet. Bei der Öffentlichkeitsarbeit geht es hauptsächlich darum, mein Vorzimmer zu entlasten, das macht derzeit Bürgerbroschüre, Mitteilungsblatt und die Vorbereitung von Bürger- sowie Anwohnerversammlungen nebenbei mit.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mit zwölf richtigen Ergebnissen gewinnen
Ein selten so komplett ausgetragenes Vorrunden-Spektakel im Sparkassencup steht am kommenden Mittwochabend auf dem Programm. Das Tagblatt und die Sparkasse haben wieder …
Mit zwölf richtigen Ergebnissen gewinnen
Falsche Liebe zwang sie auf schiefe Bahn
Drei Monate war eine damals 21-jährige Germeringerin 2016 mit einem Mann liiert. Ein Vierteljahr, das sich für die junge Frau zur Hölle entwickelte. Wegen des Mannes …
Falsche Liebe zwang sie auf schiefe Bahn
Mehr Licht für Radler: Antrag abgelehnt
Die Freien Wähler Olching haben einen Antrag an die Stadt gestellt, den Rad- und Fußweg im Bereich zwischen Ammerweg und Volksfestplatz zu beleuchten. 
Mehr Licht für Radler: Antrag abgelehnt
Innenminister für Olching als Standort der neuen Polizeiwache
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) befürwortet Olching als Standort für die neue Polizeiwache. 
Innenminister für Olching als Standort der neuen Polizeiwache

Kommentare