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„Freche Hühner“ sorgten mit ihren Kostümen und dem geschmückten Handwagen für einen optischen Höhepunkt.

In Gernlinden sind die Narren los

Faschingszug im Kreisel-Wahn

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Bei der Themenauswahl auf dem Gernlinder Faschingszug drehte man sich heuer im Kreis. Die vielen Kreisverkehre in Maisach waren ein beliebtes Motiv. 4500 Zuschauer genossen das bunte Treiben beim 72. Gaudiwurm.

Gernlinden– „Ob sich alle auch bis zum Schluss an die Regeln halten?“ Beim prüfenden Blick auf die 16 Wagen und sechs Fußgruppen, verspürte Hannes Haschka doch noch ein klein bisschen Unsicherheit. „Bei null Promille ist alles im grünen Bereich, bei 0,5 wird’s lustig und bei einem Promille vergessen manche die Regeln“.

Doch die Skepsis des Vorsitzenden vom Faschingsausschuss der Ortsvereine in Gernlinden war nicht angebracht. „Die kriegen schon alle die Kurve“, stellte Haschka auch im tatsächlichen Sinn fest. Denn diesmal hatten die Wagenbauer bei Breite, Länge und Höhe nicht auf Kante genäht. So blieb zwischen Wagen und Zuschauer stets noch etwas Luft.

Haschka schob das durchaus auf die Vorberichte und die recht leidenschaftlichen Appelle des Zugkomitees bei den Besprechungen in Olching und Gernlinden. „Es ist insgesamt schon ein Umdenken festzustellen“ meinte der Cheforganisator des Gernlindener Faschingszugs. Auch das Verbot von Glasflaschen oder Gläsern bei den Zugteilnehmern zeigte seine Wirkung. Nur der Platz vor dem Bürgerzentrum, wo sich die Besucher vor allem versammelt hatten, glich teilweise doch wieder einer Sammelstelle.

Gernlindens Burschenverein „überreichte“ Maisachs Bürgermeister den Hans-Kreisl-Cup.

Passiert ist während des Zuges allerdings nichts. Laut Angaben der Veranstalter habe es während des knapp eineinhalb Stunden dauernden Umzuges durch den Maisacher Ortsteil keinen einzigen Polizeieinsatz gegeben und nur einige leichtere Einsätze für die Sanitäter. Haschka berichtete von ein paar Schnittwunden und „zwei, die doch zu tief ins Bierglas geschaut hatten“.

Für den Hingucker mit unmittelbarem Lokalbezug sorgte der Burschenverein Gerlinden. Da musste es sich Maisachs Bürgermeister Hans Seidl gefallen lassen, wegen der doch großen Dichte an Kreiseln im Gebiet der Gemeinde auf die Schippe genommen zu werden. „Is auf da Straß’ no a Platzerl leer, muas no a Kreisl her“, verkündeten die Burschen in schwungvollen Buchstaben und vergaben dazu den „Hans-Kreisl-Cup“. Auch die Fußgruppe vom Gernlindner Weiberfasching hatte sich der Ansammlung der Kreisel angenommen. „Nach drei Cocktails dreht sich bei uns alles im Kreis, zwischen Maisach und Gernlinden auch, wie man weiß“, war ihr Motto.

Richtig politisch wurden die „Frechen Hühner“, die sich die örtliche CSU vorgenommen hatten. „Die ist uns nicht geheuer. Ihr seid in Maisach nicht allmächtig“ stand da zu lesen.

Dem Faschingszug selbst und den Schlagzeilen im Vorfeld hatten sich die Wagenbauer „PMFCOG“ angenommen. „Wir beten für den Erhalt des Faschings, weniger Auflagen und vernünftige Eltern.“ Vor allem Mütter und Väter, die ihre Kinder gefährlich nahe an die Wagenränder schoben, um Süßigkeiten zu ergattern, waren im Vorfeld ein Thema. Doch die Gebete der Wagenbauer wurden erhört. Es kam zu keinem Zwischenfall.

Dem Gernlindner Weiberfasching wurde ebenfalls wegen der vielen Kreisel in Maisach schwindlig.

Auch die Vereine aus der Nachbarstadt brachten ihre lokalen Themen ein. So kamen die Olchinger mit einem Wagen im Asterix-Stil und der Aufschrift „Die Unbeugsamen aus’m Moos“. Ein Anderer nahm sich den Containern-Prozess als Vorlage. Hier war zu lesen „Teller statt Tonne“.

Bereits zum dritten Mal hatten die Organisatoren vom Gernlindener Ortskartell auf eine Prämierung der Teilnehmer verzichtet. Es habe zu viel Unruhe und Unzufriedenheit gegeben, so Haschka. Nun stehe der Spaß im Vordergrund. Den hatten die Teilnehmer mit einem erhöhten Startgeld von 100 Euro – und die Besucher ob der größeren Menge an Süßigkeiten, die von den Wagen aus unter’s Volk gebracht wurden.

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