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Mit einem Alaska-Kaninchen: Klaus Gruninger liebt seine Tiere.

Porträt

Beim Kaninchenzüchter ist jeden Tag Ostern

Zu Ostern kommt der Osterhase und bringt bunt bemalte Eier – soweit der Brauch. Nur wissen die Langohren gar nichts von ihrer ruhmreichen Tätigkeit. Das Tagblatt besuchte Kaninchenzüchter Klaus Gruninger und durfte alles über seine pelzigen Freunde erfahren.

Gernlinden – Hinter den Gittern hoppelt, raschelt, schmatzt es. Dutzende Kaninchen, große und kleine, schwarze und weiße, tummeln sich in ihren mit Stroh ausgepolsterten Ställen. Dazwischen auch einige wenige Tage alte Jungtiere, die Augen noch geschlossen und kaum Haare auf den winzigen Körpern.

Vom momentanen Ostertrubel kriegen die Mümmelmänner recht wenig mit. Sie leben ganz heimelig und in Seelenruhe in ihren Behausungen bei Klaus Gruninger. Er ist Züchter und Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins B18 Olching (K.Z.V. B18). Der 53-Jährige ist Hasen-Fan durch und durch. In seiner Heimat Rumänien ist er von klein auf mit Kaninchen aufgewachsen. „Damals habe ich auf dem Hof meiner Eltern sehr viel mitgeholfen“, erklärt er sich die Verbundenheit mit den Langohren. 1982 kam er dann als Aussiedler nach Fürstenfeldbruck und lebt inzwischen im Maisacher Ortsteil Gernlinden.

Auslauf im Frühling: Die Tiere haben ein schönes Leben.

Auch hier legte er sich wieder Kaninchen zu, anfangs nur zur Freude, später stieg er dann in die professionelle Zucht ein. Die Kolonie wuchs schnell von zehn auf bis zum Teil über 60 „Stallhasen“ an. 1997 trat er dann in den Kaninchenzuchtverein Olching ein.

Momentan hat Gruninger um die 50 flauschigen Freunde in seinem Anbau am Haus sitzen. Seine Lieblingsrassen hält er sich hier, darunter Alaska-Kaninchen, Schwarzgrannen und Farbenzwerge. „Am liebsten sind mir die Rammler“, sagt der Züchter über seine Alaska-Männchen. Er liebe deren „blockigen Typ“ und ihre enorme Erscheinung. „Sie sind groß wie ein 36er-Ziegelstein.“

Krallen schneiden: Sie nutzen sich wie Fingernägel ab.

„Diese hier sind nur wenige Tage alt“, sagt der 53-Jährige und deutet auf einen ganzen Wurf Alaska-Kaninchen. Völlig hilflos liegen sie in Stroh gepackt und eng umschlungen in einem einzigen Knäuel. Daneben sitzt die Mutter und wacht mit strengem Blick über ihren Nachwuchs. Man erkennt hier deutlich, dass die Jungen von Kaninchen im Gegensatz zu denen von Hasen nach der Geburt noch eine Zeit lang nackt und blind sind. Und von seinem Verwandten Meister Lampe unterscheidet sich das Kaninchen noch in weiteren Merkmalen: Auch wenn beide zur Familie der Hasen gehören, sind sie verschieden. Kurze Ohren und Beine sowie der deutlich gedrungene Körper zeichnen das erwachsene Kaninchen aus. „Sie leben im Rudel“, nennt Gruninger noch einen weiteren Unterschied zum einzelgängerischen Hasen.

Von Pferdemüsli und vom Sonntagsbraten

Der Gernlindener liebt seine Tiere. „Sonst würde ich das auch gar nicht machen“, ist er sich der enormen Verantwortung bewusst. Für Gruninger steht die Gesundheit der Tiere an oberster Stelle. Wöchentliches Ausmisten sowie Desinfizieren der Stallungen und Erneuerung des Einstreus sind Pflicht, ebenso das Fell zu bürsten und die Nägel zu schneiden. „Wie beim Menschen nutzen sich diese auch beim Kaninchen ab, und alte Haare fallen aus.“

Auch was die Ernährung anbelangt ist Gruninger auf höchste Qualität bedacht. Pelletiertes Getreide besorgt er sich extra von einer Mühle aus der Umgebung. Heu, Äpfel und dann und wann eine Karotte versorgen die Kaninchen mit den wichtigsten Nährstoffen.

Einmal Fellpflege, bitte: Das Auskämmen ist sehr wichtig.

Sogenanntes „Pferdemüsli“ rundet das Angebot für die Mümmler ab: „Pferde sind sehr empfindlich – und somit frisst der Hase auch alles, was das Pferd frisst.“ Dagegen verzichtet Gruninger auf Gras aus der Natur, da dieses oft durch Katzen und Hunde verunreinigt ist: „Sie sind die größten Krankheitsüberträger“, warnt er.

Nachdem der Wurf einer Häsin meist aus vielen Jungen besteht, bemüht sich Gruninger, möglichst viele in fürsorgliche Hände zu geben. Ein Sachkundenachweis der neuen Besitzer soll Züchtern garantieren, dass ihre Lieblinge ein schönes, neues Zuhause bekommen. Allgemein ermuntert Gruninger alle Kaninchenhalter und solche, die es werden wollen, sich immer an Züchter zu wenden: Wenn es um Impfungen und allgemein um die Pflege geht, aber natürlich auch für den Kauf eines gesunden Haustieres.

Aber nicht alle Kaninchen kann der Züchter abgeben oder behalten. Hin und wieder landet auch eines als Sonntagsbraten auf dem Teller. „Das ist unumgänglich“, erklärt der Züchter. Aber immerhin hätten sie ein schönes Leben gehabt. „Und außerdem“, so Gruninger weiter, „braucht man dem Braten nur noch Pfeffer beifügen. Alle weiteren Kräuter sind durch das Futter schon dran“, sagt er augenzwinkernd.

Symbol der Fruchtbarkeit

Zuletzt hat Klaus Gruninger noch einen Tipp für alle Kaninchenfreunde: „Passt auf, wenn ihr Nachwuchs wollt“, weist der Züchter auf vorsorgliche Maßnahmen hin. Denn Kaninchen sind bereits nach acht Wochen geschlechtsreif. Nicht umsonst gelten die putzigen Mümmelmänner als Symbol der Fruchtbarkeit in der Osterzeit.

von Matthias Kast

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