Eigentlich ist ihnen nicht zum Lachen zumute: Barbara und Anton Saratsch müssen ihr Café am Gut schließen.
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Eigentlich ist ihnen nicht zum Lachen zumute : Barbara und Anton Saratsch müssen ihr Café am Gut schließen.

Dreieinhalb Jahre alles versucht

Größter Traum der Café-Pächter platzt: Ist das Dorf ein „schwieriges Pflaster“?

  • vonDieter Metzler
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Es war der Traum von Barbara Saratsch - ein eigenes Café zu besitzen. Jetzt ist er ausgeträumt. Das Café schließt. Den Grund glaubt die Pächterin ausgemacht zu haben.

Gernlinden – Es gibt Entscheidungen im Leben, die fallen einem nicht leicht, meinte Barbara Saratsch ein wenig traurig. Seit 28 Jahren arbeitet die 58-Jährige in der Gastronomie. Ein eigenes Tagescafé zu betreiben, das war immer ihr Traum. Vor dreieinhalb Jahren erfüllte sich dieser, als sie und ihr Mann Anton das Café am Gut in Gernlinden pachteten. Doch am 30. Juni müssen sie das Lokal nun wieder schließen.

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„Es tut mir in der Seele weh“, meint Barbara Saratsch. „Aber Liebe allein reicht nicht aus, um ein Café zu betreiben, man muss auch wirtschaftlich denken.“ Das aus Gernlinden stammende Ehepaar bezeichnete die Dorf-Klientel vorsichtig als ein „schwieriges Pflaster“. „Dabei lief es gut an“, schildert Barbara Saratsch den Start vor dreieinhalb Jahren. „Doch, nachdem sich die Neugierde der Gäste gelegt hatte, ließ das Interesse bereits nach einem halben Jahr schon merklich nach.“

Gernlinden: Haben alles versucht, Gäste in ihr Café zu locken

Für Barbara Saratsch ist ein Wunschtraum geplatzt. „Ich möchte nicht mehr in der Gastronomie arbeiten.“ Vorwürfe muss sich das Ehepaar nicht machen, denn hoch motiviert und voller Energie stürzten sich Barbara und Anton Saratsch auf ihre neue Aufgabe. Mit hausgemachtem Kuchen und Torten, italienischem Eis und Kaffee verwöhnten sie ihre Gäste in dem freundlichen Gastraum oder im Sommer auf der Terrasse. Um das Geschäft zu beleben habe man zahlreiche Versuche unternommen, so die 58-Jährige. Mit Frühstück, Mittagstisch und Brunch habe man es probiert. Auch Tanz-Tee-Nachmittage führten nicht zum gewünschten Erfolg.

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„Von den wenigen Stammtischen oder den gelegentlichen privaten Feiern im Lokal allein kann man letztlich nicht überleben.“ Es gab zwar schon ein paar Gernlindener, die ihnen die Stange gehalten haben, aber am Ende waren es zu wenige. Nur die Sonntage waren recht gut besucht, ansonsten wurde der Umsatz immer schwächer. „Anfangs hatten wir Montag und Dienstag Ruhetag. Als dann die Besuche am Mittwoch und Donnerstag nachließen, haben wir nur noch von Freitag bis Sonntag geöffnet.“

Gernlinden: Barbara Saratsch hätte das Café gerne noch ein paar Jahre weiter betrieben

Weder von den Bewohnern des in direkter Nachbarschaft liegenden Elvivion-Seniorenwohnheims noch von den im gleichen Haus lebenden Bewohnern des betreuten Wohnens habe das Café profitiert. „Ich hätte gern noch ein paar Jahre weiter gemacht“, meint Barbara Saratsch. „Mein Ziel war halt, das man von dem Café auch leben kann.“

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