Gernlindner umrunden die Ostsee

Gernlinden – Diese Rallye werden Juliane Cser und Thomas Ruck so schnell nicht vergessen: In 16 Tagen haben die zwei mit ihrem alten Audi namens „Bernie“ die Ostsee umrundet, viele Einheimische und Abenteurer kennen gelernt. Genug haben die Gernlindner vom Reisen noch lange nicht.

 „Bernie“ hat gut durchgehalten: Auf rund 10 000 Kilometern hat der metallicgrüne Audi das Paar Juliane Cser (28) und Thomas Ruck (35) durch zehn Länder gebracht und tadellos mitgemacht – andere Teams hatten mit beschädigten Frontscheiben und Lichtmaschinen zu kämpfen. Beim Baltic Sea Cirlce (BSC), einer Rallye rund um die Ostsee, dürfen die Teilnehmer nur in Wagen starten, die älter als 20 Jahre sind. Das ist „Bernie“.

Für das Team Baltic Star von Thomas Ruck und Juliane Cser war die 16-tägige Rallye ein wunderbares Erlebnis. „Das schönste war der Zusammenhalt unter den Teams“, ist Thomas Ruck über die vielen anderen Wettbewerbsteilnehmer begeistert. Viele verschiedene Menschen seien sich bei den Partys und am allabendlichen Lagerfeuer begegnet. „Ob man Landwirt ist oder Rechtsanwalt, das spielt am Lagerfeuer keine Rolle.“

Auch die Zusammenarbeit im Team Baltic Star hat gut funktioniert – und das trotz der BSC-Auflagen: Navi und Fahrten auf der Autobahn sind tabu, stattdessen geht es mit Landkarte über kleine Straßen. „Nur mit einem Stadtplan aus Hamburg herauszufahren, war schon ungewohnt“, sagt Kartenleserin Juliane Cser. Aber es habe erstaunlich gut funktioniert, vor allem je weiter die Route in den Norden geführt habe, so Thomas Ruck. Denn da gebe es ohnehin nicht so viele Straßen.

Nur in St. Petersburg habe sich das Paar so richtig verfahren, denn ohne eine Großraumkarte der Gegend sei es schwierig gewesen, die kyrillischen Schilder rechtzeitig zu entziffern und den Anweisungen zu folgen.

Inzwischen ist das Team wieder wohlbehalten zuhause in Gernlinden angekommen. Wenn Thomas Ruck jetzt an die Tour mit den vom Veranstalter gestellten Aufgaben zurückdenkt, erinnert er sich auch an ein besonders eindrückliches Erlebnis. Für eine der Challenges musste das Paar einen See finden, der auf keiner Karte eingezeichnet ist. Versteckt im Baggersee eines alten Steinbruchs liegt ein Straflager, das langsam im Wasser versinkt.

Hinter Stacheldrahtbesetzten Mauern fand das Team den gesuchten See und kletterte über die Einzäunung, um im angenehm kühlen Wasser zu schwimmen. „Bei hervorragendem Wetter hatten wir einen tollen Blick über den kristallklaren Badesee“, sagt Thomas Ruck, allerdings nicht, ohne hinzuzufügen: „Aber man denkt natürlich auch an die Dramen, die sich dort abgespielt haben.“

Nach der Rallye ist vor der Rallye. Eine konkrete Tour hat das Gernlindner Paar allerdings noch nicht im Sinn, auch Reisefahrzeug „Bernie“ wird bald verkauft, gerne an andere Rallyefreunde. Jetzt sind Juliane Cser und Thomas Ruck erst einmal stolz auf den Betrag an Spenden, den alle BSC-Teilnehmer gesammelt haben: Rund 386 000 Euro sind für wohltätige Zwecke zusammengekommen.

Etwa 3000 stammen von den fleißigen Unterstützern des Teams Baltic Star, das für die Hilfe sehr dankbar ist. Das Geld wird auf den Verein Deutsche Lebensbrücke und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft aufgeteilt.

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