Seit Ende Juni 2019 steht das Café am Gut leer. Wenn die Schule beginnt, zieht dort eine Hortgruppe ein.
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Seit Ende Juni 2019 steht das Café am Gut leer. Wenn die Schule beginnt, zieht dort eine Hortgruppe ein.

Gernlinden

Hort statt Café: Senioren verärgert

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Die Hortgruppe, die bisher im Gernlindner Kinderhaus Zauberberg untergebracht war, zieht ins leerstehende Café am Gut. Damit ist klar: Die Bewohner der Parkresidenz müssen für mindestens drei weitere Jahre auf ein Café verzichten. Das gefällt nicht jedem.

  • Das Café am Gut steht leer
  • Jetzt zieht ein Hort ein
  • Anwohner sind enttäuscht

Gernlinden – Den Käufern der Eigentumswohnungen sei ursprünglich versprochen worden, dass ein Café zu der Wohnanlage gehöre, sagt Renate Winkler. Die Münchnerin hat 2013 vom Immobilienunternehmen Gröbenbach GmbH eine der Wohnungen erworben und vermietet. Das Angebot einer „Cafeteria mit Frühstücks-, Mittags- und Abendservice“ –wie es in der Internet-Darstellung der Parkresidenz immer noch heißt – sei damals eines der Verkaufsargumente gewesen.

„Das Café sollte eine Begegnungsstätte für die Bewohner sein“, berichtet die 77-Jährige. Doch die letzten Pächter sperrten den Betrieb bereits Ende Juni 2019 zu. Das Geschäft sei immer schwächer geworden, berichteten Barbara und Anton Saratsch damals dem Tagblatt. Es seien einfach zu wenige Gäste gekommen. Weder von den Bewohnern der Parkresidenz noch von den Senioren aus dem nahegelegenen Elvivion-Heim habe man profitiert. Und aus dem Ort verirrte sich offenbar auch kaum jemand in das abseits der Straße gelegene Café.

Café am Gut: Zu wenig Werbung?

Renate Winkler kann sich einen Grund dafür vorstellen: „Es wurde ja kaum Reklame gemacht. Das Ganze wurde viel zu wenig beworben.“ An dem, was das Café zu bieten hatte, könne der Umsatzrückgang jedenfalls nicht gelegen haben. Winkler selbst war oft dort, auch ihre Mieterin und deren Bekannte hätten den Treffpunkt gern genutzt. „Wir waren immer sehr begeistert vom Kuchenbuffet.“ Wenn es Brunch gab, sei das Café meist voll gewesen. Auch ein Stammtisch habe sich dort getroffen.

Nach der Schließung vor gut einem Jahr sei man davon ausgegangen, dass über kurz oder lang ein neuer Betreiber kommen werde, so Winkler. Dass die Räumlichkeiten nun stattdessen für Kinderbetreuung genutzt werden sollen, habe manche Bewohner „vor den Kopf gestoßen“. Der Standort eigne sich nicht für einen Hort, allein schon durch die Nähe zu den Seniorenwohnungen.

Lutz Schwarze, Geschäftsführer der Gröbenbach GmbH, bestätigt, dass es verärgerte Reaktionen gegeben habe – allerdings nicht wegen der Hortnutzung an sich, sondern weil manche Bewohner davon erst aus der Presse erfahren hätten. „Das hat sich aber alles beruhigt.“

Café am Gut: Kein neuer Betreiber gefunden

Die Schließung des Cafés tue auch ihm leid, so Schwarze. „Aber das hat von Anfang an nicht so gezogen und ist dann immer weniger geworden.“ Ein neuer Betreiber habe sich nach dem Weggang der Saratschs nicht gefunden. Im Frühjahr habe es zwar einen Interessenten gegeben, doch dann kam die Coronakrise. „In der jetzigen Zeit jemanden zu finden, der einen Laden übernimmt, der vorher schon nicht funktioniert hat, ist sehr schwer.“ Leerstehen lassen wolle man die Räume aber auch nicht.

Mittlerweile sind die geringfügigen Baumaßnahmen, die für den Hort notwendig sind, abgeschlossen. Die Theke ist hinter einer Verkleidung verschwunden, und eine Trockenwand wurde eingezogen, so dass zwei getrennte Räume entstanden sind. Die Küche blieb intakt. Denn wenn in drei bis fünf Jahren der Hort wieder ausgezogen ist, will Lutz Schwarze einen neuen Anlauf mit einem Café starten. „So eine Pause ist vielleicht ganz gut.“

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