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In der Tierstation erläutert Tierfreunde-Chefin Heidi Minderlein (Mitte, weißes T-Shirt) den Gemeinderäten beim Ortstermin die Situation. 

Anwohner fürchten Lärm

Hundezwinger abgelehnt: Ist das das Aus für die Tierstation?

Bei der Tierauffangstation in Überacker wird es keine Hundezwinger geben. Der Bauausschuss lehnte dies einstimmig ab. Für die Tierfreunde Brucker Land könnte das der Todesstoß sein. Der Verein steht nun mehr denn je vor der Auflösung.

Maisach –  Die Kommunen im Landkreis hatten eine weitere finanzielle Unterstützung des Vereins daran gekoppelt, dass nicht nur Katzen und Kleintiere aufgenommen werden, sondern auch Hunde. Landrat Thomas Karmasin hatte deshalb Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) gebeten, ein Meinungsbild bei den Gemeinderäten einzuholen.

Und dieses Meinungsbild fällt negativ aus. Die Maisacher Räte wollen den Nachbarn der Auffangstation keinen Hundelärm zumuten. Bei einem Ortstermin hatte sich der Bauausschuss ein Bild von der Situation gemacht. Baurechtlich würden die Zwinger dabei kein Problem darstellen, auch wenn die Positionierung nicht ganz leicht sein würde.

Die Rede war von zwei Zwingern. Um diese aufzustellen, müssten bestehende Kaninchenställe verkleinert und das Gelände der Auffangstation um ein Stück kommunalen Grund für den Freilauf erweitert werden. Doch diese Überlegungen sind nun Makulatur.

Die beim Ortstermin ebenfalls anwesenden Nachbarn zeigten sich von den Hundezwingern wenig begeistert. Sie haben große Bedenken wegen des Lärms, den die Hunde vor allem nachts machen könnten. Einige Schlafzimmer der angrenzenden Mietwohnungen zeigen genau Richtung Auffangstation. Vizebürgermeister Roland Müller (CSU) erklärte, dass er selbst einmal neben einem Besitzer von nur zwei Hunden gelebt habe. „Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das für die Nachbarn unzumutbar ist.“

Josef Strauß (CSU) befürchtete außerdem, dass es aufgrund der großen Zahl von abgegebenen Hunden nicht bei zwei Zwingern bleiben würde. Eine noch größere Zwingeranlage passe aber nicht zur Auffangstation. Das sah Bürgermeister Seidl ganz ähnlich. „Die Auffangstation wurde für die Unterbringung von Katzen und Kleintieren genehmigt.“ Ein Hundezwinger gehe über das für die Nachbarn zumutbare Maß hinaus.

Michael Kappelmeir (FW) wollte ebenfalls nicht zustimmen. Er störte sich daran, dass der Freilauf in Richtung Wald hinter der Station eingerichtet werden müsste. „Da muss man auch mit den Jägern reden, weil dadurch sicher das Jagdrevier eingeschränkt würde“, gab er zu bedenken.

Das Gespräch mit den Jägern können sich die Räte letztlich aber sparen, denn sie lehnten die Hundezwinger einstimmig ab. Wie es nun mit den Tierfreunden weitergeht, entscheidet sich bei einer Vorstandssitzung im Juni. Findet sich bis dahin keine Lösung für die Unterbringung von Hunden, dürfte das das Ende des Vereins bedeuten.

Der Verein kann die Arbeit nur mit Spenden und ehrenamtlichen Helfern nicht mehr stemmen. Der Landkreis hat bereits die Kostenübernahme für eine Teilzeitkraft angeboten. Dies scheint den Tierschützern aber nicht ausreichend. Sie verlangen von den einzelnen Orte einen Obolus. Schließlich falle es per Gesetz eigentlich in die Zuständigkeit der Kommunen, sich um gefundene oder ausgesetzte Tiere zu kümmern. Die Tierfreunde stehen auf dem Standpunkt, dass sie den Gemeinden diese Aufgabe bisher kostenfrei abgenommen haben. Nun, da dies nicht mehr möglich sei, müssten die Orte eben mithelfen. Geschehe das nicht, sei die Auflösung des Vereins kaum abzuwenden. (ad)

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