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Konkurrierrendes Kleeblatt: Gabriele Dietrich, Benjamin Miskowitsch, Andreas Hörl und Oliver Simon (v.l.). 

Im Stimmkreis Bruck-Ost

Im Ringen um die Direkt-Kandidatur: Das CSU-Quartett stellt sich vor

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Über 60 Zuschauer haben die erste offizielle Vorstellungsrunde der vier Interessenten verfolgt, die sich in der CSU um die Direkt-Kandidatur im Stimmkreis Bruck-Ost bemühen. 

Gernlinden – Gravierende inhaltliche Unterschiede traten dabei eher nicht zu Tage, wohl aber Unterschiede in den Schwerpunktsetzungen.

Es dauerte eine Weile, bis einer der Zuhörer die Frage stellte, die die CSU derzeit wohl am meisten umtreibt: Wie kann man Wähler zurück – respektive neu gewinnen? Raus auf die Straße müsse man, meinten darauf etwa Gabriele Dietrich (52, Egenhofen), Benjamin Miskowitsch (Mammendorf, 33) genau wie Andreas Hörl (41, Olching). Dabei müsse man den Leuten wirklich zuhören. Zu Stammtischen und auf Volksfeste müsse man gehen, ergänzte Miskowitsch und Hörl fand, dass sich die CSU auch richtig vermarkten müsse. „Denn es geht uns gut in diesem Land.“

Der vierte Bewerber, Oliver Simon (39) aus Germering, wollte zwar nicht direkt von einem bevorstehenden „Guerilla-Wahlkampf“ sprechen, wie er sagte, kündigte aber ebenfalls an, das persönliche Gespräch suchen zu wollen. Neben einem Engagement in den Internet-Netzwerken werde es einen Häuserwahlkampf geben müssen.

Zuvor hatten sichdie vier Kandidaten vorgestellt. Nur Simon erreichte dabei (fast) die erlaubte Höchstzeit von zehn Minuten. Die drei anderen beließen es bei je sieben Minuten Redezeit, wie Moderator Alex Dorow (Abgeordneter Westkreis) feststellte. Und nur Oliver Simon verließ für seine Rede das Podium in Richtung Zuschauerraum, weil er nicht von oben herab sprechen wolle, wie er sagte.

Miskowitsch beruft sich in seiner Bewerbung vor allem auf sein ehrenamtliches Engagement unter anderem in Wasserwacht und Feuerwehr, aber auch auf Erfahrungen aus seinem Beruf als Leiter beim Brucker Kreisboten, wo er nah dran sei an den Problemen gerade des Mittelstands. Die Dokumentationspflicht etwa treibe so manchen an den Rand des Wahnsinns. Er betonte außerdem die Wichtigkeit von Vereinen.

„Ich will in diesen Landtag“

Gabriele Dietrich („Ich will in diesen Landtag“) will der AfD und den FW die Wähler wieder abjagen. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge müssten klar kontrolliert werden, illegale Grenzübertritte dürfe es nicht geben, wobei die CSU das „C“ in ihrem Namen nicht vergessen dürfe, sagte die Juristin. In der Fragerunde warb sie später für Regeln, die klar machen sollen, „wen wir wollen“ und wer keine Bleibe-Chance habe. Die CSU müsse konsequent und geschlossen auftreten.

Der Jurist Simon stellte seine Bewerbung unter das Motto „Da sein, zuhören und handeln.“ Als große Aufgabe sah er den Siedlungsdruck, die Zukunft der Infrastruktur und insgesamt die Bildung samt Digitalisierung, bei der jeder mitgenommen werden müsse. Bei der Bildung gelte: Bayern müsse weiter selbst dafür zuständig sein. „Wir brauchen nicht das Niveau von Hamburg oder Bremen.“

Polizist Hörl nannte als sein zentrales Thema die innere Sicherheit, was auch mit der Zuwanderung zu tun habe. Das Wichtigste laut Hörl hier: „Wir müssen wissen, wer in unserem Land ist.“ Er wolle den Wohnbau weiter vorantreiben, weil auch viele Flüchtlinge in den Mietmarkt drängten. Insgesamt müsse die CSU auch vor dem Hintergrund von Forderungen des Umweltschutzes klar machen: „Wir sind die Partei der Arbeitsplätze.“

In der Fragerunde kamen unter anderem Themen wie die Landwirtschaft (alle bekannten sich dazu), die Asylpolitik (Abschiebungen seien konsequent durch zuziehen, hieß es), der ÖPNV und die dritte Startbahn (Ja, wenn nötig) zur Sprache. Einer der Fragesteller, ein Landwirt aus Egenhofen, erinnerte an die Leistungen des scheidenden Reinhold Bocklet (Ex-Landwirtschaftsminister) und unterstrich in Richtung Podium: „Wir haben eine gewisse Erwartungshaltung.“ Die nächste Runde folgt am 18. Januar in Landsberied, entschieden wird am 2. Februar in Mammendorf.

Mehr zur Landtagswahl im Herbst 2018 in den beiden Stimmkreisen der Region Bruck  finden Sie hier. 

Ganz Nebenbei: Alle abführen!

Erkenntnis beim CSU-Abend im Bürgerhaus Gernlinden : Dort steht völlig unkompliziert ein freier Internet-Zugang zur Verfügung. „Maisach Wlan“ heißt der – und er funktioniert. Bestens! 

Dieses Wort wird Benjamin Miskowitsch dagegen nach einem Versprecher eher nicht durch den Kopf gegangen sein. Es ging um abgelehnte Asylbewerber und deren Abschiebung. Man müsse sie „abführen“, sagte Miskowitsch, wo er doch – der Landrat wies auch gleich darauf hin – „rückführen“ hätte sagen wollen. 

Freilich gilt: Über Versprecher sollte sich der am wenigsten lustig machen, dem selbst welche geschehen. So begrüßte der Tagblatt-Berichterstatter zu Beginn des Abends in kaum zu verzeihender Vergesslichkeit die neue CSU-Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler mit ihrem Mädchennamen („Hallo, Frau Mair“) und ist daher gut beraten, nun zu schweigen. st

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