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Mehr Milch im neuen Stall: Johann Hartl hat die Anbindehaltung abgeschafft und ist froh darüber.

Hofrundgang

Im Stall der glücklichen Kühe stinkt es nicht

Angebunden im Stall stehen – diese Zeiten sind für die Kühe auf dem Bauernhof der Hartls vorbei. Der neue Freilaufstall bietet jede Menge Kuhkomfort – und nützt damit auch den Menschen.

Überacker/Thal– Platz für 119 Milchkühe ist im neuen Stall von Johann und Elfriede Hartl. Jede Kuh hat ihren eigenen Fressplatz und Liegebereich. Mief und Dunkelheit im Kuhstall, das war gestern. Dafür dass es nicht stinkt, sorgt ein Lüftungsventilator. Hinter dem Gebäude können die Tiere bei jedem Wetter nach Lust und Laune in den offenen Laufhof gehen. In der Abkalbebucht ist frisches Stroh eingestreut – hier kommen die Kälbchen zur Welt. „Wir züchten unsere Tiere seit Jahrzehnten selbst – und wir züchten auf Langlebigkeit“, betont Hofnachfolger Andreas Hartl beim Rundgang des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung (VLF).

Milch bekommt Prädikat für Tierwohl – ist aber auch teurer

Das Ehepaar Hartl und Sohn Andreas wirtschaften konventionell nach den Kriterien des Tierwohllabels. Davon überzeugte sich beim Rundgang auch Reinhold Stangl von der Molkerei Gropper. Gropper vermarktet die Milch der Hartl-Kühe als „Milfina, meine Bauernmilch“ bei Aldi. „Die Tiere arbeiten für uns, aber wir wissen: Wenn es den Tieren nicht gut geht, geht es auch den Bauern nicht gut“, sagt Stangl. Darum bezahle man bei Gropper einen Aufpreis pro Liter Milch für das Tierwohllabel.

Dafür dass die Milchleistung auch immer stimmt, soll im Stall der Hartls eine ausgeklügelte Beleuchtungsanlage sorgen. Johann Hartl: „Man sieht den Kühen an, dass sie sich wohlfühlen – der Kuhkomfort in diesem Stall ist halt das Beste für unsere Tiere.“ Auch zwei Melkroboter gibt es, die Laufgänge sind breit, das Futter ist gentechnikfrei und wird regional und überwiegend auf eigenen Flächen produziert. Sprenkelanlage und Massagebürsten sorgen für weiteren Kuhkomfort.

Einige Landwirte wollen ein ähnliches Stall-Projekt umsetzen

Von seiner Schaltzentrale hinter der großen Glasscheibe aus hat Hofnachfolger Andreas Hartl freien Blick in den Stall. Die Milchleistung der Kühe kann er am Display ablesen. Dort erfährt er unter anderem auch, welche Kuh wie oft in den Melkstand geht.

Milchbauer Adalbert Auer aus Kirchheim im Allgäu ist extra angereist, um den Freilaufstall der Hartls in Augenschein zu nehmen. „Jeder Stall ist anders, und ich möchte mich umfassend informieren.“ Seine 50 Kühe stehen derzeit noch im Anbindestall. Doch er plant mit anderen Landwirten, ein ähnliches Stallprojekt in Angriff zu nehmen. „Um zwei Familien ernähren zu können, bräuchten wir eine Kapazität von mindestens 100 Milchkühen und eine jährliche Milchleistung von rund 12 000 Liter pro Kuh“, rechnet der Allgäuer vor. Wenn sie tatsächlich umstellen würden, könnten sie staatliche Fördermaßnahmen in Anspruch nehmen.

von Angi Kiener

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