Kommunalwahl 2020

„Ja, natürlich. Unbedingt“: Maisachs Bürgermeister will weitermachen

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 Die Antwort dürfte allen bekannt sein. Trotzdem wird natürlich auch Hans Seidl (CSU) befragt, ob er seine Arbeit als Bürgermeister fortsetzen will. 

MaisachDer 54-Jährige sagt: „Ja, natürlich. Unbedingt.“ Er habe große Freude an seinem Amt und die Motivation, „die Dinge weiterzuführen“. Er empfinde es als bereichernd und herausfordern, das Leben in einer Gemeinde mitzugestalten.

„In einem Jahr als Bürgermeister lernt man mehr als in jedem anderen Beruf“, meint Seidl, der seit zehn Jahren Rathauschef ist. Als er 2002 in den Gemeinderat gewählt wurde, habe Maisach sparen müssen. Sein Start als Bürgermeister 2008 war dann von der weltweiten Finanzkrise geprägt. Doch in der Folge ging es immer weiter bergauf. „Und jetzt haben wir die beste Konjunktur, die es je gegeben hat.“

Mit Unterstützung des Gemeinderats hat Seidl die Hochphase genutzt: Fast jedes Jahr wurde eine Kita gebaut, es wurde viel saniert, Gewerbe- und Wohngebiete erweitert. Zuletzt kamen nach dem neuen Ortszentrum das neue Gemeindezentrum mit der Bücherei und als i-Tüpfelchen die Umfahrung dazu.

Seidl geht davon aus, dass es demnächst auch Maisach wirtschaftlich schlechter geht. „Dann müssen wir von unseren schönen Projekten zehren.“ Der 54-Jährige betont aber, dass es nicht immer die großen Dinge sein müssen, die motivieren und Freude machen. „Natürlich tut es gut, wenn man Erfolg hat und etwas umsetzen kann.“ Doch auch Kleines, zum Beispiel die Organisation einer neuen Veranstaltung, sei sinnstiftend. Wenn weniger Geld da sei, müsse man eben umso mehr Kreativität einsetzen.

Trotzdem wird die Arbeit an großen Projekten nicht ausgehen. Danach gefragt, was seine Baustellen in den Bürgermeisterjahren 13 bis 18 wären, zählt der Diepoltshofener fünf Dinge auf: die Schaffung bezahlbaren Wohnraums bei gleichzeitiger Bewahrung des Charakters der Ortsteile, die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt Maisach, die Ostumfahrung Gernlinden und das Trabergelände am alten Flugplatz. Wenn die Traber wirklich nicht nach Maisach kommen, braucht es langfristig einen Plan B. Und schließlich geht es um den Südteil des Flugplatzes nach Abzug der Bundeswehr.

„Aber natürlich können wir der nächsten Generation nicht nur Häuser und Straßen hinterlassen“, sagt er. Daher sei auch wichtig, das gesellschaftliche Leben zu stärken.

Daheim wird noch Ackerbau betrieben

Nach zehn Jahren im Amt habe er Erfahrung darin, Lösungen zu finden – „auch wenn Routine gefährlich sein kann“. Deshalb zwingt sich der 54-Jährige dazu, Sachen immer wieder neu zu durchdenken. Seine Zeit dafür ist der Sonntag. Dann sitzt er traditionell – und mit Segen seiner Frau Petra – ein paar Stunden in seinem Büro im Rathaus. Kein Telefon klingelt, niemand klopft an die Tür. Seidl überlegt, was nächste Woche, in einem Monat, im nächsten Jahr und im nächsten Jahrzehnt zu tun ist – und wie.

Und wenn er dann wieder daheim ist und den Kopf freibekommen will, setzt er sich auf den Traktor. Denn die Familie hat einen kleinen Hof und betreibt noch Ackerbau.

Hans Seidl ist ein Mensch, der immer weiter drängt. Er machte eine Lehre als Landmaschinenmechaniker, dann den Meister. Er wechselte zur Maisacher Firma Enaco, bildete sich dort kaufmännisch weiter und war zuletzt Leiter des Fuhrparks.

Geschichte und Sozialkunde fand er schon als Kind interessant. Und deshalb machte er nebenbei „alles, was die Hanns-Seidel-Stiftung an Weiter- und Fortbildung hergab“. Sein Opa mütterlicherseits war in Holzkirchen/Alling in der Gemeindepolitik engagiert, erinnert er sich. Auch das weckte Interesse.

„Noch eine Amtszeit würde meine Frau sicher mitmachen“, sagt er. „Sie hat das all die Jahre über mit Begeisterung mitgetragen.“ Und die Kinder – der Sohn ist 26, die Tochter 23 – sind schon selbst verheiratet und brauchen den Vater seltener.

Und die Herausforderer?

Seidl steht also wie erwartet fest. Und wie sieht es mit Herausforderern aus? Die SPD will sich erst nach der Europawahl (23. bis 26. Mai) mit den Kommunalwahlen beschäftigen, sagt Ortschef Bernhard März. Schon etwas klarer sehen die Freien Wähler (FW): „Wir werden mit einem Bürgermeisterkandidaten bei der Kommunalwahl antreten“, sagt FW-Fraktionschef Gottfried Obermair. „Wer das sein wird, haben wir noch nicht festgelegt.“ 2014 war Christian Varga für die FW angetreten.

Für die Unabhängigen Bürger (damals noch Einigkeit Gernlinden) kämpfte Peter Aust 2008 und 2014 um den Chefsessel. „Zweimal reicht“, sagt er auf Nachfrage. Er trete nicht mehr als Bürgermeisterkandidat an. Vielleicht finde sich jemand Neues in den Reihen der Unabhängigen Bürger, aber derzeit sehe es nicht danach aus.

Die Grünen befinden sich derzeit „in einer offenen Diskussion“, sagt Sprecher Alexander Reichert. Entscheidungen würden frühestens in der internen Klausur am 9. Februar fallen.

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