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Gleich heißt es Bühne frei im Pfarrsaal an der Schmidhammerstraße: Lilly Schmid vom Hühnerleiter-Team bei der Begrüßung vor dem Stück „Herr Röslein“, das 2017 zu sehen war.

Verein Hühnerleiter startet in neue Saison 

So wird Kindertheater zum Renner

Um gutes Kindertheater zu sehen, muss man nicht unbedingt nach München oder in die Augsburger Puppenkiste fahren. Gutes Kindertheater gibt es auch auf dem Land, zum Beispiel beim Verein Hühnerleiter in Maisach. Jetzt startet die neue Saison.

MaisachHinter dem witzigen Namen verbirgt sich eine Gruppe Engagierter, die jedes Jahr sechs hochwertige Vorstellungen in den Pfarrsaal holt – und das meist vor ein volles Haus. Nun steht die neue Saison vor der Tür.

Eines haben alle Aufführungen seit den Anfängen vor über 25 Jahren gemeinsam: Es spielen keine Amateure, sondern ausgebildete Schauspieler. „Von wegen Kindertheater ist Larifari-Kasperltheater“, sagt Lilly Schmid, im Hühnerleiter-Vorstand unter anderem für das Programm und die Begrüßung bei den Vorstellungen zuständig. Im Ort ist sie mittlerweile so bekannt, dass Kinder beim Einkaufen aufgeregt rufen: „Guck mal, Mama, da ist die Frau Hühnerleiter!“

Der Wunsch nach einem anspruchsvollen Angebot war es, der ein Grüppchen Eltern 1992 die Initiative ergreifen ließ. Das Ganze sei eine ziemliche Hauruck-Aktion gewesen, erinnert sich Hanne Wölfle, eine der Initiatorinnen. „Mein Mann kam eines Abends aus dem Gemeinderat nach Hause und erzählte, dass die Pfarrei die Wiedereröffnung des Pfarrsaals plante und ein Kinderprogramm brauchte.“ Und weil ihr der Gedanke an Theater schon länger im Kopf herumspukte, begann sie gemeinsam mit ein paar Mitstreitern, professionelle Puppenspieler nach Maisach einzuladen.

Das Clown-Duo „Herbert und Mimi“ sorgte im Februar 2018 für große Begeisterung bei den Kindern.

Doch wie holt man Profis aus ganz Deutschland in einen Dorfsaal mit 120 Plätzen, ohne dass es finanziell den Rahmen sprengt? „Schauspieler aus Berlin oder Hamburg kommen nicht für einen einzelnen Auftritt nach Bayern“, sagt Lilly Schmid. Deshalb gehörte die Hühnerleiter zu den Gründungsmitgliedern des Vereins „Lampenfieber Bayern“, in dem 25 Kindertheater-Veranstalter aus dem Großraum München zusammengeschlossen sind. Auf diese Weise wird Künstlern die Möglichkeit geboten, eine kleine Tournee durch verschiedene Orte zu machen, so dass sich die Anreise rentiert.

„Wenn im Herbst die Saison losgeht, ist der Zulauf riesig.“ Lilly Schmid

Frische Impulse fürs Programm holen sich die Veranstalter auf der Kinderkulturbörse in München-Pasing, wo alle zwei Jahre Theatergruppen ihre neuen Stücke vorstellen. „Kinder sind dort herzlich willkommen“, erzählt Lilly Schmid. Auch sie nimmt gern ihre zehnjährigen Zwillingssöhne mit und hört auf ihr Urteil. „Oft empfinden Kinder ein Stück ja ganz anders als Erwachsene.“

An den Aufführungstagen ist der Pfarrsaal oft bis auf den letzten Platz besetzt. „Wenn im Herbst die Saison losgeht, ist der Zulauf riesig“, sagt die 47-Jährige. „Da rennen sie uns die Bude ein.“ Doch selbst schlechter besuchte Vorstellungen bringen es auf 90 Zuschauer.

„Wenn’s keiner macht, schläft es ein.“ Lilly Schmid

Um einen besseren Überblick über den Kartenverkauf zu haben, hat der Verein seine alten Reservierungslisten abgeschafft und einen Vorverkauf eingeführt. In zwei Maisacher Geschäften gibt’s Tickets für die zwei jeweils nächsten Veranstaltungen. Manchen Hühnerleiter-Freunden ist selbst das noch zu wenig: Lilly Schmid erinnert sich an eine Großmutter aus Fürstenfeldbruck, die unbedingt ein Abo für das Kindertheater wollte. Sie konnte der Frau nur raten, Vereinsmitglied zu werden – denn als solches hat man ein Vorkaufsrecht.

Die Vorstellungen sind meist schon für die Altersstufe der Drei- und Vierjährigen geeignet. Heuer gibt es jedoch mit „Kuckuck, Krake, Kakerlake“ erstmals ein Stück ab sieben Jahre – aus Sicht der Hühnerleiter ein Experiment. „Kleinere Kinder sind leicht ins Theater zu bekommen“, sagt Lilly Schmid. „Größere haben ja schon mehr ihre eigene Meinung und vielleicht ,keinen Bock‘ – wir werden sehen.“ Die Programmverantwortliche hofft auf die Zugkraft des Stückes. Denn dessen Buchvorlage wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Der Vorstand (v.l.): Alexandra Schober, Lilly Schmid, Sabine Haslauer, Ute Rauh und Babsi Haslauer (unten).

Trotz des anhaltenden Erfolgs stand es nicht immer zum Besten um die Hühnerleiter – im Jahr 2010 drohte die Auflösung, weil sich kein Nachfolger für den Vorstand fand. Damals schaltete sich sogar Bürgermeister Hans Seidl ein – und er war es auch, der eine neue Vorsitzende gewinnen konnte.

Inzwischen ist die vierte Führungs-Generation am Start. „Es macht uns total Spaß“, sagt Lilly Schmid. „Außerdem, wenn’s keiner macht, schläft es ein.“ Wichtig sind der Hühnerleiter erschwingliche Ticketpreise, damit alle – auch Familien mit mehreren Kindern – das Angebot nutzen können. Teurer als fünf Euro pro Karte soll es deshalb nicht werden. Das funktioniert dank finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde und dank der Tatsache, dass die Pfarrei sich mit einer symbolischen Saalmiete zufrieden gibt. Außerdem hat der Verein einige Sponsoren gewinnen können.

Bleibt die Frage, wie um alles in der Welt die Bezeichnung Hühnerleiter zustande kam. Die Antwort weiß Hanne Wölfle, denn ihr fiel der Name damals ein. „Mich haben Hühnerleitern als Kind sehr beeindruckt – wie die Hühner dort eins nach dem anderen hinunterkommen und ihren Auftritt haben.“ Außerdem sei der Name schön bodenständig. „Wir sind hier schließlich am Land.“

Ulrike Osman

Das ist geboten in dieser Spielzeit

Die neue Saison des Kindertheaters Hühnerleiter hält einige Höhepunkte bereit. Nicht zum ersten Mal steht der Astrid-Lindgren-Klassiker „Tomte Tummetot“ auf dem Programm. Das Stück, gespielt vom Pantaleon-Figurentheater München, wird in diesem Jahr vom Hühnerleiter-Team sogar mit der Auszeichnung „Goldenes Ei“ für die „besonders feine Inszenierung“ bedacht.

Außerdem ist es gelungen, den als Rockstar des Kindertheaters geltenden Daniel Wagner aus Berlin zu engagieren. Und er bringt – Grimms Märchen lassen grüßen – „Die gestiefelte Katze“ mit.

Los geht es aber mit „Kasperl und die Brotzeit“, einem Stück, an dem schon Dreijährige ihren Spaß haben (30. September). Mit lauter merkwürdigen Tieren beschäftigt sich „Kuckuck, Krake, Kakerlake“ (28. Oktober) für Kinder ab sieben Jahre. Für diese beiden Vorstellungen läuft ab sofort der Vorverkauf in zwei Maisacher Geschäften (Schreibwaren Auer, Bahnhofstraße 4, und Clemens – schenken und schöner leben, Aufkirchner Straße 8).

Das ganze Programm gibt‘s auf www.huehnerleiter-ev.de

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