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Impression von der Frauen-Konferenz. Links Beate Walter-Rosenheimer

Bei Frauen-Konferenz

Grünen-Politikerinnen kämpfen um Respekt

Mit Blick auf die Kommunalwahl 2020 hat die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer in Gernlinden eine Frauenkonferenz organisiert. Es ging um die Rolle der Frau in der Politik. Eigentlich sollte die Konferenz als Motivation für angehende Politikerinnen dienen, verfehlte das Ziel aber bei einigen Hörerinnen.

Gernlinden – Zwar gab es Kaffee und Kuchen, aber ein klassisches Kaffeekränzchen war das Treffen am Sonntagnachmittag im Gernlindener Bürgerzentrum nicht. Zu einer Frauenkonferenz hatte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer eingeladen, um noch eher unbekanntere Parteifreundinnen unter dem Titel „Frau.Macht.Politik“ zu einer Kandidatur bei den im kommenden März anstehenden Kommunalwahlen zu bewegen und zu motivieren.

Rund 30 Frauen folgen der Einladung

An die 30 Frauen waren der Einladung gefolgt, während sich drei Männer um den Live-Stream fürs Internet kümmerten oder zusätzliche Tische und Stühle anschleppten. Nach der Podiumsdiskussion, an der unter anderem Walter-Rosenheimer selbst teilnahm, waren die Reaktionen der Zuhörerinnen geteilt. Eine junge Frau sprach von dem Vertrauensvorschuss der altgedienten Grünen gegenüber einer neuen Generation, die auch mit Kampfgeist etwas bewegen wollen. Zwei etwas ältere Frauen kritisierten nach dem Podiumsgespräch dagegen, dass vor allem gejammert worden sei. „Das macht doch keinen Mut, wenn man eine Stunde lang so was hört“, machte eine Teilnehmerin ihrem Unmut Luft.

Männliche Verhaltensmuster

Tatsächlich war zuvor viel von nur allzu männlichen Verhaltensmustern in der Politik die Rede gewesen. Helga Stieglmeier, Fraktionschefin im Erdinger Kreistag, berichtete von einem Landrat, der Kollegen seines Geschlechts mit „Herr Doktor“ oder „Herr Kreisrat“ anrede, die Grünen-Chefin aber mit den Worten „Die Stieglmeier will auch noch was sagen“ zu Wort kommen lasse.

Bayerns Grünen-Landesvorsitzende Sigi Hagl, zusätzlich auch Stadträtin in Landshut, wird nach ihrer Aussage wohl mit mehr Respekt behandelt, hadert aber mit der Resonanz auf deutliche Aussagen. Einem Mann, der die Dinge beim Namen nenne, würden seine klaren Worte zugute gehalten. Die Frau, die das gleiche tue, gilt als keifendes Weib oder hat Haare auf den Zähnen, monierte Hagl.

Bewertung nach dem Äußeren

Die Starnberger Stadträtin Martina Neubauer berichtete von einem Auszug der Mehrheit aus einer Sitzung, nachdem auch die Bürgermeisterin sich nicht veranlasst sah, Äußerungen nahe der Gürtellinie zu unterbinden. Dies sei allerdings auch kein dauerhaftes Rezept und verhindere die politische Diskussion.

Beate Walter-Rosenheimer sprach an, dass eine Politikerin auch stets nach ihrem Äußeren bewertet werde. Wer nicht dem gängigen Schönheitsideal entspreche, werde in sozialen Medien fertiggemacht. „Frauen müssen stark sein, wenn sie nicht gut aussehen.“

Das Problem mit dem grünen Urlaub

Für die Brucker Bezirksrätin Gina Merkl mag die Frage nach dem Aussehen ein geringes Problem sein. Aber auch sie hat Erfahrungen in den sozialen Netzwerken gemacht, „die ins Persönliche gehen“ – und sei es nur wegen einem falschen Urlaub, der nicht grünen Idealen entspreche.

Sich ein dickes Fell zuzulegen, empfahl Stieglmeier aus Erding, die sich allerdings wegen ihres entschiedenen Eintretens gegen AfD und Pegida auch geschlechtsübergreifendem Hass ausgesetzt sieht. Sie wolle sich keinen Panzer zulegen, der sie auch unnahbar gegen ihre Wähler mache, widersprach Neubauer: „Politik darf uns nicht so verändern, dass wir so werden, wie wir nicht sein wollen“, sagte sie – eine Äußerung, die viel Beifall fand. Und auch Landes-Chefin Hagl will mit einer weiblichen Perspektive die Debatte verändern – inhaltlich und im Stil: „Wir sollten nicht die besseren Männer werden wollen.“ (Olf Paschen)

Auch interessant: Die Kommunalwahl 2020 in der Region Fürstenfeldbruck

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