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Andrea Peckedraht gehört mit Keramik und Malerei zu den Langzeit-Teilnehmern in Anzhofen.

Ausstellung in Anzhofen

Kunst im Stadl: 5000 Besucher im Kreativ-Weiler

Hauchzartes aus Papier, wuchtige Holzskulpturen, Bilder, Kleidung, Keramik, Schmuck, sogar Kunst aus Schrott – das alles verteilte sich auf rund 100 Ausstellungsstände in Anzhofen bei Maisach.

Anzhofen „Kunst im Stadl“ in dem aus zwei Bauernhöfen mit neuen Einwohnern bestehenden Weiler ist längst ein alljährlicher Besuchermagnet. Wenn Anton Schwarzmann zur Kettensäge greift, sammeln sich um ihn herum schnell Neugierige. Nur wenige Minuten, nachdem der 30-Jährige ein Stück Baumstamm auf vier aus einer Metallunterlage ragende Nägel gerammt hat, nimmt bereits ein Kunstwerk Gestalt an. Aber was ist das bloß? Schwarzmann lässt nacheinander drei Motorsägen unterschiedlicher Größe in das Holz gleiten. Er sägt, schneidet, schält heraus, dass die Späne nur so fliegen. Zuletzt nimmt er sein Werk, dreht es um 90 Grad – und nun kann jeder erkennen, was es ist: ein Schweinskopf.

Kunst im Stadl: Kreativ werden mit der Kettensäge

Gelebte Kunst mit Airbrush-Spezialistin Renate Herrmann und Model Manuela.

Die Zuschauer staunen und applaudieren. Wenig später ist die Skulptur auch schon verkauft. „Ich habe schon als Siebenjähriger mit dem Messer geschnitzt“, erzählt der Bio-Bauer und Bruder von Kabarettistin Martina Schwarzmann aus Überacker. Später kam er bei der Nutzholzernte auf die Idee, mit der Kettensäge Kunst zu gestalten. Das kommt an. „Ich mache hauptsächlich Auftragsarbeiten.“

Ganz anders sieht die Holzkunst von Will Schropp aus. Glatte, polierte Hasen-Skulpturen und elegant geschwungene abstrakte Objekte verteilten sich auf dem Rasen vor seinem Stand. Am Zaun hängt die Jacke des Niederländers, täuschend echt aussehend, aber auch sie ist eine Holzskulptur.

Zwei große Stallgebäude, Wege und Wiesen – ganz Anzhofen wird einmal im Jahr zur Kulisse. Es ist diese entspannte Weitläufigkeit, die den Reiz der Veranstaltung ausmacht. Für alle, die weniger gut zu Fuß sind, hat Organisatorin Helga Backus schon vor ein paar Jahren einen Parkplatz-Shuttle per Fahrrad-Rikscha eingeführt. Zum Ausruhen gibt es den Biergarten auf dem großen Hof vor den Bauernhäusern, wo eine Stelzenläuferin im Kostüm einer Putzfrau für Heiterkeit sorgt.

Kleider, Taschen und Schuhe aus Pergamentpapier

Das Wetter ließ es zu: Auch unter freiem Himmel wurden die Kunstobjekte angeboten.

Zu den meistfotografierten Stücken des Marktes gehörten heuer wohl die Eisen- und Stahl-Skulpturen von Horst Wendland: Pferde, Menschen, ein Harlekin, ein Narrenschiff. Trotz des schweren Materials wirken sie transparent und filigran. Mit einem sehr leichten Grundstoff arbeitet dagegen Michaela Miller aus Puchheim. Sie gestaltet Kunstobjekte aus Pergamentpapier – Kleider, Taschen, Fische, Schuhe, an denen alles bis zu den Schnürsenkeln aus Papier ist. Trotzdem: „Die Sachen sind stabiler als sie aussehen.“ In einem Paar Stiefel brennt eine Energiesparlampe und macht das Kunstwerk zum Leuchtobjekt.

Rund 5000 Besucher fanden heuer den Weg nach Anzhofen. „Die Aussteller waren zufrieden, sie haben gut verkauft“, bilanziert Organisatorin Helga Backus. Gefreut hat sie sich vor allem darüber, dass der Markt heuer mit Vertretern aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Italien so international war wie noch nie.

von Ulrike Osman

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