Michael Keller hatte viel Freude an den Enkeln.
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Michael Keller hatte viel Freude an den Enkeln.

Nachruf

Kurz vor seinem 90. verließen ihn die Kräfte

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Seine Familie, sein Hof, sein Dorf – das war Michael Kellers Welt. Auf vielfache Weise engagierte er sich in seinem Heimatort Rottbach, zu dem der Weiler Deisenhofen gehört. Dort kam der Landwirtssohn 1931 auf die Welt, und dort hätte er gerne im Oktober seinen 90. Geburtstag gefeiert. Doch er wurde vorher abberufen.

Rottbach – Eigentlich hätte Michael Kellers älterer Halbbruder den väterlichen Betrieb übernehmen sollen. Doch der fiel im Zweiten Weltkrieg – eine Zeit, an die Michael Keller noch viele Erinnerungen hatte. 13 Jahre war er alt, als im April 1945 die Amerikaner in Rottbach einmarschierten. In den folgenden Monaten und Jahren pflegte der Bub sogar eine Freundschaft mit einem jungen US-Soldaten, der auf dem Brucker Fliegerhorst stationiert war.

Der Soldat hieß Corin. Michael Keller ging mit ihm auf die Jagd. Auch seine Vorliebe für amerikanische Zigaretten stammte aus dieser Zeit – sie begleitete Keller, bis er im hohen Alter das Rauchen aufgab. Die Jagd war nur eine der Leidenschaften des Deisenhofeners. Viele Jahre war seine Tenorstimme im Rottbacher Kirchenchor zu hören. Nach dessen Auflösung sang Michael Keller im Männergesangverein Wenigmünchen.

Über 30 Jahre war er Feuerwehrkommandant, saß im Gemeinderat des damals noch selbstständigen Rottbach und im Vorstand des Vereins ehemaliger Brucker Pferdezüchter. Zudem gehörte er dem ältesten Verein im Landkreis an: dem 1775 gegründeten Isidori-Verein.

Keller war gesellig, am Zeitgeschehen interessiert und begeisterter Landwirt. An erster Stelle stand jedoch stets die Familie, die er mit seiner Therese gründete. Die beiden kannten sich schon als Kinder und heirateten 1955. Zwei Söhne, eine Tochter, fünf Enkel und drei Urenkel gehören mittlerweile zur Großfamilie.

„Mit den Kleinen hat er eine rechte Freud’ gehabt“, erzählt Michael Kellers ältester Sohn Peter. Er hat den Hof 1996 übernommen. Sein Vater packte mit an, solange es die Kräfte zuließen. Um sich zu erholen, musste Michael Keller nicht am Strand liegen. Viel lieber unternahm er mit seiner Frau Kurzreisen in Deutschland oder ins benachbarte Ausland. Eine Busreise ans Nordkap bewegte den Senior tief. „Er hat wirklich jedem davon erzählt“, sagt Sohn Peter Keller.

Von einem Herzinfarkt und einer Lungenentzündung im Juni erholte Michael Keller sich noch recht gut. Doch einige Wochen später waren die Kräfte zuende. Auf dem Friedhof in Rottbach wurde der 89-Jährige zu den Klängen von Jagdhörnern zu Grabe getragen – ganz, wie er es sich gewünscht hatte.  os

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