Die Elvivion-Heime in Maisach und Gernlinden können Mieten nicht mehr bezahlen. symbolFoto: dpa
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Die Elvivion-Heime in Maisach und Gernlinden können Mieten nicht mehr bezahlen.

Konzern bittet um Stundung

Angst um Miete für Pflege-Wohnungen

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Neuer Ärger um die Elvivion-Seniorenheime: Offenbar bekommen die Eigentümer der Wohnungen seit Dezember kein Geld mehr. Die SeniVita Social Estate (SSE) AG, zu der auch Heimträger Advivion gehört, hat um Stundung der fälligen Mietzahlungen gebeten. Unterdessen hat ein großer Anteilseigner des Konzerns Insolvenz angemeldet.

Maisach/Gernlinden – Die SSE AG ist ein Mischkonzern – zu etwa einer Hälfte gehört sie der Baufirma Züblin, zum anderen Teil der Pflege-Gruppe Dr. Wiesent Sozial gGmbH. Der eine Part plant und baut Pflegeeinrichtungen mit Seniorenwohnungen, der andere bietet individuell buchbare Pflegeleistungen an. Die Wohnungen können von privaten Kapitalanlegern gekauft und an Senioren vermietet werden. In diesem Fall zahlt der Bewohner an den Heimträger eine monatliche Gesamtmiete, die – abzüglich Instandhaltungsrücklage, Hausverwaltungs- und Mietverwaltergebühren – an den Wohnungseigentümer weitergeleitet wird.

Doch kurz vor Weihnachten flatterte den Eigentümern der Wohnungen in Maisach und Gernlinden unerfreuliche Post ins Haus. In dem Schreiben, das dem Tagblatt vorliegt, bittet SSE-Vorstand Manfred Vetterl darum, die Mietzahlungen für die Zeit von Dezember bis Februar zu stunden. Als Begründung ist von einem „kurzfristigen Liquiditätsengpass“ die Rede. „Die weiterhin bestehenden Einschränkungen durch Corona und zeitweise auftretende Sondersachverhalte beanspruchen die aktuelle Liquiditätsversorgung der SSE AG spürbar“, heißt es in dem Brief.

Außerdem wird auf gravierende Veränderungen innerhalb der Führungsstruktur des Unternehmens verwiesen. Gemeint ist die im Dezember erfolgte Abberufung des Vorstandsvorsitzenden Horst Wiesent. Dadurch seien die „Betriebsabläufe zur allgemeinen Geschäftsabwicklung“ ins Stocken geraten. Die gestundeten Mieten sollen den Wohnungseigentümern in der Zeit von März bis August in sechs Raten nachgezahlt werden. Verzugszinsen werden nicht in Aussicht gestellt.

Unter den Eigentümern, die die Wohnungen als Kapitalanlage gekauft haben, ist die Empörung groß. Nicht jeder kann und will der Stundungsvereinbarung ohne Weiteres zustimmen – zumal, wenn die Mieteinnahmen zur Deckung eigener Finanzierungsraten dienen. Auch war den Kapitalanlegern offenbar noch bei der letzten Eigentümerversammlung laut Aussage von Teilnehmern versichert worden, die Heime seien zu über 80 Prozent ausgelastet und würden sich daher selbst tragen. Wohin also, fragen sich die Wohnungseigentümer, fließt das von den Bewohnern gezahlte Geld?

In der Kritik steht vor allem der geschasste Vorstandsvorsitzende Horst Wiesent. Dessen zweites Unternehmen, die Dr. Wiesent Sozial gGmbH, ist einer der Gesellschafter der SSE – und hat im Dezember wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl mitteilt, soll die gemeinnützige GmbH mit sechs Pflege- und Betreuungseinrichtungen in Nordbayern bis Mitte März saniert werden.

Ein Sprecher der SSE AG teilt auf Anfrage des Tagblatts Folgendes mit: „Die SeniVita Social Estate AG hat Wohnungen aus den von ihr erstellten Objekten an Investoren veräußert und dabei langjährige Mietgarantien gewährt. Die Gesellschaft lotet derzeit die Bereitschaft zu einer vorübergehenden Stundung der Mieten aus. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zur laufenden Restrukturierung der Gesellschaft, die angesichts der Corona-Krise unter erschwerten Bedingungen erfolgen muss.“ Ein sachlicher Zusammenhang mit der Abberufung Wiesents bestehe nicht. Auch habe die Insolvenz der Dr. Wiesent Sozial gGmbH keine Auswirkungen auf die SeniVita.  

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