+
Die Ausdehnung der Baumschutzverordnung regt viele Bürger auf.

“Entmündigung“

Baumschutz-Ausweitung erzürnt Maisacher: Das sei „Diktatur des Bürgermeisters“

  • schließen

Die Ausweitung der Baumschutzverordnung auf ganz Maisach bringt Bürger auf die Palme. Einer sprach im Gemeinderat von einer Diktatur des Bürgermeisters.

Maisach– In der Aktuellen Viertelstunde, bei der Bürger Fragen an Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder stellen dürfen, stand vor allem ein Beschluss des Gremiums im Fokus: die geplante Ausweitung der Baumschutzverordnung auf das gesamte Gemeindegebiet. Derzeit existiert eine solche nur in Gernlinden.

„Es ist nicht einzusehen, dass eine solche Verordnung auch in den kleinen Ortsteilen gelten soll“, schimpfte einer der anwesenden Bürger. Er warf Rathauschef Hans Seidl (CSU) vor, dass er sich im Wahlkampf noch schnell ein grünes Thema ans Revers geheftet habe. Den Satz Seidls, dass man die Proteste zur Kenntnis nehme, konterte der Bürger scharf: „Sie sollen das nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern auch danach handeln, sonst haben wir hier eine Diktatur des Bürgermeisters.“

Bürgermeister Seidl ist von der Baumschutzverordnung überzeugt

Dem widersprach Seidl aber deutlich: „Die Einführung einer Baumschutzverordnung ist ein öffentliches Verfahren wie auch bei einem Bebauungsplan“, erklärte er. Allen Bürgern werde dabei die Möglichkeit eingeräumt, ihre Meinung kundzutun. Auch den Vorwurf, sich eines grünen Themas bemächtigt zu haben, wies Seidl zurück. „Ich verfolge die Baumschutzverordnung aus Überzeugung, nicht um jemanden zu ärgern.“ Er selbst habe in seinem privaten Bereich weit mehr Bäume gepflanzt, als entfernt wurden.

Mit diesen Aussagen gab sich auch ein zweiter Bürger nicht zufrieden. Er fühlt sich immer mehr entmündigt. „Man ist nicht mehr Herr über sein eigenes Grundstück“, schimpfte er und fragte, was denn als Nächstes für eine Vorschrift komme: „Dürfen wir irgendwann nicht mehr unser Bier auf der Terrasse trinken?“

Nach Seidls Ansicht ist die Aufregung der Bürger aber übertrieben. Er verwies auf die geplante Infoveranstaltung am 25. September. „Dort werden wir genau darlegen, was eine Baumschutzverordnung wirklich bedeutet.“ Gernlinden lebe seit mittlerweile 20 Jahren gut mit der Verordnung.

Man muss mit dem Bürger entscheiden

Fakt sei, dass man in den vergangenen Jahren einen wahnsinnigen Rückgang des Baumbestandes in Maisach zu beklagen habe. Auch in den Außenbereichen gebe es erste Probleme. „In den kleinen Ortsteilen wird aber weniger gebaut“, sagte der Rathauschef. Man wolle den Bürgern in diesen Gemeindegebieten aufzeigen, wann die Verordnung dort überhaupt greifen würde.

Vor allem aber müsse man das Thema sachlich angehen. „Wir wollen nicht über die Bürger hinweg, sondern mit den Bürgern entscheiden.“

Ob das vom Bürgermeister zuletzt ins Spiel gebrachte Ratsbegehren Realität wird – und damit ein Bürgerentscheid –, ist derzeit offen. Diskutiert wurde das Thema später nicht öffentlich. Zum Ergebnis wollte Seidl am Freitag nichts sagen. In der öffentlichen Sitzung, als die Proteste eines Bürgers nicht abreißen wollten, würgten mehrere Räte den Mann ab und verwiesen darauf, dass die Aktuelle Viertelstunde nur für Fragen da sei. Auch Seidl und Hauptamtsleiter Peter Eberlein verwiesen auf die Geschäftsordnung.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Riesen-Wildschwein bei Germering erlegt - Mensch hätte „keine Chance“
Warme Winter, keine natürlichen Feinde und ein reich gedeckter Tisch durch die Landwirtschaft: Wildschweine breiten sich immer weiter aus. Jetzt haben Jäger im …
Riesen-Wildschwein bei Germering erlegt - Mensch hätte „keine Chance“
Fridays for Future: Neue Ortsgruppe will in Bruck aktiv werden
Die Bewegung Fridays for Future ist in aller Munde – und ist jetzt ganz real auch in Bruck angekommen. Denn am Wochenende hat sich eine Ortsgruppe gegründet.
Fridays for Future: Neue Ortsgruppe will in Bruck aktiv werden
Imran aus Fürstenfeldbruck
Über die Geburt ihres zweiten Sohnes freuen sich Arnela und Admir Beslaga aus Fürstenfeldbruck. Ihr Sohn Imran kam jetzt im Brucker Klinikum zur Welt. Der Bub wog 3030 …
Imran aus Fürstenfeldbruck
Er wollte helfen, wo immer es nötig war
Dass ein kleiner Bub Polizist werden will, ist nicht so selten. Dass er aber dieses Berufsziel über die Jahre nicht aus dem Blick verliert und nach der Schule …
Er wollte helfen, wo immer es nötig war

Kommentare