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Die Driving-Academy auf dem alten Flugplatz: Seit 2012 finden dort Fahrsicherheitstrainings, Seminare und Präsentationen statt. 

Driving Academy

Maisach bremst BMW ein: Bürgermeister gegen Erweiterung am Fliegerhorst

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Klatsche für BMW: Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) ist gegen die geplante Erweiterung des Fahrsicherheitszentrums auf dem Fliegerhorst. Der Eingriff schade der Natur. Zudem sei der wirtschaftliche Nutzen gering.

Maisach – BMW hatte zuletzt darauf gedrängt, die Erweiterung des Fahrsicherheitszentrums anzugehen. Deshalb musste sich Maisach positionieren. Bürgermeister Seidl sagte nun im Gemeinderat, er sei zur Überzeugung gelangt, dass eine Erweiterung der Fahrstrecken samt Eingriff in das Flora-Fauna-Habitat (FFH) nicht zu rechtfertigen sei. Entstanden sei ein „Naturerbe besonderer Güte“, das dürfe man jetzt nicht aufs Spiel setzen. Eine Vergrößerung der BMW-Driving-Academy würde außerdem die künftige Ortsentwicklung Maisachs in Richtung Süden behindern. Derweil gibt es bei BMW eine weitere große Veränderung: BMW-Chef Harald Krüger kündigt seinen Rücktritt an.

Auch wirtschaftliche Gründe sprechen gegen BMW

Seidl nannte aber auch wirtschaftliche Gründe. Man habe in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, BMW zur einer nachhaltigen Investition auf dem Flugplatzgelände beziehungsweise Kasernengelände der Stadt Fürstenfeldbruck zu bewegen. Man hatte sich erhofft, dass dort eine Forschungs- oder Produktionseinrichtung entsteht, verbunden mit Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Die Hoffnung wurde enttäuscht. Alleine mit dem Fahrsicherheitstraining sehe er langfristig keinen ausreichenden wirtschaftlichen Nutzen für Gemeinde und Region.

Stopp bevor BMW unnötig Geld ausgibt

Weil jetzt die Planungen für die Erweiterung beginnen sollten, sehe er es als seine Pflicht an, rechtzeitig Stopp zu rufen – „bevor BMW unnötig Geld ausgibt“. Der Autokonzern könne das Gelände aber wie bisher weiter nutzen, betonte er. Allerdings müsse BMW dafür sorgen, dass der Lärm nochmals reduziert werde.

BMW nutzt derzeit 30 Hektar

BMW hat von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) etwa 130 Hektar gepachtet. Genutzt werden derzeit nur rund 30 Hektar versiegelte Fläche: Teile der Startbahn und eine große Betonfläche. Geplant war, südlich der neuen Umfahrung drei neue Testrunden zu bauen. BMW will die Nutzung auf 75 Hektar vergrößern. Früher waren sogar 130 Hektar im Gespräch, doch das hatte der Konzern wegen der Schwierigkeiten im FFH-Gebiet und nach Gesprächen mit der Gemeinde reduziert.

Das Landratsamt hat BMW (nach Stellungnahme der Gemeinde) eine Betriebsgenehmigung für die Driving-Academy ausgestellt. Diese gilt seit Ende 2011 und bis August 2021.

BMW zeigt sich überrascht

Aber bleibt BMW unter den neuen Vorzeichen in Maisach – und wie lange noch? Eine Konzernsprecherin gab auf Tagblatt-Nachfrage keine konkreten Antworten. Nur so viel: „Die Entscheidung des Bürgermeisters Seidl zur Driving-Academy überrascht uns. Dieser Schritt erfolgte ohne vorherige Diskussion mit der BMW-Group.“ Nun werde man „alle Optionen prüfen und die Folgen dieser Entscheidung bewerten“.

Maisach ist BMW dankbar

Shelter am Fliegerhorst.

Rathauschef Seidl betonte im Gemeinderat, dass man dem Konzern dankbar sei: Nur durch BMW habe man ein Nachnutzungskonzept für das frühere Militärgelände aufstellen und die zivile Luftfahrt verhindern können. Daher wolle er ein fairer Partner sein, so Seidl, und weiter einen sauberen Umgang pflegen. Er sprach von einer „moralischen Verpflichtung“. Altbürgermeister Gerhard Landgraf war extra in die Sitzung gekommen und stärkte Seidl den Rücken: Auch er sei gegen ein erweitertes Fahrsicherheitszentrum – trotz aller Dankbarkeit gegenüber BMW.

Thema BMW kommt nochmal auf die Tagesordnung

Der Gemeinderat beschloss vorerst nur, das Thema demnächst ausführlich zu diskutieren. Dann geht es auch um das Fahrsicherheitszentrum der Polizei. Seidl ist wie bei BMW der Meinung, dass zwar die Weiternutzung wie bisher möglich ist, nicht aber ein Ausbau. Zudem wird geklärt, ob die Kommune die Erweiterungspläne des Unternehmens einfach kippen kann. Nach Tagblatt-Informationen droht der Gemeinde kein Schaden, wenn sie die Expansion ablehnt.

Eigentlich sollte das Thema nicht öffentlich behandelt werden. Doch durch einen Artikel in einem Magazin des Bund Naturschutz und nach Gerüchten im Ort sah sich Seidl zur öffentlichen Debatte gezwungen. 

Die Gerüchte von der BMW-Rennstrecke

In Gernlinden und Maisach waren zuletzt einige Gerüchte im Umlauf. Es hieß, BMW plane eine Rennstrecke auf dem alten Flugplatz und vernichte dafür 130 Hektar des Flora-Fauna-Habitats (FFH). Und weil die Sache sowieso schon öffentlich diskutiert wurde, entschied Bürgermeister Hans Seidl (CSU) kurzfristig, das Thema am Dienstagabend in der Verkehrs-Informationsveranstaltung in Gernlinden und am Mittwochabend im Gemeinderat anzusprechen. 

Eigentlich wollte der Rathauschef über die von BMW und der Polizei angestrebte Erweiterung des Fahrsicherheitszentrums beziehungsweise Übungsgeländes nicht öffentlich sprechen. Der Punkt stand bereits am 6. Juni auf der Tagesordnung der nicht öffentlichen Gemeinderatssitzung, wurde dann aber nicht behandelt, weil die Zeit zu weit fortgeschritten war. Am 3. Juli war das Thema wieder angesetzt, planmäßig wieder nach Ausschluss der Öffentlichkeit.

Das Problem mit den FFH-Flächen

 Doch die kursierenden Gerüchte veranlassten Seidl dazu, seinen Antrag, die Erweiterung zu hinterfragen, in den öffentlichen Teil der Sitzung vorzuziehen. Die Verwaltung hatte mittlerweile herausgefunden, dass ein Artikel in einem Magazin des Bund Naturschutz für die Aufregung gesorgt hatte. Dort ist von einer Rennstrecke und der Zerstörung der FFH-Flächen die Reden. Die öffentliche Behandlung des Themas hatte die von Seidl befürchtete Folge: Unverständnis bei BMW. 

Zwar waren die Mitglieder der Planungsgruppe zur Fursty-Zukunft über Seidls Vorstoß kontra BMW informiert: also Landrat Thomas Karmasin, Emmerings Bürgermeister Michael Schanderl und Brucks OB Erich Raff. Olchings Rathauschef Andreas Magg war noch nicht zu erreichen. Aber zu Maisachs BMW-Ansprechpartner nahm Seidl erst am Donnerstagmorgen Kontakt auf. Der Maisacher Bürgermeister betont, dass der städtebauliche Vertrag zwischen Maisach, Bruck und BMW aber weiterhin Gültigkeit habe und dienlich sei: Er regele die baulichen Möglichkeiten und Lärmkontingente nach dem Abzug des Militärs. Bruck kann seine Wohnbauplanungen vorantreiben, BMW muss den Lärm auf der Driving-Academy in Grenzen halten.

Kommentar

Die Zusammenarbeit zwischen BMW und der Gemeinde Maisach war noch nie eine wirkliche Partnerschaft. Eher eine Zweckgemeinschaft. Maisach brauchte damals dringend ein tragfähiges Nachnutzungskonzept für den Fliegerhorst, um die zivile Luftfahrt dort zu verhindern. Und BMW konnte eine Nutzung anbieten. Für den Konzern war und ist die Driving-Academy eine praktische Sache: Platz ist genug auf dem früheren Militärgelände, die Flächen waren schon versiegelt, die Gernlindener und Maisacher den Lärm bereits gewohnt – statt mit Flugzeuggeräuschen müssen sie jetzt mit quietschenden Reifen leben. 

Einige Zeit hat die Zweckgemeinschaft gut funktioniert. Doch dann entstanden neue Wünsche. BMW will die Anlage vergrößern. Und die Gemeinde Maisach will davon profitieren. Jahrelang hatte man gehofft, dass die Autobauer vor Ort investieren. Oder dass durch BMW andere große Firmen angelockt werden. Aber das ist nicht der Fall. Zuletzt hatten Konzernverantwortliche sehr deutlich gesagt, dass eine Forschungs- oder Produktionsstätte neben dem Kundentraining nicht in Frage kommt. Jetzt tritt Maisachs Bürgermeister auf die Bremse. Das ist die richtige Entscheidung. Denn Nachteile hätte die Erweiterung der Driving-Academy viele, Vorteile keine. (Helga Zagermann)

Auch interessant: „Ein Schritt in die Zukunft“: Maisachs Südumgehung ist eröffnet

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