Der Klimaschutz ist in aller Munde.
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Der Klimaschutz ist in aller Munde.

Maisach

Baustellen gibt es viele: Ihr Job ist der Klimaschutz

  • Helga Zagermann
    vonHelga Zagermann
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Im Maisacher Rathaus gibt es neuerdings eine Klimaschutzbeauftragte: Constanze Neumann (30) will nun Bürger, Firmenchefs und den Gemeinderat von ihren Ideen überzeugen.

Maisach – In Vollzeit kümmert sich Constanze Neumann um Klimaschutz mit allem, was dazugehört: flächensparendes Bauen, Erhalt von Grünflächen, Ausbau erneuerbarer Energien, nachhaltige Landwirtschaft. Die 30-Jährige, die aus Eichenau stammt, seit dem Studium in München lebt und morgens mit der S-Bahn nach Maisach fährt, findet es „bemerkenswert und schön“, dass sich eine im landesweiten Vergleich eher kleine Gemeinde wie Maisach eine eigene Klimaschutzbeauftragte leistet. Zugleich sei das vorausschauend, sagt sie: „Es gibt in diesem Feld so viele Themen, die angegangen werden müssen und sich gegenseitig beeinflussen.“ Dieses Angehen, dafür sei nun sie da.

Verbündete suchen

Trotz ihrer umfangreichen theoretischen Kenntnisse – Studium des Bioingenieurwesens und anschließend Vertiefung der Fächer Umweltplanung und Ingenieurökologie – will sie ihre Aufgaben ganz praktisch angehen. Dazu gehört erst einmal Öffentlichkeitsarbeit, also mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Sie nennt das „sich Verbündete suchen“. Sicher seien nicht alle dem Klimaschutz dienlichen Maßnahmen populär. Wer lässt sich schon gerne sagen, dass er auf seinem Grundstück keinen Baum fällen darf und keinen Steingarten anlegen soll? Constanze Neumann ist sich der Interessenskonflikte bewusst. Sie glaubt aber trotzdem, dass man eine Lösung zu finden ist, mit der beide Seiten leben können.

Constanze Neumann Klimaschutzbeauftragte

„Es gibt oft Vorbehalte gegen den Klimaschutz“, sagt sie. Man müsse eben Anreize schaffen. Zum Beispiel, indem man Fördermöglichkeiten aufzeigt. So sind in Maisach Thermographie-Rundgänge geplant, bei denen Hausbesitzern dargestellt wird, wie viel Energie ihr Gebäude verliert. Constanze Neumann will dabei über Zuschüsse zu Sanierungen informieren: „Im ersten Schritt sind für den Klimaschutz oft Investitionen nötig. Aber im weiteren Verlauf spart man sich dann Kosten.“

Mit der Wirtschaft ins Gespräch kommen

Die 30-Jährige will zudem mit der Wirtschaft ins Gespräch kommen. Auch das Gewerbe kann flächensparend bauen, vielleicht sogar mit Recyclingbaustoffen, mehr Grün einplanen und Ressourcen wie Wasser schonen. „Ressourcenschutz ist Klimaschutz“ – das war schließlich schon das Thema ihrer Hochschulabschlussarbeit. Und die führte sie schließlich nach Zwischenstationen in Forschungsprojekten und einem Umweltplanungsbüro ins Maisacher Rathaus. Mit Vertretern aus der Wirtschaft und aus der Landwirtschaft soll jeweils ein Arbeitskreis gegründet werden, um weitere Schritte zu besprechen. Zudem denkt die Diplom-Ingenieurin an eine Klimaschutz-Allianz mit Nachbarkommunen.

Auch bei der Verkehrswende sieht sie sich als Vernetzerin und Vermittlerin. Ihr erstes großes Projekt waren die geplanten Fahrrad-Ausleihstationen. Gerade kümmert sie sich zudem um E-Ladesäulen.

Wenn sie nicht arbeitet, ist die 30-Jährige draußen, beim Wandern oder Segeln. Privat besucht sie gerne Veranstaltungen des Münchner Vereins Greencity, zum Beispiel das Streetlife-Festival auf autofreien Straßen. So ist die Idee entstanden, in Maisach ein Energiespar-Festival auf die Beine zu stellen. 2022, so die Hoffnung von Constanze Neumann, sollen dann viele Interessierte bei diesem Fest zusammenkommen, sich über den Klimaschutz informieren und feiern – am besten auch schon erste Erfolge.

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