Ein wahr gewordener Kindheitstraum: Uwe Furthman inmitten seiner großen Carrera-Rennbahn. Die Strecke ist 57 Meter lang.
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Ein wahr gewordener Kindheitstraum: Uwe Furthman inmitten seiner großen Carrera-Rennbahn. Die Strecke ist 57 Meter lang.

Im Stil der 1960er Jahre

Maisacher erfüllt sich Kindheitstraum: Eine Carrera-Rennbahn der Superlative

In einem umgebauten Ochsenstall hat ein Maisacher sich einen Kindheitstraum erfüllt: eine riesige Carrera-Rennbahn. Auf der 57 Meter langen Strecke finden auch Rennen statt.

Maisach – Schon als Kind spielte Uwe Furthmann (58) gerne mit seiner Mini-Rennbahn von Carrera. Doch als er größer wurde, wurden andere Dinge wichtiger, die Bahn und die Autos gerieten in Vergessenheit. Doch vor rund 20 Jahren wurde die alte Leidenschaft neu entfacht – und zwar so richtig. Im Keller seines Hauses baute er seine erste große Carrera-Bahn auf. Damals allerdings noch ohne Szenerie, sprich ohne Gebäude, Menschen und anderen Details. Zudem begann Furthmann, bei Carrera-Rennen an den Start zu gehen.

Nach einem Umzug musste die Bahn aber wieder im Schrank verschwinden. Der Platz fehlte. Doch Furthmann gab nicht auf. Er suchte nach einer Möglichkeit, seine Bahn wieder aufbauen zu können. Vor gut drei Jahren wurde er schließlich fündig. Er mietete einen alten Ochsenstall in Maisach und baute diesen zur vermutlich längsten Carrera-Bahn der Gemeinde um.

Mit seiner Bahn lässt Furthmann die Autos und Strecken der 1960er-Jahre wieder aufleben.

Die 57 Meter lange Strecke im Carrera-Rennstall Maisach führt durch eine maßstabsgetreue Szenerie im Stile einer Rennbahn der 1960er-Jahre. Dabei handelt es sich teilweise um originale Stücke aus dieser Zeit, teilweise um detailgetreue Nachbauten oder dreidimensionale Drucke und teilweise um selbst gebaute Einzelstücke.

Unterstützt wird Furthmann von Freund und Modellbauhändler Michael Gruber. Auch viele technische Probleme mussten für den Bau der Bahn gelöst werden, denn die originalen Teile des Systems Carrera Universal sind nicht für eine Rennstrecke dieser Länge konzipiert. Es gibt zu viele Leistungsverluste in den Stromleitungen der Bauteile. Daher verwendet Furthmann Labornetzteile anstatt der ursprünglichen Transformatoren sowie versteckte zusätzliche Kabel, um strategisch auch die entfernteren Teile der Bahn mit Strom zu versorgen. „Man darf gar nicht rechnen, wie viel das insgesamt gekostet hat“, meint Furthmann.

Denn auch die alten Bahnen sind nicht günstig. Eine einzige große Kurve kostet mehr als 200 Euro, so der 58-Jährige. Schließlich seien es Sammlerstücke. Beim Aufbau der Anlage verwertet Furthmann alte Materialien. Das Resultat wirkt ein bisschen wie eine Modelleisenbahn mit Rennautos statt Zügen. Manche Abschnitte der Strecke sind realen Rennbahnen nachgebildet. Besonders stolz ist Furthmann über seinen Nachbau der berühmten „Corkscrew“, der Laguna Seca Rennstrecke in Kalifornien.

Sofern es in Corona-Zeiten zulässig ist, finden im Carrera-Rennstall Maisach regelmäßig Rennen in zwei Klassen statt. In der einen werden restaurierte Originalwagen aus den 1960er- und 1970er-Jahren gefahren, in der anderen werden neuere Carrera-Fahrzeuge für die alte Strecke umgebaut und auf Leistung getunt. „Es geht da um Hundertstelsekunden“, erklärt Furthmann.

Viel Liebe zum Detail: Bei seiner Anlage achtet Furthmann auf jede Kleinigkeit.

Und so werden, natürlich einem strikten Regelwerk folgend, Gewichte eingebaut, Motoren und Schleifer ausgetauscht und viele weitere Modifikationen an den kleinen Wagen vorgenommen. Der Streckenrekord mit den aufgerüsteten Wagen liegt bei 19.3 Sekunden. Die kleinen Modellautos rasen dabei mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ungefähr zehn Kilometer pro Stunde über die Strecke. Bei diesen Rennen sind nicht nur Nostalgiker dabei, die bereits in ihrer Kindheit Carrera-Bahnen besaßen. Auch jüngere Fahrer gibt es. Der jüngste ist 20 Jahre.

Seinen Rennstall will Furthmann künftig auch an Kleingruppen oder Firmen vermieten, allerdings nur mit seiner fachgerechten Unterstützung vor Ort. Außerdem möchte der Werbeberater dort auch Volkshochschulkurse zum Bau und Instandsetzung von Bahnen und Carrera-Autos geben. Und als großen Traum hat er ein 24-Stunden-Rennen von Maisach im Auge. Doch das liegt noch in weiter Ferne. Sven Behrens

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