Mit einem Spezial-Raupenfahrzeug werden Bäume und Sträucher abtransportiert. Roderich Zauscher vom BN, Projektmanager Andreas Fuchs und Heinz Gibowsky vom BN (v.l.) sind verantwortlich für die Arbeiten.
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Mit einem Spezial-Raupenfahrzeug werden Bäume und Sträucher abtransportiert. Roderich Zauscher vom BN, Projektmanager Andreas Fuchs und Heinz Gibowsky vom BN (v.l.) sind verantwortlich für die Arbeiten.

Maisach/Bergkirchen

„Wir sind entsetzt“: Kritik an Artenschutz durch Kahlschlag

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Im Fußbergmoos fallen die Bäume. Arbeiter roden derzeit eine rund 1,5 Hektar große Fläche in dem Landschaftsschutzgebiet. So sollen artenreiche Wiesen für seltene Tiere und Pflanzen entstehen. Lebensräume zerstören, um neue zu schaffen – das gefällt nicht jedem.

Maisach/Bergkirchen – Diesen Spaziergang durchs Fußbergmoos wird Paul Schmid so schnell nicht vergessen. Wo sich sonst nicht nur sprichwörtlich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, walzen sich Kettenfahrzeuge durchs Gelände. Motorsägen zerfetzen die Stille. Mitten im Naturschutzgebiet wird mit schwerem Gerät gerodet. „Wir sind entsetzt“, sagt Schmid.

Naturfrevler sind an diesem Freitagnachmittag allerdings nicht am Werk. Ganz im Gegenteil. Die Arbeiter kämpfen sich im Auftrag des Bund Naturschutz (BN) durchs Gestrüpp – mit einem klaren Auftrag: Bäume und Büsche müssen raus. An ihre Stelle soll eine artenreiche Feuchtwiese treten, erklärt Projektmanager Andreas Fuchs.

Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen

Die neue Fläche soll Lebensraum für viele unterschiedliche Pflanzen und Tiere sein. Im Fokus stehen dabei zwei besonders bedrohte Schmetterlings-Arten: der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling und der Randring-Perlmuttfalter. Beide kommen noch im Fußbergmoos vor. Durch die neuen Flächen soll ihr Bestand ausgebaut und gesichert werden.

Die Kritik von Paul Schmid und anderen Spaziergängern kann Andreas Fuchs nachvollziehen. Als Laie sehe man nur, dass gerodet wird. Von dem Lebensraum, der durch die Arbeiten zerstört werde, gebe es aber noch relativ viel. Von jenem, der entstehen soll, so gut wie nichts mehr.

Die Alternative zu Kettensäge und Raupenfahrzeug wäre das Wasser – sprich die erneute Vernässung des Areals. Dabei wären aber auch die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen betroffen. Und davon dürften die Bauern alles andere als begeistert sein.

Roderich Zauscher, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Dachau, die für das Palsweiser- und Fußbergmoos zuständig ist, ist guter Dinge, dass sich schon bald viele Arten auf den neuen Flächen tummeln werden. „Wegen der Standortverhältnisse auf den Flächen sind wir zuversichtlich, dass sich dort weitere Hotspots der Artenvielfalt entwickeln können“, erklärt der BN-Chef aus dem Nachbarlandkreis.

Vorgehen verteidigt

Auch Zauschers Kollegin, die Fürstenfeldbrucker Bund Naturschutz-Vorsitzende Eugenie Scherb, verteidigt das Vorgehen. „Wenn wir alles der Natur überlassen könnten, wäre es auch uns lieber. Im entwässerten Moor sind extensiv genutzte Feuchtwiesen aber weiterhin rar.“ Die nicht intensiv genutzten Streifen zwischen teilweise sehr stark bewirtschafteten Wiesen würden absehbar wertvolle Rückzugsorte für Tiere und geschützte Pflanzen bilden.

Paul Schmid bleibt trotzdem skeptisch. Bäume und Büsche würden schließlich CO2 aufnehmen und Feinstaub filtern. Zudem seien sie auch Lebensraum für Tiere, meint der Maisacher. Im Fußbergmoos gebe es unter anderem Rehe, Fasane, Füchse, Marder oder Wildschweine. Auch diese Arten bräuchten Platz zum Leben.

Bis sich die gerodeten Flächen zu dem entwickeln, was die Naturschützer sich erhoffen, wird noch einige Zeit vergehen. Bis zu fünf Jahre könne es dauern, meint Projektmanager Andreas Fuchs. Naturschutz geht eben nicht von heute auf morgen.

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