Das Haus mit der charakteristischen Skulptur davor kennt in Gernlinden fast jeder: Das Druckereigebäude an der Buschingstraße könnte der Erweiterung des Schulstandorts dienen.	Foto: Peter Weber
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Das Haus mit der charakteristischen Skulptur davor kennt in Gernlinden fast jeder: Das Druckereigebäude an der Buschingstraße könnte der Erweiterung des Schulstandorts dienen.

Maisach

Gernlindens Schulstandort könnte wachsen

  • Eva Strauß
    vonEva Strauß
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  • Helga Zagermann
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Die Gemeinde Maisach will den Schulstandort Gernlinden stärken. Deshalb soll das Druckereigebäude an der Buschingstraße zuerst gemietet, später das Areal komplett gekauft werden. Hier könnte die Mittagsbetreuung Platz finden, vielleicht sogar eine offene Ganztagsschule.

Gernlinden – Das 1070 Quadratmeter große Grundstück nahe der Grundschule ist seit Ende der 1960er-Jahre im Besitz der Familie Bertsch. „Mein Vater hat damals die Druckerei gebaut“, erzählt Stephan Bertsch (48). Anfang der 1970er-Jahre sei der vordere Gebäudeteil dazugekommen. Vor gut 15 Jahren habe er die Firma übernommen. Gedruckt werden vor allem Glückwunschkarten.

Mittlerweile findet die Hauptproduktion aber in Thüringen statt. „Hier in Gernlinden drucken wir nur noch in einem kleinen Saal“, so Bertsch. Den Rest des Gebäudes nutzte eine Eisenbahn-Modellbau-Firma – bis August diesen Jahres. Die frei gewordenen Räume bot Bertsch der Gemeinde an.

Das hatte der Unternehmer schon einmal vor sieben Jahren getan, als er einen Mieter gesucht hatte. Doch damals sei die Gemeinde nicht interessiert gewesen, berichtet der 48-Jährige.

Bürgermeister Hans Seidl (CSU) sagt dazu, vor sieben Jahren sei einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt gewesen. Ein Vertrag damals hätte eine noch längere Mietdauer bis zum endgültigen Kauf von Gebäude und Grundstück beinhaltet. Jetzt dagegen könnte man eine Nutzfläche von vorerst rund 500 Quadratmetern im Gebäude mieten, bis das Areal spätestens 2028 ganz in den Händen der Gemeinde wäre. Denn, so Bertsch, bis längstens zum Jahr 2028 soll die Druckerei noch in dem Saal weiterlaufen.

Feilen an einer Kooperation

„Wir haben jetzt eine einmalige Chance“, sagt der Rathauschef. „Das hat der Gemeinderat auch so gesehen. Daher führen wir intensive Gespräche mit dem Besitzer.“ Ein Vertrag sei noch nicht unterschrieben. Vielleicht aber könne das schon im Januar über die Bühne gehen.

Fixiert ist auch deshalb noch nichts, weil die Gemeinde erst klären muss, was genau in der Druckerei untergebracht werden soll – um dann für den Nutzungszweck einen Förderantrag an den Staat stellen zu können. Derzeit laufen die Gespräche mit der Schulleitung und mit der Nachbarschaftshilfe, die die Mittagsbetreuung organisiert. Das Angebot ist im Moment in einem Bau auf dem Pausenhof untergebracht, davor war es in Containern.

„Die Situation mit den Containern war nicht gerade prickelnd für die Kinder“, sagt Bertsch. Ihm sei daran gelegen gewesen, dass das Areal irgendwann von der Schule genutzt wird. „Ich habe mir schon immer gewünscht, dass da etwas für die Kinder entsteht. Es bietet sich ja von der Lage, schräg gegenüber der Schule, absolut an.“

Seidl stimmt zu. Daher wolle man die Idee in die Tat umsetzen. Denn wenn Bertsch jetzt einen neuen Mieter finde, weil die Gemeinde das Projekt nicht angehe, dann sei die Erweiterung des Schulstandorts nicht mehr möglich. Wenn man dagegen zugreife, stärke man den Standort für Jahrzehnte.

Umbau für geschätzt 1,5 Millionen Euro

Das will sich die Gemeinde einiges kosten lassen. Im Haushalt für das kommende Jahr sind 1,5 Millionen Euro für einen Umbau eingeplant. Man brauche neue Fenster, sagt Seidl. Innen habe das Haus den Vorteil, dass der Raum freitragend ist. Das heißt, die Aufteilung kann komplett variabel erfolgen. Frühestens Anfang 2022 könnte das Haus bezogen werden, so Seidl.

Durch das Projekt könne sich die Gemeinde langfristig einiges sparen, sagt der Bürgermeister. Man werde zum Beispiel beim geplanten Kinderhaus an der Brucker Straße nur noch Kindergarten- und Krippengruppen umsetzen, Mittagsbetreuung wäre dort dann nicht mehr nötig. Und die an der Brucker Straße angedachten Räume für Hortgruppen bleiben zwar im Plan, sollen aber erst später bei Bedarf angebaut werden. Denn durch das größere Platzangebot direkt an der Schule könnte dort mehr Nachmittagsbetreuung stattfinden. Und der Start einer offenen Ganztagsschule – die ist gebührenfrei – könnte dafür sorgen, dass die Nachfrage nach Plätzen in Hort und Mittagsbetreuung konstant bleibt, statt immer weiter zu wachsen.

Seidl betont aber, dass der Hort der Arbeiterwohlfahrt am Pausenhof in keiner Weise durch das Projekt in der Druckerei gefährdet sei. Der Hort sei eine wichtige Säule in Gernlinden und solle so bestehen bleiben.

Lampe ist ein Kaktus

Und noch eines wird voraussichtlich erst mal so bleiben, auch wenn die Druckerei aus den Räumen an der Buschingstraße ausgezogen ist: die charakteristische schwarze Lampe davor. In Gernlinden kennt sie fast jeder, doch kaum einer weiß, was sie darstellen soll.

„Es ist ein Kaktus“, klärt Stephan Bertsch auf. „Die Skulptur hat mein Vater aus Italien importiert. Und die Glaskuppel, die oben drauf ist, stammt aus Murano, der berühmten Glasbläser-Insel von Venedig.“

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