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Greifvögel, wie dieser Mäusebussard haben eine Vorliebe für das geschützte Gebiet des ehemaligen Fliegerhorstes. Doch auch Feldlerchen leben dort. 

Maisach

Greifvogel contra Feldlerche: Vogelschutz in der Zwickmühle

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Brauchen Greifvögel eine technische Starthilfe, um sicher über die neue Maisacher Südumfahrung fliegen zu können? Einige Naturschützer fordern das. Andere sagen kategorisch nein – zumindest bis jetzt.

Maisach – Sogenannte Ansitz-Stangen für Greifvögel sind gar nicht so ungewöhnlich. Die Konstruktionen aus einer langen senkrechten Stange, auf der oben ein kurzes Querholz montiert ist, stehen an verschiedenen Straßen, aber auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Greifvögel können darauf landen und haben dank der großen Höhe der Stangen eine bessere Abflugmöglichkeit.

Nahrung besser sehen

Vor allem aber bieten die Ansitze den Greifvögeln eine bessere Sicht auf ihre Nahrung: auf Mäuse. Aus der Perspektive der Landwirte sind solche Stangen deshalb hilfreich, weil sie die Greifvögel bei der Jagd auf die schädlichen Nagetiere unterstützen. An der Maisacher Südumfahrung werden die Stangen auch deshalb gefordert, weil es immer wieder vorkommt, dass Vögel beim Starten die Straße in nicht ausreichender Höhe queren und dann mit Autos oder Lkw kollidieren.

Feldlerche in Gefahr

Das komme tatsächlich vor, bestätigt Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) auf Nachfrage. Allerdings nicht im Übermaß und nicht häufiger als an anderen Straßen. Weil das Gebiet ganz besonders strengem Naturschutz unterliegt, gelten dort auch ganz besondere Regeln, erklärt Seidl. Denn die Ansitzstangen würden den Greifvögeln auch helfen, Jagd auf die höchst geschützten Bodenbrüter zu machen. Etwa auf die Feldlerche, die sich auf dem früheren Fliegerhorstgelände wie zuhause fühlt. Deshalb dürften die Zäune an der Straße auch nur eine bestimmte Höhe haben, erklärt Seidl.

Verbot vom Amt

Der Bürgermeister weiß: „Wir können hier keine Ansitzstangen anbringen. Denn das würde uns die Obere Naturschutzbehörde sofort verbieten.“ Es bestünde sogar die Gefahr, dass das Amt Ansitzstangen wieder entfernen ließe, falls welche aufgestellt würden.“ Grundsätzlich befinde man sich mit dem FFH-Gebiet in einem permanenten Abwägeprozess. „Wir beobachten das ständig und nicht nur wir“, so Seidl.

Kompromisslösung

Inzwischen hat sich auch der Gröbenzeller Vogelexperte Gerhard Wendl Gedanken über das Thema gemacht. Er berichtet, er habe neulich beim Vorbeifahren aus Zufall auf einem Schlag 15 Bussarde auf dem Gelände gezählt. Wendl schlägt nun eine Kompromisslösung vor: Man müsste die Ansitzstangen mobil errichten, sodass man sie jahreszeitlich abhängig aufstellen und wieder abbauen kann.

Idee wird geprüft

So könne man dem Schutz der Bodenbrüter gerecht werden und den Bussarden und Turmfalken trotzdem helfen, sagt Wendl. Denn die Greifvögel halten sich eigentlich nur im Winterhalbjahr auf dem früheren Fliegerhorstgelände auf – und die Lerchen verlassen das Gelände Ende Oktober. Bürgermeister Hans Seidl kennt diese Idee und hat sie zur Prüfung weitergegeben. Wenn die Obere Naturschutzbehörde ihr Okay gebe, dann „machen wir das auch“. Aber nur dann.

Autos und Motorräder im FFH-Gebiet

Stress für die geschützten Bodenbrüter entsteht nicht nur durch Greifvögel, sondern auch durch Menschen. Immer wieder werde beobachtet, wie Leute mit ihren Autos von der Südumfahrung kommend ins FFH-Gebiet abbiegen und nach ein paar hundert Meter ihren Wagen abstellen, um spazieren zu gehen. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass Motorcross-Fahrer ihre Maschinen durchs FFH-Gebiet jagen. Logisch: Das jahrelang überhaupt nicht zugängliche frühere Militärgelände übt eine Anziehung aus – trotzdem halten es Naturschützer natürlich gelinde gesagt für kontraproduktiv, wenn Autos und Motorräder da draußen herum kurven. 

Auch frei laufende Hunde sind ein Problem. Man habe den Zaun schon etwas verlängert, um Autos abzuhalten, sagt Bürgermeister Hans Seidl. Man denke auch darüber nach, eben keine Verbots- sondern positive Schilder aufzustellen, mit Erklärungen dazu, wie wertvoll das Naturschutzgebiet ist. Insgesamt freut sich Seidl darüber, wie sehr Spaziergänger und Naturfreunde alles, was am Gelände passiert, wahrnehmen. „Klar, wir haben uns mit der Straße in den Naturbereich hineinbewegt.“ Damit müsse man sensibel umgehen – eben der berühmte permanente Abwägeprozess.

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