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„Das ist eine Sensation“: Seltener Vogel bekommt Junge auf früherem Fursty-Areal

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Von: Thomas Steinhardt, Tobias Gehre

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Der Große Brachvogel ist extrem selten geworden. Jetzt haben sich einige Brutpaare auf dem Gelände des Fliegerhorstes niedergelassen und dort auch Junge großgezogen.
Der Große Brachvogel ist extrem selten geworden. Jetzt haben sich einige Brutpaare auf dem früheren Gelände des Fliegerhorstes niedergelassen und dort auch Junge großgezogen. © symbolfoto: dpa

Für Vogelfreunde ist es eine Sensation: Auf dem Gelände des früheren Fliegerhorstes haben heuer mehrere Brachvogel-Brutpaare Nachwuchs groß gezogen. Die Freude über die Rückkehr ist allerdings getrübt. Auf dem Areal weit außerhalb des Ortes will die Gemeinde Maisach ein neues Sportzentrum hochziehen.

Maisach – Mehr als 20 Jahre lang waren die Tiere mit den charakteristischen langen Beinen und dem gebogenen Schnabel aus dem Landkreis verschwunden. Jetzt ist der Große Brachvogel wieder da. Bei Simon Weigl vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) war die Freude über die Rückkehr bereits im Frühling riesig. Jetzt kennt sie keine Grenzen mehr. Denn die seltenen Tiere sind offenbar gekommen, um zu bleiben. Drei Brutpaare machten der Vogel-Experte und seine Mitstreiter auf dem Areal des früheren Fliegerhorstes aus. Jetzt sei klar: Alle haben Junge bekommen und konnten sie groß ziehen. „Das ist eine Sensation“, sagt Weigl.

Wiesenbrüter

Noch bis weit ins 20. Jahrhundert war der Große Brachvogel recht verbreitet. Als so genannter Wiesenbrüter braucht er große, zusammen-hängende, feuchte Grünlandgebiete mit offenem Charakter und nicht allzu dichter Vegetation. Doch diese Landschaften sind in Deutschland rar geworden. „Rund 98 Prozent der Flächen sind mittlerweile verschwunden“, so Weigl. Um so wertvoller seien die etwa 200 Hektar auf dem Areal des Fliegerhorsts.

Doch in die Freude über die Rückkehr mischen sich auch Sorgen um das Gebiet, das sich die Brachvögel auserkoren haben. Dort oder zumindest in der Nähe soll nach dem Willen der Gemeinde Maisach das neue Sportgelände des Sportclubs entstehen. Dafür sollen auf dessen jetzigem Gelände Wohnungen gebaut werden.

Die offizielle Kartierung

Im Moment ist der Brachvogel aber nur in der Nähe des geplanten Sportgeländes offiziell kartiert – und zwar östlich davon im FFH-Gebiet – und eben nicht im Planungsareal selbst. Weitere Kartierungen werden folgen. Natürlich werde alles mit den Naturschutzbehörden sauber abgearbeitet, sagt Bürgermeister Hans Seidl. Der Brachvogel müsste außerdem zwei oder drei Jahre lang nachgewiesen werden, wenn der Fund Folgen zeigen solle.

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Auch der Wert von Flächen für den Sport, für Kinder und Bildung muss gesellschaftlich bewertet werden.

Bürgermeister Hans Seidl

Seidl findet: Auch der Wert von Flächen für den Sport, für Kinder und Bildung müssten gesellschaftlich bewertet werden. Seidl erinnert daran, dass Maisach große Summen für die Kartierungen aufwende, in denen der Naturschutz auf dem gesamten früheren Flugplatz-Gelände bis zur BMW-Ansiedlung untersucht wird.

Das FFH-Gebiet auf dem früheren Flugplatz-Gelände habe Bayern als einziges als Erfolg nach Brüssel melden können. Dies dank der Arbeit an der Fläche. Auch der Bau der Südumfahrung habe die Populationen nicht beeinträchtigt, im Gegenteil.

Entwicklung des Ortes

Maisach habe sich in der Vergangenheit wegen der Bundeswehr eher nach Norden entwickelt, sagt Seidl außerdem. Ein Wohngebiet auf dem jetzigen Sportgelände dagegen sei bahnhofnah und damit sinnvoll. Die Traberplanung hätte im Übrigen viel mehr Baurecht mit sich gebracht als ein Sportgelände samt eventuell einer Schule.

Eine große Mehrheit des Maisacher Gemeinderats sieht das genauso – die Planung ist auf dem Weg. Ebenso wie weitere Untersuchungen zum Brachvogel.

Kommentar

Der Juchtenkäfer, die Gelbbauchunke, der Rotmilan und der Brachvogel haben eines gemeinsam: Die Freude über ihre Existenz an einem bestimmten Ort ist bei manchen genau dann besonders groß, wenn sich damit eine Planung verhindern lässt. Dabei ist die Maisacher Idee insgesamt durchaus stimmig, zumal vor vielen Jahren alle für die Ansiedlung der Traber waren, um damit die Zivilflieger vom Hof zu bekommen. Aus dem Trabergelände nun eine Sportstätte zu machen, ist ein nachvollziehbar Gedanke. Insgesamt darf man in der Bewertung auch nicht vergessen, was auf dem alten Flugplatzgelände zwischen Maisach und Bruck naturschützerisch geleistet wurde und geleistet wird. Auf dem riesigen Flora-Fauna-Habitat-Gebiet ist der Brachvogel sicher hoch willkommen. (st)

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