Maisach

Acht Stück waren für den Pflegedienst bestimmt: Masken-Näherin kämpft gegen dreiste Diebe

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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In der Corona-Krise zeigen viele Menschen große Hilfsbereitschaft. Es gibt aber auch andere, die sich vollkommen unsolidarisch zeigen. In Maisach werden immer wieder Mundschutzmasken gestohlen, die für diejenigen bestimmt sind, die sie wirklich brauchen. Jetzt sollen neue Maßnahmen die dreisten Diebe ausbremsen.

Maisach – Wieder sind acht Mundschutzmasken fertig. Sie sind einem Pflegedienst versprochen, der bei der Maisacherin Nicole Kölnsperger angefragt hat. Die 32-Jährige packt die Masken in eine Tüte, legt sie vor ihre Haustür und sagt dem Abholer Bescheid. Doch als dieser eintrifft, sind die Masken verschwunden. Bereits drei Mal ist das passiert. „Sogar eine zu Anschauungszwecken mit doppelseitigem Klebeband vor die Tür geklebte Maske haben sie schon abgefummelt“, beklagt Kölnsperger.

Große Nachfrage

Eigentlich wollten die Maisacherin, die normalerweise ein Nähgeschäft betreibt, und ihre inzwischen 56 Helferinnen ihren Mitmenschen etwas Gutes tun. Vor allem für Pflegedienste, Altenheime und chronisch Kranke ist der in Handarbeit hergestellte Mundschutz gedacht. Über 2200 Masken sind so schon entstanden. „Wahrscheinlich sind es sogar schon weit über 3000“, sagt Kölnsperger. Sie bekommt nicht mehr alles mit, denn „viele Näherinnen geben die Masken gleich direkt an Bedürftige vor Ort ab.“ Die Resonanz auf ihre Arbeit sei größtenteils positiv, so die 32-Jährige. Doch die negativen Erfahrungen nehmen immer mehr zu. Beispielsweise hat Kölnsperger eine Box mit Gratis-Masken vor die heimische Haustür gestellt. „Doch in Nullkommanix war die Kiste leergeräumt. Daher werde ich sie jetzt nicht mehr befüllen.“

Wüste Beschimpfung

Manche versuchen sogar, die Maisacherin zu bestechen. „Leute bieten uns viel Geld oder versuchen mit Tricks und Lügen an die Masken ranzukommen.“ Ein älterer Herr hätte sie sogar beschimpft, warum nicht genug Masken da wären, wenn sie ihre Aktion schon in der Zeitung ankündige, ärgert sich Kölnsperger. „Ich bin geschockt über die Dreistigkeit der Menschen.“

Diebe austricksen

Um ihre Familie vor Anfeindungen zu schützen und Dieben ein Schnippchen in Zeiten von Corona zu schlagen, hat sich die 32-Jährige jetzt überlegt, die bestellten Masken über ein Fenster an ihrem Laden „Rotblonder Faden“ zu bestimmten Uhrzeiten zu verteilen. Wann das sein wird, legt Kölnsperger von Tag zu Tag neu fest, so dass es sich nicht rumspricht und sie dann die Störenfriede vor ihrem Laden hat. „Die Bedürftigen bekommen per E-Mail die Info, wann sie ihre Masken abholen können“, erklärt die Maisacherin.

Weniger Produktion

Nicht nur wegen der unerfreulichen Erlebnisse werden Kölnsperger und ihre Helferinnen ihre Produktion ein wenig herunterfahren. „Wir arbeiten alle von morgens bis abends und haben kaum noch Zeit, uns um unsere Familien zu kümmern“, sagt die 32-Jährige. Vor allem zur Osterzeit will sie wieder mehr für ihre Kinder da sein.

Für alle, die beim Rotblonden Faden leer ausgegangen sind, hat Kölnsperger einen Tipp: Im Internet gibt es Beispiele, wie man selbst einen Mundschutz herstellen kann. Außerdem müssten ihre Masken nicht nach einmaligem Tragen weggeworfen werden. Man könne sie durchaus bei 60 Grad waschen. „Das halten sie zwar nicht ewig aus, aber doch ein paar Mal“, sagt Kölnsperger.

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