Der alte Flugplatz bei Maisach. (Archivfoto)
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Der alte Flugplatz bei Maisach. (Archivfoto)

Einfach Grundstücke tauschen?

Mega-Projekt auf Trabergelände

  • Helga Zagermann
    vonHelga Zagermann
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Die Traber kommen nicht nach Maisach, das ist längst klar. Doch auf der geplanten Rennbahn könnte mit einem Grundstückstausch ein anderes Mega-Projekt entstehen.

Maisach – Der Gemeinderat will das Gelände des SC Maisach dorthin verlegen und daneben ein neues Freibad bauen. Auf dem bisherigen Vereinsareal wäre dann Platz für Wohnbau. Nach der Südumfahrung soll auf dem alten Flugplatz ein zweites Großprojekt entstehen. Zumindest wenn es nach dem Wunsch des Gemeinderats geht, der Bürgermeister Hans Seidl (CSU) einstimmig beauftragte, weitere Verhandlungen mit der Karl-Gruppe zu führen. Dem Bau- und Immobilienkonzern gehört das Gelände der geplanten, aber nun nicht mehr benötigten Trabrennbahn.

Die Idee ist, Grundstücke zu tauschen. Maisach würde die rund 2,4 Hektar große Fläche des jetzigen Sportclubgeländes an die Karl-Gruppe abgeben – dort könnte im Anschluss an die schon vorhandene Bebauung weiterer Wohnraum entstehen. Dafür bekäme die Kommune rund 8,2 Hektar auf dem Trabergelände, und der Konzern würde dort auf seine Kosten das neue und größere SC-Gelände bauen. Der Verein braucht mehr Platz, etwa 3,5 Hektar. Am jetzigen Standort ist aber keine Erweiterung möglich. Zudem gibt es seit Jahrzehnten Probleme mit Anwohnern, die über den Lärm klagen.

Durch die Verlagerung auf das Trabergelände sollen diese Probleme gelöst werden. Dort – zwischen Bahntrasse, Umfahrung und Fahrsicherheitsstrecke – können die Kicker laut sein. Mit mehr Ruhe und Platz an der Alten Brucker Straße könnte man dort Bauland ausweisen.

Bürgermeister Hans Seidl (CSU) warb dafür, den Deal mit dem „leistungsfähigen Verhandlungspartner“ einzugehen – zumal dieser bei ersten Gesprächen aufgeschlossen gewesen sei. Durch das Geschäft könnte noch ein weiteres Problem gelöst werden: Auf dem Trabergelände wäre Platz für ein neues Freibad. Dann wären dort alle Lärmquellen gebündelt. Denn auch das Freibad bereitet dem Gemeinderat am jetzigen Standort Sorgen (siehe Kasten unten).

Gottfried Obermair (FW) sah eine „große Chance“, Christa Turini-Huber (CSU) meinte: „Das müssen wir machen.“ Vize-Bürgermeister Roland Müller (CSU) bekräftigte: „Wir sollten alles versuchen, um das zu schaffen.“ Peter Aust (SPD) sagte, ein Gelände für SC und Freibad sowie mehr Bauland im Süden Maisachs nutze Bürgern „viel mehr als eine Trabrennbahn“.

Die Grünen dagegen sprachen sich gegen eine so große Flächenversiegelung aus. Barbara Helmers schlug für ihre Fraktion vor, das Freibad am jetzigen Standort zu belassen und den SC nicht – wie von der Verwaltung vorgeschlagen – im Süden des Trabergeländes, sondern im Norden, direkt im Anschluss an die Bahngleise, anzusiedeln. Doch die Grünen scheiterten mit ihrem Antrag.

Nun werden weitere Gespräche mit der Karl-Gruppe geführt. Im Rathaus wird außerdem ermittelt, welche Folgekosten auf die Gemeinde durch neues Bauland zukommen würden. So müsste zum Beispiel eine neue Kita gebaut werden, vielleicht sogar eine zweite Grundschule im Hauptort.

Das große Becken im Maisacher Freibad muss saniert werden – oder neu gebaut. (Archivfoto)

Freibad-Problematik: Sanierung teuer – Klage angedroht – Erweiterung derzeit unmöglich

Seit 2019 bereitet das Freibad der Gemeinde Maisach immer mehr Sorgen. Zwar konnte die Attraktivität durch das neue Kinderbecken gesteigert werden, aber auch die restliche Anlage und vor allem das Schwimmerbecken samt Rutsche müssten dringend saniert werden.

Das Konzept dafür liegt vor. Doch zuletzt hatte sich herausgestellt, dass die Sanierung fast 4,5 Millionen Euro kosten würde. Der Gemeinderat wäre zwar bereit, viel Geld in die Hand zu nehmen – man ist sich aber nicht sicher, ob das am jetzigen Standort geschehen soll.

Die Lage des Freibads an der Badstraße bringt zwei große Probleme mit sich. Zum einen befindet sich die Anlage im Überschwemmungsgebiet – flächenmäßig kann nicht erweitert werden. Und auch mit Blick auf die nahe Wohnbebauung (es handelt sich um ein sogenanntes Reines Wohngebiet) ist eine Vergrößerung beziehungsweise ein Ausbau zum Spaßbad ausgeschlossen. Es gibt immer wieder Beschwerden von Nachbarn wegen des Lärms, ein Anwohner droht mit Klage.

Bestandschutz ist das Zauberwort, das die Gemeinde zuletzt als Antwort auf die Beschwerden nutzte: Im jetzigen Zustand – ohne Veränderungen – ist der Freibad-Standort nicht anfechtbar. Doch wenn die Gemeinde das Bad attraktiver gestaltet, ein neues Becken baut und mehr Besucher anlockt, dann gilt der Bestandschutz nicht mehr.

So kam ein Neubau an anderem Standort ins Spiel. Und dieser Standort wäre eben das Trabergelände. Dort hätte man mehr Platz und würde niemanden stören. Der Wirt der Vereinsgaststätte des SC Maisach könnte auch gleich die Freibadgäste versorgen.

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