Besichtigen den Fliegerhorst in den 19080er-Jahren: Josef Strauß (6.v.l) und einige Kommunalpolitiker.

Maisach

Nach 42 Jahren Abschied aus der Politik

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Er war das Langzeitgedächtnis des Maisacher Gemeinderats – einer, der viele Vorgeschichten und Zusammenhänge kannte. Und er war eine konsequente Stimme der Ortsteile. Nun hat sich Josef Strauß nach 42 Jahren aus der Kommunalpolitik zurückgezogen.

Germerswang1978 wurde der damalige Vorsitzende des Ortsverbands der Jungen Union (JU) erstmals in den Gemeinderat gewählt – zu einer Zeit, als das Haushaltsvolumen der Gemeinde sechs Millionen Mark umfasste (heute sind es 50 Millionen Euro). Es war kurz nach der Gebietsreform und in den Ortsteilen Germerswang, Gernlinden, Malching, Rottbach und Überacker herrschte die Sorge, man werde in der Großgemeinde zu kurz kommen. „Aber das ist nicht der Fall gewesen“, sagt der 73-Jährige. Jeder Ort bekam einen Sport- und Vereinsreferenten, Strauß übernahm diesen Posten für Germerswang, wo er noch immer wohnt.

Maisachs Wachstum

Strauß war keiner, der ausufernd debattierte, wohl aber jemand, der – wenn es sein musste – penetrant nachhakte. Das rasante Wachstum Maisachs beobachtete er mit Sorge. „Ich war immer ein bisschen ein Bremser, wenn es um neue Wohnbebauung ging. Wir können doch nicht alles zubetonieren.“

Sepp Strauß

Konsequenterweise setzte er sich für die im letzten Jahr von Gernlinden auf Maisach ausgeweitete Baumschutzverordnung ein. Denn der Kahlschlag, den Bauträger gern auf Grundstücken anrichteten, war ihm schon lange ein Dorn im Auge. Vor seinem eigenen Haus steht eine 120-jährige Eiche, ein Prachtexemplar von Baum.

Das Interesse an Politik hatte der Landwirtschaftsmeister von zu Hause mitbekommen. Sein Vater war Zweiter Bürgermeister, Gemeinde- und Kreisrat, die Mutter Kreisbäuerin. Auch Strauß fand bereits als junger Mann, dass zum Beruf des Bauern Engagement im öffentlichen Leben dazugehört. Er war Feuerwehrmann – und blieb es 42 Jahre lang, bis zur Altersgrenze –, Burschenvorstand, Gründungsmitglied der Germerswanger Stockschützen, Pfarrgemeinderat, begeisterter Fußballer bei Rot-Weiß Überacker und mehr als ein Vierteljahrhundert Schützenmeister der Almrausch-Schützen. Man traf ihn sonntags beim Frühschoppen in Überacker und oft in der damaligen Wirtschaft seines Bruders in Rottbach, wo er als Schankkellner aushalf. So kannte er jeden und bekam alles mit.

Wertvoll für die Gemeinderatsarbeit war auch die Ortskenntnis des dreifachen Vaters und sechsfachen Großvaters. „Ich kenne die Ortsteile, die Weiler, die Einöden.“ Und jeden Meter der Maisach von der Quelle in Hohenzell bis zur Mündung in die Amper nahe Mitterndorf.

Auf der Maisach ist Strauß schon als Kind mit seinen Freunden in Sautrögen und selbstgebauten Booten herumgeschippert. Heutzutage trauen sich viele Kinder erstmal nicht in das bräunliche Wasser, erzählt der 73-Jährige lachend. „Dann sage ich ihnen: Das Moorwasser ist so prima, dass ihr acht Tage nicht baden müsst’s.“ Beim jährlichen Sautrogrennen des Schützenvereins arbeitet Strauß noch immer mit. Hauptorganisator ist inzwischen sein Sohn, der auch den heimische Milchwirtschafts- und Ackerbaubetrieb übernommen hat.

Dass der Senior nach wie vor mit anpackt, versteht sich. Er ist seiner Familie dankbar, dass sie ihn bei seinen vielen Ehrenämtern immer unterstützt hat. Ab und zu wird er auch in Zukunft in den Gemeinderat gehen und als Zuschauer die Diskussionen verfolgen, wenn große Themen behandelt werden. Aber selber noch einmal kandidieren wollte er nicht. 42 Jahre sind selbst für Josef Strauß genug – auch wenn er sagt: „Man tät’ nicht glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist.“

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