Das Außengelände des Kindergartens St. Vitus. Damals betreute eine einzige Erzieherin Gruppen mit 50 und mehr Kindern. 
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Das Außengelände des Kindergartens St. Vitus. Damals betreute eine einzige Erzieherin Gruppen mit 50 und mehr Kindern. 

Meisaha

Neues Heft über Maisachs Geschichte: Notgroschen macht Kindergarten möglich

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Der Bau des ersten Kindergartens in Maisach war ein Kraftakt, den Gemeinde, Kirche und Bürger miteinander stemmten. Welche Diskussionen vorausgingen, wie der Kindergartenbetrieb in den Anfangsjahren ablief und wie sich die Betreuungssituation seither entwickelt hat, ist im neuen Meisaha-Heft nachzulesen.

Maisach – „Der lange Weg zum Kindergarten“ hat Ortshistorikerin Helga Rueskäfer ihren sorgfältig recherchierten Beitrag überschrieben. Und lang war der Weg tatsächlich. Bereits im Sommer 1945 gab es von Seiten der Kirche erste Vorstöße in Richtung einer Betreuungseinrichtung. Doch es dauerte über 20 Jahre, bis der neu gebaute Kindergarten St. Vitus den Betrieb aufnahm.

Der Grund für die lange Zeitspanne zwischen Anstoß und Realisierung mutet auch Jahrzehnte später nur allzu vertraut an – ein strapazierter Gemeindehaushalt und eine Vielzahl großer Aufgaben, die priorisiert werden mussten. Dazu zählten der Bau von Wasserversorgung und Kanalisation sowie Schulhauserweiterungen und Straßenbau. Doch die Gemeinde hatte im Vergleich mit den Nachbarn etwa 500 000 Mark weniger Einkommen – das entsprach fast der Hälfte des Gesamthaushalts. „Maisach war arm“, sagt Helga Rueskäfer.

Außerdem gab es bis zum Beginn der 1960er-Jahre einen Kindergarten in der Flüchtlingssiedlung in der Brucker Hasenheide, den auch Maisacher Kinder besuchten. Nach dessen Auflösung wurden die Rufe nach einer eigenen Einrichtung allerdings lauter. Im Mai 1963 beschloss der Gemeinderat, den Bau eines Kindergartens ins Auge zu fassen.

Helga Rueskäfer

Die Ortshistorikerin hat alle Sitzungsprotokolle aus jenen Jahren gelesen. Einen Satz, den sie eigentlich erwartet hatte, fand sie darin kein einziges Mal: ‘Das haben wir früher nicht gehabt, das brauchen wir auch jetzt nicht.’ Die Ratsmitglieder akzeptierten also offenbar die Notwendigkeit einer Betreuungseinrichtung – und machten sich Gedanken, wie zusätzliches Geld aufzutreiben sei. 1963 wurde ein Notgroschen eingeführt – ein geringer Aufschlag auf Eintrittspreise für öffentliche Veranstaltungen, der für den Kindergartenbau zurückgelegt wurde. In eine ähnliche Richtung zielte ein Vorschlag von Pfarrer Johann Betzl, der die Bürger aufforderte, für das Projekt einen Stundenlohn pro Woche zu spenden.

Ende März 1966 war es soweit: Die Bauarbeiten auf einem von der Kirche zur Verfügung gestellten Grundstück begannen. Im November 1967 öffnete der katholische Kindergarten St. Vitus seine Pforten – für Gruppengrößen, die heute nicht mehr vorstellbar sind.

Schon im ersten Jahr gab es über 100 Anmeldungen. Gruppen mit 50 und mehr Kindern, die von einer einzigen Erzieherin betreut wurden, waren keine Seltenheit. „Es war eine reine Verwahranstalt“, meint Helga Rueskäfer, die 1974 mit Familie nach Maisach kam. Die Nachbarn rieten ihr damals ab, den Kindergarten in Anspruch zu nehmen. Ihre drei Kinder könnten genauso gut miteinander spielen, hieß es.

Moderne Kindergartenpädagogik steckte zu jener Zeit noch in den Anfängen. Eine systematische vorschulische Erziehung wurde erst in den 1980er-Jahren eingeführt, als Walburga Raczek die Leitung übernahm.

Die heute 85-Jährige berichtet in einem Interview im Meisaha-Heft von ihren 30 Berufsjahren in St. Vitus. Sie lebt noch immer in Maisach – und wird von ihren ehemaligen Schützlingen auf der Straße noch immer freudig angesprochen.

Das Meisaha-Heft

kostet fünf Euro. Erhältlich ist es im Rathaus, in den Geschäftsstellen der Sparkasse, der Volksbanken, auf dem Wochenmarkt in Maisach am Kuchenstand Huber, im Schoko-Laden Maisach, bei Schreibwaren Auer sowie in der Apotheke in Gernlinden

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