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Die Startbahn soll durch durchschnitten und teils abgebaut werden, damit keine Rückkehr der Flieger droht.

Fursty-Nachnutzung

Maisach setzt BMW auf dem Fliegerhorst-Gelände enge Grenzen

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Der Spielraum von BMW auf dem alten Flugplatz ist endgültig dahin. Der Gemeinderat von Maisach hat einen Vier-Punkte-Plan festgelegt, der dem Konzern nicht gefallen wird.

Maisach – Wie berichtet wollte der Gemeinderat auf Antrag von Bürgermeister Hans Seidl (CSU) erreichen, dass die bisherige Nutzung der Driving-Academy zwar weiter möglich ist, aber nicht ausgedehnt werden kann. Auch die Pläne der Polizei für ihr Fahrsicherheitszentrum werden damit begrenzt.

BMW müsste den Lärm am Fliegerhorst reduzieren

Beschlossen wurde, dass die Projekte von BMW und Polizei nur auf bereits versiegelten Start-, Roll- und Abstellflächen möglich sind. Auch Umbauten dürfen nur innerhalb dieser Areale erfolgen. Möchte BMW nach August 2021 – bis dahin gilt die Betriebsgenehmigung – die Driving-Academy weiterführen, so sind „lärmreduzierende Maßnahmen umzusetzen“, heißt es. Zudem muss der Konzern „mindestens 15 Prozent der Startbahn- und Rollflächen entsiegeln und als offene Naturflächen herstellen“. Diese Entsiegelung müsse so in die frühere Startbahn eingreifen, dass deren das Gebiet „durchschneidende Wirkung in Teilen durchbrochen wird“.

Natur am alten Flugplatz 

Der Beschluss hat mehrere Gründe. Der Gemeinderat will die Natur am alten Flugplatz schützen. Zudem sollen die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommune im Süden Maisachs nicht durch Fahrstrecken eingeschränkt werden und Anwohner vor Lärm geschützt werden. Und schließlich hatte man sich von BMW weitere Investitionen gewünscht. Diese sind aber nicht geplant, der wirtschaftliche Nutzen für Maisach deshalb begrenzt.

„Bei BMW muss man vielleicht das Projekt den Gegebenheiten anpassen – und nicht andersherum“, sagte Seidl. Er wolle jetzt auf die Bremse treten, um nicht weitere Planungskosten bei BMW und Polizei auszulösen.

Barbara Helmers, für die Grünen neu im Gemeinderat, beantragte die Vertagung der Entscheidung. Sie müsse sich erst einlesen, sagte sie. Zudem wolle sie den Vier-Punkte-Plan schriftlich vorliegen haben. Seidl hatte die Punkte entwickelt und vorgelesen, den Gemeinderat aber nicht vorab darüber informiert. „Es geht um 20 Jahre Planungen, da könnten Sie drei Monate nur lesen und kämen nicht durch“, antwortete Seidl. Der Antrag auf Vertagung erhielt dann nur sechs Stimmen aus den Reihen der Grünen und der Freien Wähler. Die vier Punkte wurden einzeln abgestimmt und wurden teilweise einstimmig, teilweise gegen die Grünen angenommen.

Angst vor Rückkehr der Flieger

Dass die Nutzer des alten Flugplatzes die frühere Startbahn entsiegeln und durchschneiden sollen, hat einen ganz konkreten Hintergrund. Amtsleiter Peter Eberlein hatte in der Sitzungsvorlage zwar betont, dass die Gemeinde sich vertraglich nie zu einer Erweiterung der Fahrstrecken verpflichtet habe. Es drohe kein Schaden. Trotzdem sei ihm nicht ganz wohl: „Solange es die Startbahn gibt, besteht die Gefahr von Begehrlichkeiten.“ Ein öffentlicher Bedarf für Luftfahrt-Einrichtungen könnte in der Region wieder entstehen, und in Maisach sei dafür noch alles vorhanden. Die politische Großwetterlage könne sich ändern, sagte Eberlein. Daher müsse ein teilweiser Rückbau erreicht werden. Und dazu brauche man Partner, die das finanzieren – zum Beispiel BMW. Daher enthält der Vier-Punkte-Plan, dass bei der Entsiegelung die Startbahn durchschnitten werden soll.

BMW wollte sich auf Anfrage am Freitag nicht äußern. Eine Konzernsprecherin ließ verlauten, dass der Stellungnahme von Anfang Juli – damals war den BMW-Plänen erstmals öffentlich eine Absage erteilt worden – „nichts hinzuzufügen“ sei. Von Unternehmensseite hieß es damals, man sei überrascht und prüfe nun die Optionen.

Zustand des Grundwassers

Das Grundwasser im Abstrom des ehemaligen Flugplatzes am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck ist unbedenklich. Maisachs Amtsleiter Peter Eberlein informierte den Gemeinderat darüber, dass das Grundwasser in Maisach und das Wasser des Kiessees in Gernlinden, der vom Grundwasser gespeist wird, untersucht worden ist – vor allem in Hinblick auf den Stoff Perflouroctansulfonsäure, kurz PFOS, der früher in Löschschaum verwendet wurde. In beiden Proben sei PFOS nachweisbar, liege aber jeweils weit unter dem festgelegten Schwellenwert. An den Bundeswehr-Standorten Manching und Neuburg wurde der Schwellenwert um das 400- bis 1000-fache überschritten. Die Diskussion um Altlasten auf Fursty war im Umweltbeirat in Bruck hochgekocht. Daraus war Unsicherheit in der Bevölkerung entstanden.

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