Kreative Pause: Ruth Strähhuber in ihrem Atelier. 
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Kreative Pause: Ruth Strähhuber in ihrem Atelier. 

Maisach

Ihre Kunst kann man jetzt mieten

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Alles mögliche kann man mieten – warum nicht auch Kunst? Das dachte sich die Malerin Ruth Strähhuber aus Stefansberg und beschloss, ihre Bilder künftig nicht mehr nur zu verkaufen, sondern auch zu verleihen.

Stefansberg – „Rent My Art“ nennt die 49-Jährige das Konzept. Auf die Idee kam sie durch die Corona-Krise – als es plötzlich keine Möglichkeit mehr gab, die eigenen Werke öffentlich zu präsentieren. „Eine einzige Ausstellung hatte ich im letzten Jahr“, erzählt die preisgekrönte Malerin und Videokünstlerin, die Anfang der 1990er Jahre an der Kunstakademie in Kiew studiert hat. „Normalerweise sind es vier oder fünf.“ Regelmäßig ergeben sich Verkäufe aus den Ausstellungen. Doch durch Corona war alles abgeschnitten.

Die Künstlerin suchte einen Weg, ihre Werke trotzdem an den Mann zu bringen. Und sie fragte sich, ob jetzt nicht der Moment gekommen sei, alte Strukturen aufzubrechen und neue Wege zu gehen. „Die Zeiten sind schnelllebiger geworden. Warum soll man da für immer an ein Bild gebunden sein?“ Viele Menschen würden Flexibilität schätzen.

Privat wechsele sie schließlich auch die Kunst an ihren Wänden öfter aus – nur, dass Strähhuber dafür lediglich in ihr Atelier gehen muss. Hinzu kommt, dass Interessierte vor den Kaufpreisen durchaus zurückschrecken können. Sie berechnen sich üblicherweise anhand der Größe eines Bildes, multipliziert mit einem Faktor, der sich aus der bisherigen Erfolgsgeschichte des Künstlers ergibt. Dabei spielen unter anderem die Anzahl der Ausstellungen und die Qualität der Ausstellungsorte eine Rolle.

In Ruth Strähhubers Fall beträgt der Faktor zwölf. Ein Bild im Format 60 mal 80 Zentimeter kostet somit 1680 Euro. Entscheidet man sich dagegen für die Mietoption, zahlt man für dasselbe Bild 90 Euro im Monat, für kleinere Formate 50 Euro. Auch die Option eines Mietkaufs bietet die Künstlerin an. Das funktioniert im Prinzip so, als würde man das Werk in Raten abzahlen. Allen, denen sie bisher davon erzählte, gefiel das Konzept.

Gut angenommen wird es aber noch nicht. „Die Leute müssen es noch mehr kennenlernen und sich trauen“, sagt Strähhuber. Sie würde ihre Werke auch für wenige Tage vermieten, zum Beispiel für eine Veranstaltung. „Rent My Art“ ist zwar aus der Coronakrise geboren, doch die 49-Jährige will das Konzept auf jeden Fall dauerhaft beibehalten. Sie hofft, dass es in Schwung kommt, wenn sie ihre Bilder erst wieder öffentlich zeigen kann. Und sie wird heilfroh sein, wenn es soweit ist. „Die lange Zeit ohne Ausstellungen frustriert einen schon wahnsinnig. Das geht echt auf die Psyche.“

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