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Die Pendlergemeinde heute aus der Luft. Unten das Areal des Fliegerhorstes mit Start bahn.

Was alte Karten erzählen können

Wachstum trotz verpasster Möglichkeiten

Einen Blick in die Geschichte werfen – und das ohne ein Buch aufzuschlagen? Das machen die historischen Karten des Bayern-Atlas möglich, die jeder online aufrufen kann. Das Tagblatt ist schon mal auf virtuelle Spurensuche gegangen. Heute geht es um die Entwicklung Maisachs vom armen Bauerndorf zur siebtgrößten Kommune des Kreises.

Maisach – Irgendwie hat Maisach im Laufe seiner Geschichte immer wieder den Schwarzen Peter gezogen. Manche Chance, zum Beispiel den Bau der Eisenbahn und des Bahnhofes in Maisach, wurde nicht so recht genutzt. Zeitweise war Maisach unter den am höchsten verschuldeten Kommunen in ganz Bayern.

Ursprünglich gehörte der Ort zur Hofmark des Klosters Fürstenfeld. „Nach dessen Auflösung versank Maisach zunächst völlig in der Bedeutungslosigkeit“, wie Gemeinde-Archivar Stefan Pfannes berichtet. Das Dorf bestand aus etwa 80 Häusern, in der Mehrzahl kleine Bauernhöfe. Es gab die Brauerei und ein bisschen Handwerk, das war’s. Die schlechten Böden – auf der einen Seite Kies, auf der anderen Moos und saure Wiesen – machten die Landwirtschaft unprofitabel.

Alte Postkarte: Trotz Brauerei (l.) und Bahnhof geriet der Ort in den 1930ern in die Schuldenfalle.

Die meisten Bauern konnten von ihren Höfen nicht leben und mussten sich zusätzlich als Tagelöhner und Erntehelfer bei den wenigen Großgrundbesitzern verdingen. Nach der Bauernbefreiung 1848 ergriffen viele die Gelegenheit, ihre Höfe zu kaufen. Doch das Auskommen war danach kaum besser. „Fast jedes Maisacher Anwesen wurde im 19. Jahrhundert mindestens einmal verkauft“, weiß Stefan Pfannes. Reiche Kaufleute und Bankiers erwarben das Land, die Höfe wurden zerschlagen. „Der ortsnahe Grund wurde als Bauland verkauft, der ortsabseitige einem neuen Bauern angedreht.“

1839 kam die Bahn nach Maisach. Doch erst rund 30 Jahre später entdeckten die Münchner das Dorf als Ausflugsziel und Wohnort. Es gab Grundstücksspekulationen und erste Bebauungspläne, Villen entstanden, eine neue Schule und eine neue Kirche wurden gebaut. „Zwischen 1870 und 1900 kam es zu starker Zuwanderung und einer enormen baulichen Entwicklung“, so Pfannes. „Damals wurde Maisach schon Pendlergemeinde.“

Ein kleines Bauerndorf ist Maisach auf der historischen Karte (1817 bis 1841): Aus dem leeren Areal unten wurde der Fliegerhorst.

Doch der Boom war von kurzer Dauer. „Maisach hat es nie geschafft, das zu werden, was es hätte sein können“, sagt der Archivar. Industrialisierung und Gewerbeansiedlungen waren entweder nicht gewünscht, oder die Chancen wurden schlicht übersehen. „Es gab jedenfalls keine erkennbaren Ansätze“. So wurde der Ort vom benachbarten Fürstenfeldbruck überflügelt.

Besonders deutlich wird das am Bau des Fliegerhorstes. Der liegt zum großen Teil auf Maisacher Flur. Gleisanbindung, Arbeiterunterkünfte, Administration – alles war in Maisach. Doch mit dem fertigen Flugplatz durfte sich dann Bruck schmücken. „Maisach verlor durch den Bau seinen ganzen Gemeindewald und damit eine Einnahmequelle“, erzählt Helga Rueskäfer vom örtlichen Arbeitskreis Geschichte.

Durch die nach dem Ersten Weltkrieg errichteten Kriegsopfersiedlungen im Ortsteil Gernlinden entstanden der Gemeinde hohe Sozialhilfekosten. Bis 1933 hatte sich Maisach in den Ruin gewirtschaftet. Laufende Geschäfte konnten nur noch über Kredite finanziert werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Flüchtlinge nach Maisach, neue Baugebiete wuchsen aus dem Boden. Langsam wendete sich das Blatt. Der Anschluss an die S-Bahn 1980 machte den Ort endgültig zur attraktiven Pendlergemeinde. Heute hat Maisach knapp 14 000 Einwohner – und eine geordnete Finanzbasis.

Von Ulrike Osman

Der Bayernatlas

Der Bayernatlas steht im Internet unter der Adresse www.bayernatlas.de Jeder Interessierte kann kostenlos darauf zugreifen und sich informieren.

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