Zwei Vorhaben abgeschmettert

Maisach wird von Bauanträgen überrollt

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Viele, die Bauland haben, wollen es jetzt zu Geld machen. Auch in Maisach. Die Gemeinde wird von Bauanträgen überrollt. Um die Heimat zu schützen, werden nun Riegel vorgeschoben.

Maisach – Der Gemeinderat hatte sich eigentlich schon in die Sommerpause verabschiedet – musste dann aber außerplanmäßig doch noch einmal zusammenkommen. Denn im Rathaus waren zwei Bauanfragen eingegangen, die Verwaltung und Fraktionen beunruhigten. Im ersten Fall geht es um ein eineinhalb Hektar großes Areal in der Mitte des Ortsteils Stefansberg. Im Dorfgebiet will der Grundeigentümer an der Kirchbergstraße 2 drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 24 Wohnungen bauen. Der zweite Fall spielt im Zentrum Malchings (Pfarrer-Dippel-Straße 1), wo für ein etwa ein Hektar großes Gebiet direkt neben der Kirche 14 Reihenhäuser und ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen vorgeschlagen werden.

Bis der Bebauungsplan steht, darf nichts gebaut werden 

Der Gemeinderat schob sofort – und mit insgesamt sechs einstimmigen Beschlüssen – beiden Vorhaben einen Riegel vor. Für die Areale wird ein Bebauungsplan aufgestellt, zudem gilt eine zweijährige Veränderungssperre: Bis der Plan steht, darf nichts gebaut werden. Die Bauvorhaben wurden abgelehnt.

Bürgermeister Hans Seidl (CSU) sprach von „markanten Eingriffen“, die die Dörfer bedrohten. Zwar bestehe auf beiden Flächen Baurecht – das könne und dürfe man nicht beschneiden. „Aber wir müssen die Entwicklung ordnen.“ Die Nachverdichtung bringe für die Gemeinde erhebliche Kosten mit sich: Sie müsse zum Beispiel für genug Kinderbetreuungsplätze und die Schulwegbeförderung sorgen. „Und dafür gibt es keine Gegenfinanzierung durch die Bauherren.“ Würde man beide Anträge so genehmigen, brauche es mindestens eine neue Kindertagesstätte.

Christa Turini-Huber (CSU), die in Stefansberg wohnt, sagte, derzeit habe das Dorf 237 Bewohner. Wenn auf einen Schlag 24 Wohnungen mit geschätzten 72 Neubürgern hinzukämen, wäre das ein zu großes Wachstum.

Bürgermeister Hans Seidl rechnet mit immer mehr Nachverdichtung

Dritte Bürgermeisterin Waltraut Wellenstein (SPD) sagte zu den Bauanträgen: „Die Aussicht in die Zukunft ist traurig. Wie kann man nur so die eigene Heimat verschandeln?“ Peter Aust (Unabhängige Bürger) sprach das Vorhaben in Malching an. Er sehe ein, dass Malching wegen der S-Bahn-Station nach Maisach und Gernlinden das dritte Zentrum der Großgemeinde sei. Dennoch dürfe die Nachverdichtung nicht ausarten. „Jetzt haben wir die Chancen, das vorausschauend zu planen.“

Seidl betonte, der Gemeinderat werde sich in nächster Zeit öfter mit der von privaten Grundbesitzern gewünschten Nachverdichtung in den kleinen Ortsteilen auseinandersetzen müssen. „Wir werden von Anträgen überrollt.“ Angesichts dessen dürfe man über Genehmigungen im Außenbereich – wo noch gar kein Baurecht besteht – gar nicht erst nachdenken. Schon durch die Nachverdichtung auf Flächen mit Baurecht wachse die Gemeinde zu schnell, mehr als das angepeilte eine Prozent pro Jahr.

Rubriklistenbild: © dpa

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