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Aus diesem Kessel soll das Craft-Bier kommen: Brauerei-Chef Michael Schweinberger (l.) und Brauer Florian Schmitt wollen in Stegen am Ammersee Neues ausprobieren.

Nun wird experimentiert

Maisach braut auch am Ammersee

Die Brauerei Maisach hat die Alten Brauerei in Stegen am Ammersee gemietet. Bald wird dort wieder Bier hergestellt. Das gibt es dann in Wirtschaften in der Region Fürstenfeldbruck.

Stegen/Maisach – Eine Brauerei ist wie ein Auto, sagt Florian Schmitt. Je länger sie still steht, desto schwieriger wird es, sie aus ihrem Dornröschenschlaf wieder aufzuwecken. Doch genau das ist momentan der Job des angehenden Braumeisters. Denn in der kleinen Brauerei im Gebäude der Alten Brauerei Stegen ist seit über einem Jahr kein Tropfen geflossen.

Deshalb muss Schmitt jetzt erst einmal klar Schiff machen. Rohre kontrollieren, Dichtungen austauschen, Leitungen neu verlegen, Kessel reinigen: Erst wenn wieder alles in einem Tip-Top-Zustand ist, kann das Wunder der Bierentstehung am Nordufer des Ammersees beginnen. Schmitt kann es gar nicht erwarten. „Das ist der Traum eines jeden Brauers“, sagt der 34-Jährige und lässt seinen Blick über die silbernen Sudkessel wandern, die sich vor ihm aufreihen.

In Stegen am Ammersee wird Craft Beer gebraut

Dass er seinen Traum leben kann, hat Schmitt seinem Chef Michael Schweinberger zu verdanken. Der Geschäftsführer der Maisacher Brauerei hat die Mini-Brauerei in Stegen gemietet. Mit der kleinen Anlage hat Schweinberger Großes vor. „Wir können hier Dinge ausprobieren, die in Maisach nicht möglich wären“, sagt er.

In den Sudkesseln sollen ganz spezielle Gerstensäfte entstehen. „Craft Beer“, also handwerkliches Bier, heißt der Trend, der wie so vieles aus den Vereinigten Staaten auch ins Amperland geschwappt ist. Mit dem verwässerten Gesöff, das die Amerikaner zum Erschaudern jedes gestandenen Bayers als Bier bezeichnen, hat das Vorhaben in Stegen aber nichts zu tun. Auch am Reinheitsgebot soll selbstverständlich nicht gerüttelt werden. Mit ganz speziellen Hopfensorten, die etwa eine Zitrus- oder eine leichte Weißwein-Note haben, wollen Schweinberger und Schmitt neue Wege gehen.

Weil das Bierbrauen aber eine Wissenschaft für sich ist, kann dabei natürlich auch mal etwas schief gehen. Und genau deshalb ist die Mini-Brauerei genau das Richtige für die Pläne der beiden. Es ist nämlich so: Pro Sud entstehen in Maisach 7000 Liter Bier. Die kleine Brauerei in Stegen spuckt pro Durchgang lediglich 1000 Liter aus. Geht beim Experimentieren etwas schief, hält sich der Verlust am Ammersee-Ufer in Grenzen.

Bier aus Stegen gibt es in Wirtschaften im Landkreis Fürstenfeldbruck

Für Bierbrauer Schmitt steht freilich noch ein anderer Aspekt im Vordergrund: „Hier kann ich mein Handwerk in Reinform betreiben“, erklärt er. Ob beim so genannten Schlauchen, beim Malz-Schroten oder beim Reinigen der Tanks: Für was in anderen Brauereien Computer und Roboter zur Verfügung stehen, nutzt Schmitt in Stegen seine Muskelkraft – und seine Sinne. Den Duft des Sudes, die Temperatur, die Konsistenz und am Ende natürlich der Geschmack: In der Stegener Mini-Brauerei kann der Bierbrauer zeigen, was in ihm steckt und dem Gerstensaft seine ganz persönliche Note geben.

Die Resultate der Brau-Experimente will Geschäftsführer Schweinberger direkt im Restaurant der Alten Brauerei in Stegen sowie in rund 60 Wirtschaften im Landkreis ausschenken. Zuvor soll es allerdings eine strenge Qualitätskontrolle geben. „Das Bier wird im heroischen Selbstversuch getestet.“

v on Tobias Gehre

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