Katharina Schwarz kochte an ihrem Todestag mittags noch Rindsrouladen.
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Katharina Schwarz kochte an ihrem Todestag mittags noch Rindsrouladen.

Nachruf

Sie krempelte am Jexhof die Ärmel hoch

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Dass aus einem alten Bauernhof in Schöngeising das überaus beliebte Bauernhofmuseum Jexhof wurde, geht auf die Initiative des Brucker Alt-OBs Sepp Kellerer zurück. Er setzte das Projekt vor über 30 Jahren auf politischer Ebene durch.

Stefansberg – Doch genauso brauchte es die praktische Unterstützung von Menschen wie Katharina Schwarz. Gemeinsam mit einer Gruppe weiterer Landfrauen krempelte die Riedlbäuerin aus Stefansberg die Ärmel hoch, räumte das alte Gebäude aus, schrubbte die Räume und leistete so die Vorarbeit dafür, dass der Jexhof zum Publikumsmagneten wurde.

Später gestaltete Katharina Schwarz gemeinsam mit dem Landfrauenchor, dessen Gründungsmitglied sie war, die jährlichen Erntedankfeste auf dem Jexhof. Morgens singen beim Gottesdienst, anschließend wieder die Ärmel hochkrempeln, um in der engen, heißen Backstube zentnerweise Mehl zu Kiacherln und Kirchweihnudeln zu verarbeiten – das war die Riedlbäuerin, wie sie leibte und lebte.

Geht nicht, gab’s nicht für die aus Luttenwang stammende Hauswirtschaftsmeisterin und Mutter von vier Töchtern. Neben der Arbeit auf dem Hof, den sie mit Ehemann Willi gemeinsam bewirtschaftete, engagierte sie sich im Bayerischen Bauernverband und im Verband für landwirtschaftliche Fachbildung Fürstenfeldbruck. Lange war sie Ortsbäuerin in Germerswang und zweite Kreisbäuerin.

Als Einsatzleiterin der Dorfhelferinnenstation sorgte sie dafür, dass überall da Hilfe geleistet wurde, wo es notwendig war. Bienenfleißig, zupackend, gelassen, durch und durch positiv – Katharina Schwarz war jemand, der das Leben in die Hand nahm. „Sie war einfach eine gute Haut“, sagt eine Freundin und Sangesschwester.

Trotz aller Arbeit leisteten sich die Riedlbäuerin und ihr Mann auch gelegentliche Auszeiten. Gemeinsam reisten sie nach Marokko, Kanada, Israel und Madeira. Auch auf Kreuzfahrten erholten sie sich vom Alltag.

Es war ein harter Schlag für Katharina Schwarz, als sie ihren Willi 2012 – im Jahr nach der Goldenen Hochzeit – zu Grabe tragen musste. Doch hängen ließ sie sich nicht. Sie pflegte die Kontakte zu ihren Geschwistern und dem großen Freundeskreis, traf sich jeden Sonntag zu gemütlichen Kaffeerunden und freute sich, als eine Enkelin mit ihren zwei Kindern bei ihr im Haus einzog. „Meine WG“ nannte sie die drei liebevoll.

Die Enkel, 16 an der Zahl, waren ihr ein und alles. Als sie klein waren, bereitete ihnen Katharina Schwarz immer wieder wunderschöne Ferien auf dem heimischen Bauernhof und nahm auch später regen Anteil an ihrem Leben. Als sie starb, war die 83-Jährige schon 14mal Urgroßmutter geworden.

Ihr letzter Wunsch war eine gute Sterbestunde. Er ist ihr erfüllt worden – es gab keine lange Krankheit, keine Pflegebedürftigkeit. An ihrem Todestag stand die Riedlbäuerin mittags noch in der Küche und kochte Rindsrouladen mit Serviettenknödeln.

Bei ihrer Beerdigung durfte der Landfrauenchor coronabedingt nur in kleiner Besetzung auftreten. Doch es steht bereits fest, dass der Chor die Jahresmesse in Stefansberg gestalten wird. Dann wollen die Sängerinnen noch einmal aus vollem Herzen für ihre Kathi singen – und hoffentlich in voller Besetzung.  os

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