Corona-Zahlen auf Mallorca steigen rasant: RKI zieht Konsequenz und macht Insel jetzt zum Risikogebiet

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Im Stüberl im Elvivion-Seniorenheim Emmering wollte man sich treffen. Doch dann kamen so viele Angehörige und Bewohner, dass man ins Bürgerhaus umzog. 

Emmering/Gernlinden/Maisach

Preisexplosion: Empörung in Seniorenheim

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Bewohner und Angehörige der Elvivion-Seniorenheime in Emmering, Maisach und Gernlinden sind verärgert: Sie sollen eine massive Erhöhung der Preise für Serviceleistungen schlucken. Das wollen sich viele nicht gefallen lassen.

Maisach/Gernlinden/EmmeringDie sogenannte Sicherheitspauschale soll zum 1. August von derzeit 90 auf 480 Euro steigen. Nur so könne „auch weiterhin eine nächtliche Präsenzkraft“ für die Bewohner vorgehalten werden, heißt es in einem Schreiben des Trägers, der Advivion GmbH. Sie ist Teil der Unternehmensgruppe SeniVita Social Estate AG. Den entsprechenden Zusatz zum Mietvertrag sollen die Bewohner bis zum 15. Juli unterschrieben zurücksenden.

„Skandalös“ findet das Carsten Brämer, ein Bewohner der Pflegeeinrichtung in Maisach. Er befürchtet im schlimmsten Fall die Kündigung seines Mietvertrags.

Diese Angst jedoch sei unbegründet, heißt es von Seiten der SeniVita. Dass Bewohnern gekündigt werde, wenn sie die neuen Preise nicht akzeptieren, „entbehrt jeder Grundlage“, betont ein Firmensprecher auf Tagblatt-Nachfrage. Die Erhöhung der Servicepauschale sei jedoch notwendig, da die Pflegeeinrichtungen derzeit nicht kostendeckend arbeiten würden. Sie erfolge im Rahmen einer Umstrukturierung der gesamten Unternehmensgruppe, die insgesamt nicht profitabel sei.

Profit-Interessen?

Profit-Interessen sind es, die Angehörige und Betroffene hinter den Preiserhöhungen vermuten. Zu einem kurzfristig anberaumten Treffen des Angehörigenbeirats in Emmering kamen rund 40 Teilnehmer – so viele, dass man vom Stüberl des Heims in den Saal des Bürgerhauses ausweichen musste. Auch Angehörige von Bewohnern aus den beiden anderen Heimen sowie Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) waren dabei.

In den Redebeiträgen machte sich viel Empörung Luft – neben der Kostenerhöhung wurden weitere Missstände beklagt. Rainer Ptok, Sohn einer Bewohnerin im Maisacher Heim, kritisierte, dass in der Hochphase der Corona-Beschränkungen die Tagespflege komplett eingestellt worden sei. Erst auf Druck hin sei eine Notpflegegruppe für Menschen eingerichtet worden, die nicht allein in ihren Wohnungen bleiben konnten.

Noch immer sei der Service reduziert, so Ptok. „Es wird nichts angeboten. Dafür zahlen wir zu viel Geld.“

Der Firmensprecher erklärt, die Schließung der Tagespflege sei auf behördliche Anordnung hin erfolgt – die Heime hätten keinen Ermessensspielraum gehabt. Dem widerspricht Hans Seidl. Er habe vom Brucker Gesundheitsamt die Auskunft erhalten, dass die Schließung der Tagespflege „zu keiner Zeit notwendig“ gewesen wäre, da sie nur für Bewohner, nicht aber für Besucher von außerhalb zugänglich ist. Seit Mitte Juni sei die Tagespflege wieder geöffnet, so der Firmensprecher.

Die Kostenexplosion

Wie nun aber umgehen mit der Kostenexplosion? Rolf Henkel, Vorsitzender des Emmeringer Angehörigenbeirats, rät dazu, der Erhöhung zunächst formlos zu widersprechen. Eine Gruppe Betroffener erwägt, gemeinsam einen Fachanwalt einzuschalten. Am Abend des Treffens erklärten sich bereits 14 Teilnehmer bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. Außerdem will man einen Vertreter der SeniVita-Geschäftsleitung zu einer Versammlung einladen und sich erklären lassen, warum die Erhöhung notwendig sei. Denn eine detaillierte Begründung „ist bisher nicht erfolgt“, so Henkel.

Eindrücklich schilderte eine Emmeringer Bewohnerin, woran es nach ihrer Erfahrung in den Heimen hapert. Ihr schwer demenzkranker, inzwischen verstorbener Ehemann habe zuletzt ins Theresianum nach Bruck verlegt werden müssen. „Dort ging es einigermaßen.“ In Emmering hingegen sei er nicht mehr ausreichend betreut worden. „Wir sind alt, wir sind hilfsbedürftig. Wir brauchen auch Liebe und echte Betreuung“, sagte die Seniorin. Und das Essen sei so schlecht „wie nicht mal nach dem Krieg“.

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