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Hier an der Kapelle St. Wolfgang in Überacker soll eine Raststation für Radfahrer gebaut werden.

Maisach

Räuber-Kneißl-Radweg nimmt weitere Hürde

  • Helga Zagermann
    vonHelga Zagermann
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Seit vier Jahren wird am Räuber-Kneißl-Radweg gearbeitet. Jetzt ist das Projekt wieder ein kleines Stück weiter. Bis aber wirklich auf den Spuren des zum Volkshelden stilisierten Banditen geradelt werden kann, müssen sich die vielen Beteiligten noch ziemlich abstrampeln.

Maisach – Geplant ist ein überregionaler Radweg auf verschiedenen Routen. Keine länger als etwa 20 Kilometer, damit die Strecken auch für Familien mit Kindern zu bewältigen sind. Ziel ist zudem, auf bestehenden Ragwegen das Gebiet zwischen Maisach und Karlsfeld und damit die S-Bahnlinie 3 mit der S 2 zu verbinden.

Der Radweg wird mit EU-Mitteln realisiert, die der Förderverein Dachau Agil akquiriert. Die Konzeption, dafür flossen bereits Mittel, ist so gut wie abgeschlossen. Sie stammt aus den Händen der Allgäuer Agentur Top-Plan, die schon zahlreiche Themenradwege umgesetzt hat, etwa den Amper-Lech-Radweg von Fürstenfeldbruck nach Geltendorf.

Als nächstes geht es an die Umsetzung der Pläne. Dazu müssen erneut Mittel bei der Europäischen Union beantragt werden.

Das Projekt war von der Westallianz angestoßen worden, einem Zusammenschluss von sieben Kommunen entlang der A 8. In den einzelnen Orten sollen Aspekte des Räuber-Lebens beleuchtet werden. Für Gröbenzell sind die Themen Flucht und Verfolgung gesetzt, für Maisach Verfolgung, Verhandlung und Hinrichtung. In der Arbeitsgruppe „Naherholung und Tourismus“ der Westallianz laufen alle Fäden zusammen. Die vielen Beteiligten und die Finanzierung durch die EU sind der Grund dafür, dass das Projekt nur langsam vorwärts kommt.

Im Maisacher Gemeinderat ging es zuletzt um die Routenführung durch die Kommune, um Standorte von Informationstafeln und Rastplätze. Maisach hat damit seine Hausaufgaben erledigt.

Die Radler kommen von Norden an der Staatsstraße 2054 in die Gemeinde, dann entlang der Einsbacher Straße nach Überacker. Hier geht es auf der Bergstraße durch den Ortsteil, immer in Richtung Süden. Am Ortsausgang ist an der Kapelle St. Wolfgang eine Station geplant. Der Müller Wolfgang Aichmiller ließ sie im Jahr 1700 neu errichten. Er hatte damals an den Bischof geschrieben, dass sich auf der kleinen Erhebung „ein altes Capellerl“ befinde, das „ganz baufällig worden“ sei. An der Kapelle soll auch Rast gemacht werden können, an Picknick-Tischen.

Weiter führt die Route entlang der Bergstraße und Überackerstraße in den Hauptort Maisach. Attraktionen hier sind natürlich die Brauerei (Gaststätte/Biergarten) mit Räuber-Kneißl-Museum im Keller. Hier soll eine Infotafel Genaueres zum Museum erklären. Dort zu sehen ist zum Beispiel ein Regenschirm, den Mathias Kneißl bei seiner Flucht im Wirtshaus in Oberschweinbach vergessen hatte. Dazu eine alte Gefängnistür, ein Flucht-Fahrrad und eine nachgebaute Guillotine.

Über die Bräuhausstraße führt der Weg zur S-Bahn, wichtiger Ein- und Ausstiegspunkt für Radler. Hier soll wie an der Brauerei eine Tafel über den Gesamtort Maisach informieren. Nach Norden geht es zum Rathaus (weitere Infotafel) und über die Schul- und Lusstraße Richtung Frauenberg. An der Weggabelung nach Germerswang geht es für die Radler am Apfelfeld Wolf vorbei auf einem Feldweg hoch zum Weinberg. Dort soll ein Rast- und Picknick-Platz mit Aussicht auf Diepoltshofen geschaffen werden. Dazu müsste aber Grund gekauft oder gepachtet werden.

An dieser Stelle regte sich Widerstand im Gemeinderat. „Das ist ein so idyllisches Platzerl“, sagte Christine Wunderl (Grüne), „das müssen wir doch nicht überall bekannt machen.“ Bürgermeister Hans Seidl (CSU) setzte dagegen, dass der Platz wohl auch in Zukunft nicht überlaufen sein werde: „20 Radler im Monat wären viel.“ Gegen drei Stimmen entschied der Gemeinderat, den Weinberg als Rastplatz auszubauen.

Sichtbar sind die Reste ehemaliger Weinbergterrassen. Bis ins 16. Jahrhundert wurde Weinbau betrieben. In Maisach bestand um 1490 sogar eine eigene Weinwirtschaft.

Über Germerswang geht es nach Westen. Dann verlässt der Räuber-Kneißl-Weg das Maisacher Gebiet.

Einstimmig genehmigte der Gemeinderat den Routenverlauf, die Standorte der Infotafeln und den Rastplatz an der Kapelle. Alle andere Kommunen müssen nun auch die Planungen auf ihrer Flur bewilligen. Dann müssen EU-Gelder fließen. Und dann könne man vielleicht schon 2019, so Pfaffenhofens Bürgermeister Helmut Zech, der die Westallianz-Arbeitsgruppe „Naherholung und Tourismus“ leitet, auf dem Räuber-Kneißl-Weg radeln.

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