Die Hauptwache des Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck. (Archivfoto)
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Die Hauptwache des Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck. (Archivfoto)

Heftige Diskussion

Rosinenpickerei bei Fliegerhorst-Zukunft

  • Helga Zagermann
    vonHelga Zagermann
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Jetzt eskaliert der Streit um die zivile Nachnutzung des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck: Maisach, Olching und Emmering wollen sich gemeinsam gegen die Pläne der Stadt Fürstenfeldbruck wehren.

  • Die Diskussion um die zivile Nachnutzung des Fliegerhorstes wird immer lauter.
  • Ein Zweckverband mit den Anreiner-Kommunen Maisach, Olching, Emmering und Bruck wurde abgelehnt.
  • Hingegen sorgte ein Plan aus Fürstenfeldbruck für Entsetzen bei den drei Gemeinden.

Landkreis – Die Nachbarkommunen befürchten, dass sie die Last des Verkehrs zu tragen hätten – und Bruck alle Vorteile eines neuen Stadtteils alleine abschöpfen würde. Ursprünglich wollten sich die vier Anrainer des Flugplatzes an einen Tisch setzen und darüber beraten, wie das Gelände nach Abzug des Militärs entwickelt werden könnte. Dazu war ein Zweckverband angedacht.

Doch dieses Konstrukt wurde vom Brucker Stadtrat abgelehnt – man wollte sich nicht in die Planungen eines Wohn- und Gewerbegebiets reinreden lassen. Stattdessen wurde eine interkommunale Arbeitsgemeinschaft (AG) vorgeschlagen. Nun sagten Maisach, Olching, Emmering und der Landrat nein – nicht schlagkräftig genug sei eine AG, hieß es. Zusammenarbeiten werde man aber weiter, beteuerten alle.

Rosinenpickerei bei Fliegerhorst-Zukunft - Bruck rückt mit großem Vorhaben raus

Das hört sich nach einem Online-Workshop am Donnerstag jedoch ganz anders an. Bruck hatte dabei seine Planungen – Wohnraum für bis zu 6000 neue Einwohner und Ansiedelung von Gewerbe mit bis zu 5000 Arbeitsplätzen – den Bürgermeistern und Verwaltungschefs von Maisach, Olching und Emmering vorgestellt.

Die Nachbarn waren wohl so entsetzt vom Alleingang Brucks, dass Maisachs Rathaus-Amtsleiter Peter Eberlein wenige Stunden später einen Vorschlag präsentierte, wie die drei Kommunen gegen Bruck agieren wollen. Eberlein stellte ihn im Maisacher Gemeinderat vor.

Streit um Fliegerhorst-Zukunft - drei Kommunen wollen Verkehrsanalyse

Das Trio der kleineren Fursty-Nachbarn will für insgesamt rund 140 000 Euro eine genaue Verkehrsanalyse in Auftrag geben und die Ergebnisse in der Kreisstadt einreichen, wenn die Nachbarn zur Bauleitplanung von Bruck befragt werden. Denn befragt werden müssen sie im Rahmen des Verfahrens. Sie hoffen, mit der Analyse ein Druckmittel in der Hand zu haben und beweisen zu können, dass der Verkehr zu untragbaren Belastungen in Olching, Maisach und Emmering führen würde.

Alle Verkehrsknotenpunkte (der S-Bahnhof Gernlinden, der A 8-Anschluss bei Olching sowie die B 471-Ausfahrten bei Esting und Emmering), die Bruck zur Anbindung des neuen Stadtteils braucht, liegen nicht auf Flur der Kreisstadt.

Streit um Fliegerhorst-Zukunft - „Der Weg der Vernunft wurde wieder nicht mitgegangen von der Stadt Fürstenfeldbruck“

„Wir sind nicht bereit, nur die Lasten zu übernehmen, während Bruck die Ernte einfährt“, sagte Eberlein. Die Kreisstadt wolle erst ihren städtebaulichen Wettbewerb durchführen und dann das Ergebnis mit den Nachbarn besprechen. Doch das sei die falsche Reihenfolge: „Der Weg der Vernunft wurde wieder nicht mitgegangen von der Stadt Fürstenfeldbruck.“ Daher werde man nun selbst tätig: Das Verkehrsgutachten „wird unsere Grenzen darstellen. Denn wir müssen unsere Kommunen und unsere Bürger schützen vor einer verkehrlichen Belastung, die wir nicht steuern können.“

Maisachs Bürgermeister Hans Seidl (CSU) fügte hinzu, dass man notfalls juristisch gegen den Flächennutzungsplan vorgehen werde. Olching habe den Rechtsweg schon einmal angedroht. Seidl sagte mit Blick auf den Bund, der Geld brauche und das Gelände sicher schnell verkaufen wolle, mit Blick auf finanzstarke Investoren und auf den Wohnraummangel in der Region, dass er vor einer Sache Angst habe: „Irgendwann wird das Gebiet der Stadt Fürstenfeldbruck aus der Hand gerissen. Und dann leiden alle unter negativen Entwicklungen.“

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