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Jetzt können die Eier seiner etwa 3200 Hühner wieder verkauft werden. Michael Dinkel atmet auf. 

Der Verkauf läuft wieder

Rückruf-Aktion: Nur 300 Eier wurden abgegeben

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Der Eier-Verkauf auf dem Dinkel-Hof in Malching läuft wieder. Vergangene Woche musste die Landwirts-Familie mehrere 1000 Eier zurückrufen, weil das Veterinäramt Darmkeime auf den Schalen entdeckt hatte. Der Fall wirft Fragen über den Umgang der Behörden mit den Bakterien auf.

Malching – Michael Dinkel kann wieder lachen. Das war ihm und dem Rest seiner Familie vergangenen Donnerstag gehörig vergangen. Nach dem Fund sogenannter Campylobacter-Bakterien saß der Schock in dem Familienbetrieb tief. „Das kam wie aus heiterem Himmel“, sagt Michael Dinkel.

Nach dem Aufruf, die Eier zurückzugeben, seien von den mehr als 6000 Exemplaren rund 300 zurückgekommen. Zudem hätten sich viele Kunden im Hofladen und am Telefon über die Situation erkundigt. Die Reaktion habe die Familie aufatmen lassen. „Die meisten sehen es sehr gelassen und können die Sache auch einordnen“, sagt Michael Dinkel. Und auch die Solidargemeinschaft Unser Land, an die die Dinkels viele Eier liefern, stehe zu der Familie. „Die halten fest zu uns“, sagt der Landwirt erleichtert.

Es kann jeden Erzeuger erwischen

Seit dem Fund und der Rückrufaktion hat sich der 25-Jährige intensiv mit dem Thema und dem Umgang der Behörden damit beschäftigt. Sein Fazit: „Es kann jeden Erzeuger erwischen.“ Der Landwirt hat das Bundesinstitut für Risikobewertung zurate gezogen. In einer Stellungnahme erklären die Experten, dass Legehennen in Deutschland „sehr häufig“ mit dem Bakterium besiedelt seien. So konnte das Institut 2009 in fast 42 Prozent der Kotproben das Campylobacter nachweisen.

In der Stellungnahme heißt es auch: „Es gibt nur sehr wenige Daten, die eine Übertragung durch Hühnereier belegen.“ Eine Studie besage, dass zwischen 1988 und 2007 1,6 Prozent der durch Campylobacter verursachten Krankheitsausbrüche von Hühnereiern stammten. Zum Vergleich: Hühnerfleisch konnte in dieser Zeit zu knapp 30 und Rohmilch mit fast 35 Prozent den Krankheitsausbrüchen zugeordnet werden.

Dass so wenige Fälle auf die Eier zurückzuführen sind, liegt auch daran, dass die Bakterien nur auf den Schalen sitzen – nicht im Ei. Michael Dinkel weißt außerdem darauf hin, dass man das Risiko einer Infektion mit normaler Küchenhygiene stark reduzieren könne.

Landwirt hat sich nichts vorzuwerfen

Dass es Bakterien auf Eierschalen gebe, lasse sich nicht vermeiden, so Dinkel. Selbst wenn man die Herde austauschen und den Stall desinfizieren würde, werde man die Bakterien nicht gänzlich los. Auch der Tierarzt und das Veterinäramt hätten ihm gesagt, dass er sich nichts vorzuwerfen habe.

Herunterspielen will Michael Dinkel das mögliche Risiko, das mit einer Infektion einhergeht, aber nicht. Und auch auf das Veterinäramt, das die Keime entdeckt hat, ist der Landwirt nicht sauer. „Die haben bloß ihren Job gemacht“, sagt er. Dinkel meint aber auch, dass bei der gleichen Faktenlage in einem anderen Bundesland keine Rückrufaktion gestartet worden wäre. Der Landesverband der bayerischen Geflügelwirtschaft habe ihm mitgeteilt, dass nur Bayern diese Vorgehensweise beim Fund des Campylobacter habe.

Auf dem Dinkel-Hof werden seit 55 Jahren Eier produziert. Momentan legen die 3200 Hühner etwa 2600 Eier pro Tag. Sie werden im Hofladen sowie am Bauernmarkt und über Unser Land verkauft. Außerdem produzieren die Dinkels Nudeln mit ihren Eiern sowie Eierlikör.

Auch interessant: 60 Jahre Dinkel-Hof in Malching: „Nudeln sind mein Steckenpferd“

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