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Falkner Wolfgang Schreyer und seine imposante Wüstenbussard-Dame Mirl haben am Ge rnlindner Friedhof ganze Arbeit geleistet.

Erstmals in Oberbayern

Wüstenbussard vertreibt Saatkrähen

Verdreckte Gräber, lautes Gekrächze bei Beerdigungen: Monatelang ärgerten sich die Gernlindner über die Krähen am Friedhof. Dann kam Falkner Wolfgang Schreyer mit seiner Wüstenbussard-Dame Mirl – und die Krähen sind verschwunden. Eine Premiere in Oberbayern.

Gernlinden – Beherzt schleudert Wolfgang Schreyer Mirl in die Luft. Ein paar Schläge mit den majestätischen Schwingen und der Wüstenbussard mit dem stets ernsten Blick gleitet durch die Luft – um sich wenig später auf einem Ast niederzulassen. Keine Saatkrähen in Sicht an diesem Montagmorgen. Schreyer zückt ein Stückchen Fleisch. Und Mirl schwebt zurück auf die Hand ihres Herrchens.

So lief das in den vergangenen Wochen. Morgens und abends rückte das Duo an. Mirl drehte ihre Runden und die Saatkrähen packte die blanke Panik. Der Bussard ist der Todfeind der klugen Krähen – allein die bloße Präsenz des Raubvogels reicht, damit sie das Weite suchen. Das funktioniert allerdings nur, wenn Mirl regelmäßig ihre Runden dreht. Käme der Raubvogel nur sporadisch, wären die Krähen schnell wieder da, sagt Schreyer. Jetzt sind sie weg. Und der Falkner ist hochzufrieden.

„Zum Schluss sind sie schon abgehauen, als sie mein Auto gesehen haben.“

Rund 40 bis 50 Saatkrähen – Tendenz steigend – machten vor dem Bussard-Einsatz den Friedhof unsicher. Schreyer berichtet von vollgekoteten Grabsteinen, toten Jungvögeln auf den Gräbern und Krächz-Konzerten, die sogar den Pfarrer bei Beerdigungen übertönt haben. So habe es nicht weitergehen können.

In einem ersten Schritt entfernten Arbeiter im Zuge von Baumpflegearbeiten Ende Januar die Saatkrähen-Nester aus den vergangenen Jahren. Denn renovieren ist für die Vögel einfacher als neu bauen. Sind die alten Nester weg, büßt der Standort viel von seiner Attraktivität ein. Rückt den Saatkrähen dann noch jeden Tag ihr Todfeind auf die Pelle, vertreibt das die Vögel. Das war der Plan, den Gemeinde und Falkner aufstellten – und er ging offenbar auf.

Mit dem Verlauf der Vergrämungsaktion ist Wolfgang Schreyer hochzufrieden. Keine einzige Saatkrähe sei von Mirl gefangen worden. Die krächzenden Störenfriede seien allein durch die Präsenz des Wüstenbussards vergrault worden. „Zum Schluss sind sie schon abgehauen, als sie mein Auto gesehen haben.“

Der Falkner soll nun nur noch auf Abruf kommen

Das hört auch Eugen Bachhuber gerne. Für den Umweltbeauftragten der Gemeinde Maisach war die Vertreibung der krächzenden Plagegeister ein Erfolg. Seit Tagen seien keine Saatkrähen mehr am Friedhof gelandet. „Um den Sieg zu verkünden, ist es aber noch zu früh“, sagt Bachhuber. Was den Umweltbeauftragten aber sehr optimistisch stimmt, ist die Zunahme an Krähen in Gehölzen außerhalb der Gemeinde. Dorthin hätten sich wohl viele Vögel geflüchtet. Ob sie wirklich vom Friedhof stammen, könne man aber nicht sagen. Schließlich sind die Saatkrähen nicht markiert.

Dass Falkner Schreyer und Wüstenbussard Mirl überhaupt aktiv werden konnten, ist auch der Regierung von Oberbayern zu verdanken. Die Bezirksverwaltung genehmigte Ende vergangenen Jahres erstmalig den Einsatz eines Raubvogels gegen die eigentlich geschützten Saatkrähen.

Jetzt wollen Bachhuber und Schreyer die Situation weiter beobachten. Der Falkner soll nur noch auf Abruf kommen, falls sich doch wieder ganz mutige Saatkrähen in den Friedhof wagen. Wüstenbussard-Dame Mirl freut sich schon auf sie.

von Tobias Gehre

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