Unterstützung ab 2019

Langer Weg zur Schulsozialarbeit

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Die Schulsozialarbeit in Maisach rückt näher: Eine Fachkraft soll ab Anfang 2019 die Lehrer beider Grundschulen unterstützen. Früher ist ein Beginn nicht möglich, weil geeignete Räume fehlen.

Maisach – Regelmäßig einmal pro Jahr diskutiert der Gemeinderat über die Jugendsozialarbeit an den Grundschulen. Die Maisacher Schule hatte eine solche Stelle beantragt. Doch bisher kam das Projekt nicht zustande. Ein Grund dafür ist, dass die Gemeinde nicht für Aufgaben des Staates aufkommen möchte. Zuschüsse für eine Fachkraft gibt es nämlich nur dann, wenn das Jugendamt den Bedarf anerkennt. Und das geschieht erst dann, wenn über 20 Prozent der Kinder einer Schule einen Migrationshintergrund haben.

Das war bisher nicht der Fall. An der Grundschule Gernlinden betrug der Migrationsanteil im Mai 2016 rund 16,5 Prozent. Doch im abgelaufenen Schuljahr 2016/17 waren es schon fast 22 Prozent, wie Amtsleiter Peter Eberlein dem Gemeinderat berichtete. Für Gernlinden könnte die Gemeinde also eine staatliche Förderung erhalten. Doch aus der dortigen Schule liegt kein Antrag vor.

In Maisach haben Lehrer rund 3000 Auffälligkeiten dokumentiert

An der Grundschule Maisach stieg der Anteil von 16 auf fast 18 Prozent. Laut Eberlein fehlen hier noch zwölf Schüler zur Zuschusshürde. Nehme man beide Grundschulen zusammen, so betrage der Migrationsanteil knapp 19 Prozent.

Vor einem Jahr war nach Gesprächen zwischen Schulleitung, Verwaltung und Sozialpädagogen der Gemeinde beschlossen worden, dass die Lehrer Vorfälle erfassen sollen. Von September 2016 bis Januar 2017 hatten Lehrer rund 3000 Vorkommnisse und Auffälligkeiten dokumentiert. Dabei ging es um Probleme mit Lehrern, mit Regeln und verbale Eskalation (insgesamt 36 Prozent der Vorfälle), um Konflikte im Elternhaus, Streit in der Klasse, Raufereien und Konzentrationsstörungen. Körperliche Gewalt ist in zwölf Prozent der Fälle dokumentiert. Rechnet man die rund 3000 Auffälligkeiten herunter, so wurden pro Schultag zehn bis 15 Vorkommnisse erfasst.

Angesichts dieser Zahlen werde der Bedarf für Schulsozialarbeit deutlich, so Eberlein – der Gemeinderat stimmte zu. Möglichst bald wolle man den Lehrern eine Unterstützung an die Seite stellen.

Der Amtsleiter sagte aber, dass man sich von der Schulsozialarbeit keine Wunder erwarten dürfen. Bei der Vielzahl der Fälle werde eine Fachkraft schnell an ihre Grenzen stoßen.

Schulsozialarbeit in Maisach startet wohl im Januar 2019

Im Moment ist aber an der Grundschule in Maisach kein Raum frei. Der Anbau für die Mittagsbetreuung wird Abhilfe schaffen, ist aber erst Anfang 2019 fertig. Bis dahin soll beobachtet werden, wie sich der Migrationsanteil entwickelt. Sollte die Quote an der Maisacher Grundschule bis dahin nicht erreicht werden, muss der Gemeinderat entscheiden, ob er die Stelle komplett aus eigenen Mitteln finanziert.

Die Gemeinde müsste die 62 000 Euro, die eine sozialpädagogische Vollzeitstelle im Jahr mindestens kostet, selbst zahlen. Und zwar auch dann noch, wenn der Migrationsanteil irgendwann über die 20-Prozent-Marke klettert. Denn wenn die Schulsozialarbeit einmal besteht, ist keine spätere Förderung durch den Freistaat mehr möglich.

Im Sommer 2018 soll der Beschluss fallen, wie es weitergeht. Bis dahin muss die Maisacher Grundschule weiter warten.

Rubriklistenbild: © dpa

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