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Verein startet durch: Sie helfen krebskranken Kindern

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Von: Eva Strauß

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Der neue Vorstand (v.l.): Andreas Eißner, Karl-Heinz Geilker, Melanie Eißner und Peter Bertram. 	fotos. privat
Der neue Vorstand (v.l.): Andreas Eißner, Karl-Heinz Geilker, Melanie Eißner und Peter Bertram. © Bertram

Nach dem Tod von Gründer Karlhans Benz stand der Verein „Krebskranken Kindern helfen im Landkreis Fürstenfeldbruck“ auf der Kippe. Doch jetzt geht es weiter.

Gernlinden – Drei von vier Vorstandsposten waren nicht mehr besetzt. Doch es fanden sich Leute, die den Verein retten – und ihn neu ausrichten wollen. Einer davon ist Peter Bertram (51), der neue Vorsitzende.

Herr Bertram, wie sind Sie zum Verein gekommen?

Über meine Tochter. Genauer gesagt über ein Schulprojekt von ihr. Im Rahmen eines P-Seminars haben die Schüler ein Unternehmen gegründet, bei dem die Eltern Anteilseigner werden konnten. Das Unternehmen machte Gewinn, das Geld sollte gespendet werden. Meine Eltern sind schon seit Jahren Mitglied im Verein. So kam die Idee auf, das Geld dorthin zu spenden. Meine Frau und ich sind dann auch noch beigetreten.

Und dann sind Sie gleich Vorsitzender geworden?

Nein, das hat schon noch etwas gedauert. Von unserem Kassier Karl Heinz Geilker, der als einziger alter Hase noch im neuen Vorstand ist und uns eine große Stütze ist, habe ich erfahren, dass die Zukunft des Vereins ungewiss ist. Drei von vier Vorstandsposten waren vakant.

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Da musste ich nicht lange überlegen. Es ist eine Herzensangelegenheit, krebskranken Kindern zu helfen. Ich habe dann Andreas Eißner, mit dem ich Squash spiele, angefragt, ob er den Vize macht – er war sofort dabei. Wir wollen, dass der Verein weiterlebt.

Was macht der Verein denn genau?

Wir versuchen da zu helfen, wo die Unterstützung der Krankenkassen aufhört. Zum Beispiel geben wir Zuschüsse zu Reittherapien oder wir übernehmen teilweise die Reisekosten zu Behandlungen. Das ist die finanzielle Seite. Wir wollen den Kindern aber auch Momente schenken, wo sie den Krebs vergessen können. Dazu gehören Ausflüge wie in den Zirkus oder in den Zoo. Karlhans Benz hat auch regelmäßig mit den Kindern zu Weihnachten Plätzchen gebacken.

Helfen Sie nur Kindern aus dem Landkreis?

Ja, der Wohnort muss im Landkreis sein. Wir haben aber ein Kind, das nach Starnberg gezogen ist. Das betreuen wir natürlich weiter.

Wie viele Kinder sind es denn, die der Verein aktuell betreut?

Gerade einmal 11, im Alter von 0 bis 18 Jahren. Das ist ein Problem. Schließlich wollen wir alle kranken Kinder erreichen, aber unseren Verein kennt man noch nicht. Deshalb wollen wir ihn bekannter machen.

Wie wollen Sie das anstellen?

Derzeit haben wir 100 Mitglieder. Wir wollen mehr Mitglieder gewinnen, um so mehr Geld zu generieren, das den Kindern zugute kommt. Zudem wollen wir den Hilfsgedanken erweitern. Bisher hat sich alles um die Kinder gedreht, wir wollen die Hilfe auf die Familien ausdehnen. Denn wenn die Familie entlastet wird, hilft es auch dem Kind.

Wie soll das aussehen?

Unter anderem wollen wir ein Hilfe-Netzwerk aufbauen. Das soll eine Online-Plattform sein, wo Familien schnell Hilfe finden können für alltägliche Dinge, wie zum Beispiel einkaufen. Das ist für eine Familie, die ein krankes Kind hat, das gerade frisch von der Chemo kommt, eine große Entlastung. Denn dieses Kind darf keine Lebensmittel essen, die drei Tage im Kühlschrank waren. Zu groß ist die Gefahr, dass es auf die Keime reagiert. Also muss jeden Tag eingekauft werden. Oder es findet sich jemand, der mal schnell ein warmes Mittagessen vorbeibringt. Es soll schnelle, spontane Hilfe sein, ohne dauerhafte Verpflichtung. So ein bisschen wie Kurz & Fündig.

Was ist konkret für dieses Jahr geplant?

Nachdem wir ein Logo entwickelt haben, ist jetzt unsere Website www.krebskindernhelfen.de online gegangen. Ein nächster Schritt ist dann, Flyer zu entwickeln, mit denen wir auf Ärzte, Schulen und Kindergärten zugehen können. Diese können die Flyer dann an betroffene Eltern weitergeben. Und natürlich würden wir gerne – sofern es Corona zulässt – mit den Kindern einen Ausflug machen und auch etwas zu Weihnachten. Zudem steht die Jahreshauptversammlung auf dem Programm und das traditionelle Wild- und Fischessen.

Wie sieht der Kontakt zu den Kindern abseits von Ausflügen aus?

Wir besuchen die Kinder zum Geburtstag mit einem Geschenk. Natürlich in Absprache mit den Eltern. Auch zu Weihnachten gibt es eine Kleinigkeit und wir kommen vorbei. Darüber hinaus sind wir jederzeit persönlich ansprechbar, um zu helfen.

Verein entstand aus spontaner Hilfsaktion 

Der Verein „Krebskranken Kindern helfen im Landkreis Fürstenfeldbruck“ wurde 1996 von Karlhans Benz offiziell gegründet. Davor existierte er aber schon unter dem Dach der Waldseefischer Gernlinden, deren Vorsitzender Benz ebenfalls war.

Benz’ Engagement für krebskranke Kinder begann 1983, als er von einer Familie erfuhr, die aufgrund der Krankheit ihres Sohnes in finanzielle Not geraten war. Innerhalb eines Abends soll er damals 7000 Mark für die Familie gesammelt haben. Aus der spontanen Aktion ist eine Lebensaufgabe geworden. 2020 ist Karlhans Benz gestorben.

Betroffene Eltern können Kontakt mit dem Verein „Krebskranken Kindern helfen im Landkreis Fürstenfeldbruck“ aufnehmen per E-Mail an vorstand@krebskindernhelfen.de.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck finden Sie auf Merkur.de/Fürstenfeldbruck.

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